Windpark Hornburg: Was Befürworter und Gegner des Projekts sagen
Der Blick fällt vom Höhenzug des Kleinen Fallstein Richtung Großes Bruch: Auf den landwirtschaftlichen Flächen soll ein Windpark östlich von Hornburg entstehen. Schemenhaft sind im Hintergrund bereits Windkraftanlagen zu erkennen. Foto: Gereke
Das Projekt Windpark Hornburg erhitzt die Gemüter. Am Donnerstag trafen Befürworter und Gegner aufeinander. Welche Positionen vertreten beide Seiten, wie geht es weiter?
Hornburg. Ein Abend der Gegensätze in Hornburg: Die CDU der Stadt hatte zum Informationsabend über den geplanten Windpark eingeladen, der östlich der Fachwerkstadt Richtung Landesgrenze entstehen soll. Auf der Rednerliste standen sowohl Befürworter, als auch Gegner des Projekts, die ihre Argumente austauschten. Ein Abend mit Emotionen.
Schon die Sitzordnung im voll besetzten Saal von „Adams Schützenhof“ verdeutlichte den Gegensatz. An den Saalseiten saßen sich Vertreter der Pro- und Contra-Seite gegenüber. Auf der einen Projektentwickler und Vertreter der Gemeinde Schladen-Werla, die die Gemeindeöffnungsklausel nutzt, um einen Windkraftausbau in diesem Gebiet zu ermöglichen, noch bevor der Regionalverband Großraum Braunschweig dort ein Vorranggebiet ausweisen kann, auf der anderen Vertreter von Bürgerinitiative, CDU Hornburg und Nabu.
Groß ist das Interesse an der Informationsveranstaltung zum geplanten Windpark östlich von Hornburg. Rund 150 Besucher füllen den Saal. Foto: Gereke
Rund 150 Zuhörer verfolgten den Abend – zu Wort meldeten sich in der anschließenden Fragerunde ausschließlich Menschen, die dem Vorhaben mindestens kritisch, meist sogar ablehnend gegenüber standen. Dem Ruf waren aber nicht nur Hornburger gefolgt, sondern Interessierte waren auch aus anderen Teilen der Gemeinde, aus den östlichen Nachbardörfern der Fachwerkstadt in Sachsen-Anhalt sowie auch von der Liebenburger Bürgerinitiative gekommen, die gegen einen Windpark zwischen Liebenburg, Döhren und Neuenkirchen kämpft.
„Warum nicht eigenes Land für Erneuerbare nutzen?“!
Bernd Reiner, CDU-Gemeinderatsmitglied und Teil der Bürgerinitiative Hornburg, die sich gegen die Windkraftpläne wendet, erteilte zunächst Florian Lüders vom Projektentwickler EB Sim das Wort. Der trat erstmals öffentlich in Hornburg auf. EB steht dabei für Evangelische Bank, die Konzernmutter. „Die Idee dahinter: Die Evangelische Kirche ist einer der größten Flächeneigentümer in Deutschland – warum also eigenes Land nicht selbst für Erneuerbare Energien nutzen“, erläuterte Lüders.
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Damit sei das Unternehmen an die Gemeinde mit dem Vorschlag herangetreten, das bereits zuvor vom Regionalverband als mögliche Vorrangfläche für Windkraft identifizierte Areal zu vergrößern. „Und das stieß auf Zustimmung“, so Lüders. Es geht jetzt um ein Gebiet von 286 Hektar – gegenüber den 137 Hektar, die der Regionalverband vorgesehen hatte. Auf der ursprünglichen Fläche wären acht bis zehn Windenergieanlagen möglich, auf einer vergrößerten könnten es 13 sein. Aktuell würden die Pläne für die zweite Offenlegung überarbeitet. Lüders erklärte auch: „Die jetzt maskierte Fläche wird in dieser Größe nicht so Bestand haben.“ In der ersten öffentlichen Auslegung der Planungen zur Änderung des Flächennutzungsplan hätten übrigens etwa 20 von 50 angeschriebenen Trägern öffentlicher Belange reagiert – hinzu kamen sechs private Stellungnahmen sowie eine Petition mit fast 700 Unterschriften gegen das Projekt, die die BI online gesammelt hatte. Zum Zeitplan sagte Lüders, dass in diesem Jahr ein Fachbüro die Kartierungen beispielsweise in Sachen Artenschutz mache. 2027 könne dann der Bauantrag gestellt werden. Er rechnet mit einer Genehmigung ein Jahr später, sodass in drei bis vier Jahren gebaut werden könnte.

