Zähl Pixel
Streit um Veranstaltung

Arne Semsrott soll doch in Magdeburger Stadtbibliothek lesen

„Gegenmacht – Die Zivilgesellschaft schlägt zurück“ ist nicht das erste Buch von Semsrott. (Archivbild)

„Gegenmacht – Die Zivilgesellschaft schlägt zurück“ ist nicht das erste Buch von Semsrott. (Archivbild) Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Eine Lesung von Semsrott war in ein Kulturzentrum verlegt worden – zum Unmut des Autors selbst. Vorwürfe politischer Einflussnahme wies die Stadt zurück. Nach Gesprächen kommt es nun zur Kehrtwende.

Von dpa Freitag, 29.05.2026, 11:00 Uhr

Magdeburg. Autor und Aktivist Arne Semsrott soll nächste Woche nun doch in der Stadtbibliothek Magdeburg aus seinem neuen Buch vorlesen. „Wir können Ihnen bestätigen, dass es eine Lesung mit Arne Semsrott als Matinee am 6. Juni um 11.00 Uhr in der Stadtbibliothek Magdeburg geben wird“, sagte Stadtsprecher Michael Reif auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Die Lesung war von der Stadtbibliothek der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts in das Kulturzentrum Moritzhof verlegt worden. Semsrott hatte das scharf kritisiert. Zuvor hatte die Wochenzeitung „Die Zeit“ berichtet.

Ursprünglich war eine Lesung aus Semsrotts neuem Buch „Gegenmacht – Die Zivilgesellschaft schlägt zurück“ für den 5. Juni in der Stadtbibliothek der Landeshauptstadt angekündigt worden. Dann wurde sie in den Moritzhof verlegt. Dort treten nach Angaben des Hauses die Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt und der Verein Miteinander als Veranstalter auf. Die Heinrich-Böll-Stiftung ist die parteinahe Stiftung der Grünen. 

Borris will zu Lesung kommen

Eine Matinee ist eine kulturelle Veranstaltung, die am Vormittag stattfindet. Dass Semsrott nun doch in der Stadtbibliothek lesen wird – wenn auch einen Tag später als geplant – sei „Ergebnis eines Gespräches zwischen Oberbürgermeisterin Simone Borris und Arne Semsrott“, erklärte Reif. Die parteilose Politikerin wolle die Veranstaltung auch besuchen, kündigte der Sprecher an.

Oberbürgermeisterin Simone Borris (parteilos) will auch zur Lesung in der Stadtbibliothek kommen. (Archivbild)

Oberbürgermeisterin Simone Borris (parteilos) will auch zur Lesung in der Stadtbibliothek kommen. (Archivbild) Foto: Matthias Bein/dpa

Warum Semsrott nicht im Moritzhof lesen wollte

Im Streit um die verlegte Lesung hatte Semsrott der Oberbürgermeisterin zuvor politische Einflussnahme vorgeworfen. Die Verlegung bezeichnete er als eine „Ausladung“. Die Stadt habe nichts damit zu tun, dass die Veranstaltung nun im Moritzhof stattfinden könne, sagte er im Deutschlandfunk Kultur. Aus seiner Sicht gehe es grundsätzlich darum, ob eine Lesung in einem öffentlich zugänglichen und öffentlich finanzierten Ort wie der Stadtbibliothek möglich sei.

Der Autor vermutete hinter der Entscheidung politischen Druck. Er gehe „sehr stark davon aus“, dass die Diskussion mit einer kritischen Anfrage der AfD im Magdeburger Stadtrat zu einer früheren Lesung zusammenhänge. Er glaube, „dass die Stadt jetzt dachte, ach, den Stress, den wollen wir nicht haben in Zukunft, dann lassen wir den Semsrott lieber nicht bei uns lesen“. Belegen könne er dies nicht, allerdings habe er von mehreren Seiten gehört, dass der Inhalt seines Buches als „zu provokativ“ eingeschätzt worden sei.

Was die Stadt-Chefin dazu sagte

Oberbürgermeisterin Borris hatte die Vorwürfe des 38 Jahre alten Hamburgers zurückgewiesen. „Eine Entscheidung oder Weisung meinerseits, die Veranstaltung abzusagen, die Lesung zu untersagen oder die Kooperation der Stadtbibliothek zu beenden, hat es nicht gegeben“, hatte sie in einer öffentlichen Sitzung des Stadtrats gesagt.

In einer Dienstberatung sei die Veranstaltung im Zusammenhang mit Fragen parteipolitischer Neutralität vor Wahlen angesprochen worden. Sie habe dann lediglich um eine Prüfung und nicht um eine Absage gebeten, den Autor und seine Bücher habe sie nicht gekannt. Dass sich die Stadtbibliothek mit Verweis auf Meinungs- und Kunstfreiheit bereits zuvor ausdrücklich dafür ausgesprochen habe, die Veranstaltung stattfinden zu lassen, sei ihr in der Dienstberatung nicht bekannt gewesen.

Zugleich räumte Borris ein, dass der weitere Verlauf bei Beteiligten „irritierend, enttäuschend oder auch verletzend angekommen sein kann“. Deshalb lud sie Semsrott sowie Vertreter der Heinrich-Böll-Stiftung zu einem Gespräch ein – welches nun offenbar zu einer Lösung führte.

Die Redaktion empfiehlt
Diskutieren Sie mit!