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Jahresrückblick im Oberharz

GZ Plus IconWildschweine halten Harzer im Jahr 2025 vielerorts auf Trab

Das Bild zeigt den Kopf von einem Wildschwein.

Die Verzweiflung durch die Wildschweinschäden im Oberharz ist groß. Foto: Deck/dpa

Zerstörte Gärten und Parks sorgen immer wieder für Ärger. In Altenau kommt es zu einer brenzligen Begegnung. Die Stadt bittet schließlich das Land um Hilfe.

Samstag, 03.01.2026, 04:00 Uhr

Im Oberharz eskaliert die Wildschweinplage: Es vergeht kaum eine Nacht, in der die Tiere nicht in privaten Gärten, Parks oder öffentlichen Wegen unterwegs sind. Aufgrund der Schäden müssen Veranstaltungen verlegt werden, die Kurbetriebsgesellschaft setzt mittlerweile auf elektrische Weidezäune. In Altenau soll es eine brenzlige Begegnung gegeben haben. Die Bürgermeisterin wendet sich hilfesuchend ans Land, obwohl die Ministerin mehr die Jäger vor Ort in der Verantwortung sieht.

Der Kurpark in Altenau gleicht einem Schlachtfeld. Die Abschlussveranstaltung des Altenauer Heimatfestes kann deshalb dort nicht stattfinden, auch der Harzer Jodlerwettstreit muss ins Kurgastzentrum umziehen.

Elektrozaun als letzter Ausweg

Die Kurbetriebsgesellschaft (KBG) hat es aufgegeben, die Schäden ständig zu beseitigen. Als letzten Ausweg stellen die Außendienstmitarbeiter einen elektrischen Weidezaun auf – ein ungewöhnlicher Schutz in einem öffentlichen Park. In der Tourist-Information häufen sich weiterhin Meldungen über zerstörte Gärten, und das gilt nicht nur für Altenau. Stark betroffen ist zudem der Bereich an der Kleinen Oker inklusive der Liegewiese des Waldschwimmbads, das die KBG betreibt. Darum wird dort ebenfalls ein Schutzzaun installiert. Auch private Grundstückseigentümer rüsten dahingehend nach.

Neben vielen privaten Gartenbesitzern ist auch das Ehepaar Lutz vom Altenauer Kräuterpark von der Wildschweinproblematik betroffen. „Es ist existenzbedrohend“, betont Jens Lutz, der den Park gemeinsam mit seiner Frau Sandra 2024 übernommen hat. Die Beseitigung der Schäden sei teuer und aufwendig. Auch verstärkte Zäune hätten nichts gebracht. Ein Mitarbeiter des Parks hatte sogar direkten Kontakt mit einem Wildschwein. Er flüchtete Richtung Gewürzpagode, versteckte sich und sprang schließlich aus Angst über den zwei Meter hohen Zaun.

Der Oberharz sieht sich mit einer wachsenden Zahl von Wildschweinen konfrontiert, auch wenn die Meinungen auseinander gehen, wie viele Tiere es tatsächlich sind. Während Bürgermeisterin Petra Emmerich-Kopatsch (SPD) in einem Hilferuf an die Ministerien von etwa 5000 spricht, geht die Jägerschaft gerade einmal von einem Zehntel in Clausthal-Zellerfeld aus.

Lösung liegt bei Jägern vor Ort

Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Bündnis 90/Die Grünen) nimmt in einem ausführlichen Schreiben Stellung. Nach Ansicht der Ministerin liegt der Schlüssel zur Lösung vor allem bei den Akteuren vor Ort: den Jagdbehörden in Goslar und Göttingen, den Niedersächsischen Landesforsten sowie den Jägern. Sie sollen ihre Zusammenarbeit verstärken und die bestehenden Möglichkeiten des Jagdrechts konsequent nutzen.

Es bestehe auch die Möglichkeit, auch in befriedeten Bezirken – in Siedlungen, Gärten oder Parks – gegen die wachsende Wildschweinpopulation vorzugehen. Die Jagdbehörde, also der Landkreis Goslar, kann dort eine beschränkte Jagd erlauben, sofern die öffentliche Sicherheit gewährleistet bleibt.

Zur Unterstützung kündigt das Land eine neue Verordnung an. Diese sieht vor, dass bei revierübergreifenden Bewegungsjagden auf Schwarzwild eine pauschale Aufwandsentschädigung gezahlt wird – 200 Euro pro Jagdtag für Revierinhaber und 30 Euro für Hundeführer. Weitere finanzielle Anreize wie Abschussprämien hält die Ministerin jedoch nicht für notwendig.

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