Bislang gibt es in der Gemeinde Schladen-Werla einen Windpark. Hier erheben sich die Anlagen über den Dächern der Ortschaft Wehre. Foto: Gereke
Benno Gries und Ralf Isensee vom Nabu-Kreisverband Wolfenbüttel nahmen zu dem Projekt im Anschluss aus Natur- und Artenschutzsicht Stellung. Storchenvater Isensee sprach von einer Kollisionsgefahr, die durch die bis zur Rotorspitze 250 Meter hohen Anlagen bestehe. Im westlichen Großen Bruch gebe es sechs bis sieben Brutpaare – „eine Storchendichte wie seit 100 Jahren nicht mehr“, berichtete er von einer erfolgreichen Wiederansiedlung. „Die Vögel wollen ins Große Bruch, wo die Nahrungsquellen sind – und dann steht der Windpark vor ihnen wie eine Wand.“ Er sprach davon, dass aufgrund des Hindernisses, das für einige Störche tödlich sein werde, ein Meidungsverhalten entwickelt werden könnte – und sie auf andere Standorte ausweichen. „Wir haben in der Vergangenheit Fehler gemacht und die Störche sind verschwunden – wir sollten so etwas nicht wiederholen.“
„Sehen Windenergie dort außerordentlich kritisch“
Gries ergänzte: „Wir sehen Windenergie dort außerordentlich kritisch.“ Naturschutz dürfe für die Ausweisung neuer Windkraftgebiete nicht unter die Räder kommen. „Nach Einschätzung des Nabu ist die Fläche östlich von Hornburg kein Eignungsgebiet und kein Beschleunigungsgebiet.“ In diesem Zusammenhang verwies er auch auf Fehler in den ersten ausgelegten Plänen – die Flächen seien nicht so markiert, sodass ein vorgeschriebener 200-Meter-Abstand von einem Turmmittelpunkt zu Straßen gewährleistet sei.
Als Energieexperte trat Albrecht Stalmann, Beisitzer im Wolfenbütteler CDU-Kreisvorstand, auf und lieferte anschließend eine Einschätzung zur Politik der Bundesregierung und dem Ausbau der Erneuerbaren Energien. Sein Fazit: „Im Grundsatz brauchen wir Windkraft, aber sie löst unser Energieproblem nicht. Und wir müssen uns überlegen, ob wir wie mit der Zyklopenfaust hinschlagen und überall Windparks ausweisen. Bei der Energiewende ist Augenmaß gefragt – und wir müssen die Menschen mitnehmen.“ Tobias Niemann von der Bürgerinitiative Hornburg fasste anschließend die Argumente der Gegner zusammen. Er beklagte, dass Anlagen inmitten fruchtbarer Böden und CO2-speichernder Erdniedermoorflächen entstehen sollen. Anlagen, die viermal höher seien als die Hornburg. „Was hat Hornburg außer Natur und Ruhe zu bieten – ein Windpark hätte massive Auswirkungen auf Stadtbild und Anwohner.“ Zu einer Zerstörung der Natur und einer schwindenden Attraktivität Hornburgs zählte er zudem Lärmbelästigungen und gesundheitliche Bedenken durch die Anlagen auf. „Energiewende ja, aber was zu viel ist, ist zu viel“ – und Niemann erinnerte an die Kommunalwahlen im September. „Bürgerwünsche sollten respektiert werden.“

Die Grafik markiert die Flächen, die für einen Windpark östlich von Hornburg Diskussionsgrundlage für eine F-Plan-Änderung sind. Foto: Gereke
Nun waren Fragen aus dem Publikum angesagt – war es bislang ruhig, so wurde es nun emotionaler. Auf die Frage, wo die Trasse verlaufen solle, um erzeugten Strom ins Netz einzuspeisen, konnte Lüders noch keine Antwort geben – und erntete dafür Gelächter. „Es ist ja aber auch unklar, wie viele Anlagen entstehen und wo sie genau errichtet werden“, erläuterte er. Außerdem gebe der Netzbetreiber den Anschlusspunkt vor. Ein andere Bürger verwies auf die feuchten Untergründe im Bruch: „Ich garantiere große Schwierigkeiten, wenn sie dort etwas hinstellen wollen.“ Lüders erklärte, dass zuvor natürlich jeder potenzielle Standort untersucht werde. „Es sind technische Herausforderungen, aber sie sind lösbar.“ Schließlich schwenkte die Diskussion auf den Punkt der Wiedervernässung des Großen Bruchs. „Es geht in diesem Punkt auch um die künftige Nutzung der Moore – beispielsweise durch regenerative Energien, und auch Windkraft ist dabei eine Option“, erklärte Hornburgs Ortsbürgermeister Marc Samel.
