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IAA Transportation

Lkw-Branche fordert Tempo bei Infrastrukturausbau

Die IAA hat bis Sonntag geöffnet.

Die IAA hat bis Sonntag geöffnet. Foto: Moritz Frankenberg/dpa

Lastwagen verursachen einen großen Teil der CO2-Emissionen auf den Straßen Europas. Brummis mit Batterien und Wasserstoff sollen helfen. Doch die Branche sieht ein Problem bei der Infrastruktur.

Von dpa 15.09.2026, 11:30 Uhr

Hannover. Die Nutzfahrzeugindustrie sieht sich beim Umstieg auf klimafreundliche Antriebe durch den schleppenden Ausbau der Infrastruktur deutlich ausgebremst. „Europaweit mangelt es noch immer an Lade- und Wasserstofftankinfrastruktur mit den begleitenden Energienetzen. Die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist riesig“, teilte die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, zur Eröffnung der Nutzfahrzeugmesse IAA Transportation in Hannover mit. 

Knapp 30 Prozent der CO2-Emissionen auf Europas Straßen entfallen Müller zufolge auf den Schwerlastverkehr. Das Potenzial sei enorm. Die Industrie habe mit Investitionen und Innovationen Lösungen für die klimafreundliche Mobilität entwickelt. Sie stünden bereit und seien einsatzfähig. Batterieelektrische Lkw kommen auf Reichweiten von bis zu 500 Kilometern, Wasserstoff-Lastwagen kämen aktuell 700 bis 800 Kilometer weit. „Was jetzt fehlt, sind die richtigen Rahmenbedingungen“, sagte Müller. 

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) und VDA-Präsidentin Hildegard Müller beim Messeauftakt.

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) und VDA-Präsidentin Hildegard Müller beim Messeauftakt. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Die Infrastruktur sei die „zwingend notwendige Voraussetzung“ dafür, dass die Produkte auf die Straße kommen. Die Stromnetze seien aber nicht ausreichend darauf vorbereitet. Die Politik stehe in der Bringschuld. Müller forderte: „Wir brauchen einen Infrastruktur-Turbo und eine realistische Bestandsaufnahme in Deutschland und Europa“. 

Verband sieht Nachholbedarf 

Aus Sicht des VDA geht es dabei nicht nur um zusätzliche Ladepunkte, sondern auch um deren Leistung. E-Lastwagen im Fernverkehr müssten an besonders leistungsfähigen Ladesäulen laden können, damit ihre Fahrer die gesetzlichen Lenk- und Pausenzeiten einhalten könnten. Der VDA geht für 2030 von einem Bedarf von rund 4.000 solcher Megawatt-Ladepunkte hierzulande aus. Geplant seien bisher deutlich weniger. 

In ganz Europa sieht es dem Verband zufolge noch schlechter aus. Ein Problem sei auch die ungleiche Verteilung. Große Lücken gebe es in Transitländern wie Polen und Tschechien. „Europa braucht verbindliche und ambitionierte Ausbaupläne für Lade- und Wasserstofftankinfrastruktur mit den begleitenden Stromnetzen“, sagte Müller. Keiner setze E-Lastwagen ein, wenn an der Grenze buchstäblich der Stecker gezogen werde. 

Bilger: Konkrete Umsetzung beginnt 

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger verwies auf den geplanten Ausbau der Infrastruktur. In Deutschland seien bereits mehr als 14.000 mittlere und schwere Nutzfahrzeuge täglich im Einsatz. „Wer laden will, muss laden können“, sagte der CDU-Politiker. Entlang der Autobahnen werde man ein Schnellladenetz für E-Lkw aufbauen. Dafür stelle man rund eine Milliarde Euro zur Verfügung. So solle in den kommenden Jahren eine leistungsfähige Grundversorgung entlang der Hauptachsen des Güterverkehrs entstehen. 

Den Start der Umsetzung an 124 unbewirtschafteten Rastanlagen gab Bilger nach der IAA-Eröffnung bekannt. Die Arbeiten vor Ort würden nun beginnen. Die Ausschreibungen für die Standorte an bewirtschafteten Rastanlagen seien in Vorbereitung. Perspektivisch sollen so rund 4.200 Ladepunkte an ungefähr 350 Standorten entstehen - darunter etwa 1.800 Megawatt-Ladepunkte. 

Ergänzt werde das Schnellladenetz durch privatwirtschaftliche Angebote, sagte Bilger. Das sei eine Teamleistung. Die schwarz-rote Bundesregierung setze aber auch auf andere Antriebstechniken. Gefördert werden Bilger zufolge mindestens 35 Wasserstofftankstellen und die Anschaffung von rund 500 Nutzfahrzeugen. Das stärke die Wettbewerbsfähigkeit und beschleunige den Wandel des Straßengüterverkehrs hin zu klimafreundlichen Antrieben. 

Fast 1.600 Aussteller in Hannover 

Die IAA Transportation läuft bis Sonntag auf dem Messegelände in Hannover. Dem VDA zufolge sind knapp 1.600 Aussteller vertreten. Mehr als 70 Prozent kommen aus dem Ausland. Besonders stark vertreten seien in diesem Jahr Aussteller aus China, der Türkei und Italien. 

Knapp 1.600 Aussteller sind laut VDA auf der IAA Transportation vertreten.

Knapp 1.600 Aussteller sind laut VDA auf der IAA Transportation vertreten. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Im Mittelpunkt der Messe stehen Zukunftsthemen der Branche: Das sind vor allem alternative Antriebe wie Elektromotoren und Brennstoffzellen sowie automatisiertes und autonomes Fahren. In den kommenden Tagen präsentieren die Aussteller mehr als 150 Weltpremieren und Neuheiten. Nach VDA-Angaben stehen für Besucher auch mehr als 80 Fahrzeuge für Probefahrten bereit.

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