Laser gegen Drohnen: Was kann die Technik aus Hannover?
„Photonik- und Lasertechnologien sind in vielen Bereichen unverzichtbar“, sagte Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD). Foto: Moritz Frankenberg/dpa
Drohnen können militärische Einrichtungen ausspähen, Infrastruktur stören oder als Waffen eingesetzt werden. Ein Unternehmen aus Hannover setzt auf Hochleistungslaser zur Abwehr.
Hannover. In der Ukraine gehören Drohnen längst zum Alltag des Krieges. Auch in Deutschland werden immer wieder verdächtige Flugobjekte über militärischen Anlagen, Rüstungsbetrieben und Einrichtungen der kritischen Infrastruktur gemeldet. Die 2017 gegründete Firma FiberBridge Photonics setzt bei der Abwehr auf gebündeltes Licht: In Hannover will das Unternehmen leistungsstarke Lasersysteme in Serie fertigen.
Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) eröffnete die neue Produktionsstätte. „FiberBridge Photonics ist ein Beispiel für die erfolgreiche Entwicklung eines Hightech-Unternehmens aus der niedersächsischen Forschungslandschaft heraus“, hieß es aus der Staatskanzlei. Das Unternehmen sieht sich als Zulieferer für komplette Drohnenabwehrsysteme. Wie funktioniert die Technik, was kann sie leisten – und wo liegen ihre Grenzen?
Was wird in Hannover hergestellt?
FiberBridge Photonics entwickelt und produziert Hochleistungslaser, die ein wichtiger Bestandteil eines vollständigen Abwehrsystems sind. Das Unternehmen vergleicht seine Rolle mit der eines Batterieherstellers für Elektroautos: Es liefert einen zentralen Baustein, aber nicht das gesamte System.
Zusätzlich braucht es unter anderem Sensoren, Kameras, Steuerungssoftware sowie Technik zur präzisen Ausrichtung des Strahls. FiberBridge Photonics beliefert nach eigenen Angaben vor allem Rüstungsunternehmen in Deutschland, Europa und anderen Teilen der Welt.
Wie zerstört ein Laser eine Drohne?
Zunächst muss das Abwehrsystem das Flugobjekt erkennen, identifizieren und verfolgen. Anschließend wird ein gebündelter Laserstrahl auf einen bestimmten Punkt der Drohne gerichtet.
Dort entsteht große Hitze. Materialien können schmelzen, Strukturen geschwächt oder elektronische Bauteile beschädigt werden. Der Laser muss dafür trotz der Bewegung der Drohne präzise auf dem Ziel gehalten werden.

Am Flughafen Leipzig/Halle kam es gerade erst zu einem Vorfall mit einer Drohne. Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Welche Leistung und Reichweite haben die Systeme?
FiberBridge Photonics bietet nach eigenen Angaben kleinere Laser mit 5 bis 20 Kilowatt zur Bekämpfung einzelner Drohnen an. Systeme mit 30 bis 100 Kilowatt seien für größere Entfernungen und anspruchsvollere Szenarien gedacht, darunter Drohnenschwärme. Das Unternehmen nennt Reichweiten von einigen Kilometern.
Kann ein Laser einen Drohnenschwarm stoppen?
Grundsätzlich kann ein Laser mehrere Ziele nacheinander bekämpfen. Jedes Fluggerät muss jedoch einzeln erfasst, anvisiert und lange genug bestrahlt werden. Entscheidend sind daher nicht nur die Laserleistung, sondern auch Sensorik, Steuerung, Energieversorgung und Kühlung. FiberBridge Photonics erklärt, seine leistungsstärkeren Systeme seien für solche Lagen ausgelegt.
Welche Vorteile hat der Laser?
Die Bundeswehr hebt die hohe Präzision und die vergleichsweise niedrigen Kosten eines einzelnen Abwehrvorgangs hervor. Während ein Lenkflugkörper sehr teuer sein kann, benötigt ein Laser vor allem Strom und Kühlung.
Solange Energie vorhanden ist und das System nicht überhitzt, kann es theoretisch weitere Ziele bekämpfen. Klassische Munition muss nicht nachgeladen werden.
Warum ersetzt die Technik keine anderen Abwehrmittel?
Laser funktionieren nicht in jeder Lage. Störsender können etwa die Steuerung einer Drohne unterbrechen. Kanonen, Abfangdrohnen oder Flugkörper können je nach Entfernung, Wetter und Ziel ebenfalls geeigneter sein. Drohnenabwehr besteht daher meist aus mehreren aufeinander abgestimmten Systemen. Der Laser wäre ein zusätzlicher Baustein, aber keine Universallösung.