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Dann geriet die Gemeindeverwaltung in den Fokus, die mit Bürgermeister Martin Schulze und Cordula Wulf vom Bauamt vertreten war. „Warum wartet man nicht auf die Regionalplanung? Warum eine größere Fläche? Ich habe die Befürchtung, es sollen Tatsachen geschaffen werden“, so ein Versammlungsteilnehmer. „Die Gemeinde übernimmt einen Teil der Regionalplanung und darf das auch. Die Gremien haben so entschieden“, entgegnete Wulf. „Aber warum macht die Gemeinde so einen Druck? Soll dem Investor entgegengekommen werden, damit es sich für ihn lohnt?“, lautete die Nachfrage. Wulf: „Würden wir auf die Regionalplanung warten, wäre es ein Vorranggebiet und Windkraft per se zulässig. Schladen-Werla geht einen anderen Weg. Wir schieben ein Bauleitverfahren an, um die Belange der Bürger zu berücksichtigen.“
„Windpark direkt vor der Nase“
Nabu-Mann Gries befand, dass damit die Frage nicht klar beantwortet worden sei. Seiner Meinung nach gehe die Gemeinde ein erhebliches Risiko ein. Er sprach vom Abwägungsgebot – eben der Abwägung mit Alternativflächen. Die aber gebe es bei dem gemeindlichen Weg gar nicht. „Hier wird der umgekehrte Weg gegangen.“ Um diese Fläche gehe es und die komme dabei heraus. „Die Gemeinde, die sich so etwas traut, muss verdammt gut sein.“ Lüders merkte an, dass die Geschichte der Regionalplanung was Klagen angehe deutlich schlechter dastehe, als die der Kommunalplanung. „Aber die Entscheidung treffen, so ein Projekt dorthin zu verlagern, wo Betroffenheit geringer ist, kann eine Kommune nur eingeschränkt“, entgegnete Gries.
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Schließlich ging es ums Geld. Finanziell würden nicht nur Flächeneigentümer, sondern auch die Gemeinde profitieren – mit einer deutlich sechsstelligen Summe, so Lüders. „Das Geld landet ja in der Gemeindekasse“, kommentierte Niemann, dass nicht ausschließlich Hornburg davon etwas habe. „Beim Windpark Beuchte funktioniert es genauso“, wandte Samel ein. „Beuchter Bürger haben zu dem auch etwas Luft, die Hornburger hätten den Windpark direkt vor der Nase“, entgegnete Niemann.
Und dann kam die Frage aller Fragen in Sachen Ausbau der Windkraft: „Kann die Gemeinde gezwungen werden? Oder kann es ein Gremium verhindern?“ Samel machte es angesichts der rechtlichen Situation kurz: „Ja, wir können gezwungen werden. Nein, wir können es nicht verhindern.“ Ein ungläubiger Aufschrei ging durch die Besucherreihen.
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