Wildschweinprobleme im Harz: Land setzt auf die Jäger vor Ort
Das Landwirtschaftsministerium sieht bei der Wildschweinbekämpfung vor allem die Akteure vor Ort in der Pflicht. Foto: Grubitzsch/dpa
Die Wildschweinprobleme halten an. Das Land reagiert auf den Hilferuf aus dem Harz, setzt aber vor allem auf die Jäger vor Ort. Wie steht es um die Abschussprämie?
Clausthal-Zellerfeld. Im Oberharz bleibt die Wildschweinproblematik akut, auch wenn es zuletzt ruhiger wirkte. Von Entspannung könne keine Rede sein, sagt Bürgermeisterin Petra Emmerich-Kopatsch (SPD). Erst kürzlich sei in ihrer Nachbarschaft wieder ein Garten verwüstet worden. Vor Wochen hatte sich die Rathaus-Chefin schon mit einem Hilferuf nach Hannover gerichtet, jetzt liegt eine Antwort vor. Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Bündnis 90/Die Grünen) nimmt in einem ausführlichen Schreiben Stellung.
Lebendfallen gefordert
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Die Ministerin bestätigt in ihrem Brief, dass die Wildschweinpopulation im Oberharz deutlich gestiegen sei. Durch die dichte Vegetation seien die Tiere schwer zu bejagen. Immer häufiger weichen sie deshalb in Wohngebiete aus, wo es zu Schäden und Störungen kommt.
Zusammenarbeit soll gestärkt werden
Nach Ansicht der Ministerin liegt der Schlüssel zur Lösung vor allem bei den Akteuren vor Ort: den Jagdbehörden in Goslar und Göttingen, den Niedersächsischen Landesforsten sowie den Jägern. Sie sollen ihre Zusammenarbeit verstärken und die bestehenden Möglichkeiten des Jagdrechts konsequent nutzen.
Schäden in Ortschaften
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Zur Unterstützung kündigt das Land eine neue Verordnung an. Diese sieht vor, dass bei revierübergreifenden Bewegungsjagden auf Schwarzwild eine pauschale Aufwandsentschädigung gezahlt wird – 200 Euro pro Jagdtag für Revierinhaber und 30 Euro für Hundeführer. Weitere finanzielle Anreize wie Abschussprämien hält die Ministerin jedoch nicht für notwendig. Den Jägern sei die Problematik vor Ort schließlich mehr als bewusst.
Uneinigkeiten über Zahlen
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Emmerich-Kopatsch forderte in ihrem Brief ans Ministerium, dass Niedersachsen eine solche Prämie analog zu Sachsen-Anhalt einführt. Dort gibt es für jedes erlegte Schwarzwild 65 Euro. Das ist ein Bonus für Jäger, die Bestände über das übliche Maß hinaus zu kontrollieren. Hintergrund ist dort die Afrikanische Schweinepest (ASP), eine hochansteckende, meist tödlich verlaufende Viruserkrankung bei Wild- und Hausschweinen. Für Menschen ist sie zwar ungefährlich, sie verursacht aber große wirtschaftliche Schäden. Für die Haushaltsjahre 2025/26 sind in Sachsen-Anhalt jeweils 1,35 Millionen Euro für die Prämie eingeplant.
Zu klein für eigenen Jagdbezirk
Auch zur Frage der jagdbezirksfreien Bergwiesen in Buntenbock und Altenau äußert sich das Ministerium: Diese Flächen können demnach kein eigener Jagdbezirk werden. Sie würden die erforderlichen Eigenschaften in Bezug auf Größe, Zusammenhang oder Nutzbarkeit nicht erfüllen.

Auch wenn die Frischlinge niedlich aussehen, richten Wildschweinrotten im Oberharz großen Schäden an. Foto: Pleul/dpa
Die Ministerin weist in ihrem Schreiben besonders auf die Möglichkeiten hin, auch in befriedeten Bezirken – in Siedlungen, Gärten oder Parks – gegen die wachsende Wildschweinpopulation vorzugehen. Die Jagdbehörde, also der Landkreis Goslar, kann dort eine beschränkte Jagd erlauben, sofern die öffentliche Sicherheit gewährleistet bleibt. In dringenden Fällen kann der Landkreis sogar anordnen, dass Grundstückseigentümer den Bestand innerhalb einer bestimmten Frist und auch außerhalb der Schonzeiten verringern müssen, etwa zum Schutz von Landwirtschaft, Forst oder Naturschutzflächen.
Fallen kommen im Harz bereits zum Einsatz
Als Ergänzung zur regulären Jagd hebt die Ministerin den Schwarzwildfang hervor. Er sei besonders in dicht bebauten Bereichen wirksam, müsse aber fachkundig und tierschutzgerecht erfolgen. Das Land habe dazu Schulungen angeboten: 2023 wurden rund 90 Jägerinnen und Jäger im Fallenfang ausgebildet. Solche Fallen kommen im Harz bereits in Braunlage und St. Andreasberg zum Einsatz. Für Wieda liegt ein entsprechender Antrag vor.
Abschließend betont die Ministerin Staudte, dass Niedersachsen bereits umfassend finanzielle Mittel für die Schwarzwildbejagung und zur Prävention der Afrikanischen Schweinepest bereitgestellt habe und dies auch weiter tun werde.
Wie es im Oberharz mit der Wildschweinproblematik weitergeht, bleibt abzuwarten. Die Antworten aus Hannover klingen bislang recht theoretisch. Um das weitere Vorgehen zu besprechen, ist laut der Bürgermeisterin ein Treffen aller beteiligten Stellen geplant: Am 19. Dezember sollen unter anderem Forst, Stadt und Jagdbehörde zusammenkommen.
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