FiberBridge Photonics bedient laut Geschäftsführer Thomas Theeg primär Rüstungsunternehmen aus Deutschland, Europa und auf internationaler Ebene, aber auch kleinere und mittlere Unternehmen. Foto: Moritz Frankenberg/dpa
Wie stark beeinflusst das Wetter die Wirkung?
Nebel, Regen, Staub und Rauch können den Laserstrahl abschwächen oder streuen. Dann gelangt weniger Energie am Ziel an, und die Drohne muss länger bestrahlt werden.
FiberBridge Photonics erklärt, Leistungsreserven könnten viele Wetterlagen ausgleichen. Auch die Bundeswehr nennt atmosphärische Einflüsse jedoch ausdrücklich als Grenze. Zudem braucht der Laser eine freie Sichtlinie zum Ziel.
Welche Risiken gibt es?
Ein Hochenergielaser kann Menschen, Flugzeuge und andere Objekte gefährden, wenn er falsch ausgerichtet wird. Sicherheitsmechanismen müssen deshalb verhindern, dass der Strahl einen unkontrollierten Bereich trifft.
Auch eine erfolgreich bekämpfte Drohne kann zur Gefahr werden. Trümmer, Batterien oder Sprengstoff können abstürzen. Das Innenministerium nennt den Schutz Unbeteiligter daher als entscheidendes Kriterium.
Ist die Technik schon einsatzbereit?
FiberBridge Photonics bezeichnet seine Systeme als fertige Produkte – sie könnten ab sofort eingesetzt werden. Kunden außerhalb Europas würden bereits seit 2018 beliefert. Die Bundeswehr äußert sich zurückhaltender. Laserwaffensysteme hätten großes Potenzial, müssten aber weiter einsatzfähig gemacht werden.
Wie groß ist die Produktion in Hannover?
Nach Angaben des Unternehmens stehen rund 1.000 Quadratmeter Produktionsfläche zur Verfügung. Dort würden mehrere Produktionslinien für Hochleistungslaser aufgebaut. Das Land sieht in dem Ausbau einen Beitrag zur technologischen Eigenständigkeit Deutschlands und Europas.

„Photonik- und Lasertechnologien sind in vielen Bereichen unverzichtbar“, sagte Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD). Foto: Moritz Frankenberg/dpa
Wie groß ist das Drohnenproblem in Niedersachsen?
Bis zum 30. Juli des laufenden Jahres registrierte das Innenministerium 300 Vorkommnisse mit auffälligen Positionslichtern oder mutmaßlichen Drohnensichtungen. Im gesamten Vorjahr waren es 435, im Jahr 2024 nur 131. Nicht immer lässt sich sicher feststellen, ob tatsächlich eine Drohne beobachtet wurde. Betroffen waren aber auch kritische Infrastruktur, militärische Einrichtungen und Rüstungsunternehmen.
Was kann die Polizei derzeit tun?
Die Polizei Niedersachsen verfügt bislang nicht über spezielle eigene Technik zur Drohnenerkennung. Die Beschaffung entsprechender Systeme läuft nach Angaben des Innenministeriums.
Bei geplanten Einsätzen kann das Land Technik anderer Bundesländer oder des Bundes nutzen. Im Entwurf für ein neues Polizeigesetz ist zudem eine spezielle Rechtsgrundlage für die Erkennung und Abwehr unbemannter Systeme vorgesehen.
Könnte die Polizei künftig Hochenergielaser einsetzen?
Eine konkrete Beschaffung ist bislang nicht bekannt. Hochenergielaser gehören nicht zur Standardausrüstung der Polizei Niedersachsen. Das Innenministerium verfolgt die Entwicklung jedoch. Vor einem Einsatz müssten technische Eignung, rechtliche Voraussetzungen, Verhältnismäßigkeit und Risiken für Unbeteiligte geprüft werden. Ein militärisches System lässt sich daher nicht ohne Weiteres im zivilen Bereich einsetzen.