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Zerstörter Kurpark

GZ Plus IconWildschweinschäden: Ist die Altenauer Walpurgisnacht in Gefahr?

Ein Elektrozaun schützt derzeit den Altenauer Kurpark vor gefräßigen Wildschweinen. 

Ein Elektrozaun schützt derzeit den Altenauer Kurpark vor gefräßigen Wildschweinen. Foto: Knoke

Wildschweine haben den Altenauer Kurpark monatelang verwüstet. Aktuell hält ein Elektrozaun die Tiere fern. Bis Walpurgis muss der Rasen jedoch wiederhergerichtet sein.

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Von Corinna Knoke
Freitag, 23.01.2026, 16:00 Uhr

Altenau. Auch wenn im Oberharz der Rasen derzeit unter der Schneedecke kaum zu sehen ist, verbirgt sich darunter vielerorts noch das Ausmaß der Verwüstung: Wildschweine haben in den vergangenen Monaten Wiesen umgepflügt, Wege aufgewühlt und ganze Flächen zerstört. Neben privaten Gärten in Altenau waren besonders die Anlagen der Kurbetriebsgesellschaft (KBG) betroffen. Spätestens bis Walpurgis muss im Kurpark jedoch wieder Ordnung herrschen. Die Zeit drängt.

Im Herbst verging keine Nacht, in der die Wildschweine nicht irgendwo wüteten – sehr zum Ärgernis der jeweiligen Grundstückseigentümer. Als letzten Ausweg entschied sich die KBG daher für einen elektrischen Weidezaun im Kurpark und am Okerteich, wo die Hälfte der Liegewiese von den Schwarzkitteln zerstört wurde. Rund 420 Meter Zaun wurden am Kurgastzentrum verbaut, die Kosten lagen bei etwa 1000 Euro. Seitdem sind diese Bereiche nach Angaben der KBG zumindest vorerst wildschweinfrei. Ganz gelöst ist das Problem damit allerdings nicht. Geschäftsführerin Bettina Beimel berichtet von Hinweisen aus der Awo-Klinik, wonach die Tiere inzwischen dort Schäden anrichten.

Zaun wird zur Herausforderung

Vor allem am Kurgastzentrum war der Zaun selbst zunächst eine Herausforderung. Ein öffentlicher Kurpark, der eingezäunt ist, sei ungewöhnlich, räumt Beimel ein. Dennoch musste eine Lösung her. Ziel war es, über eine Tür rund um die Uhr einen Zugang zu ermöglichen, damit Hundebesitzer, Spaziergänger und Wanderer auch in den Abendstunden ihre Runden drehen können. Anfangs war der Zugang im Zaun lediglich mit einem Kunststoffverschluss gesichert, den Besucher selbst öffnen und schließen sollten. Das funktionierte laut Beimel aber nicht zuverlässig. Das Plastikteil lag entweder im Gras oder wurde sogar mitgenommen. Die Folge waren offene Zugänge über Nacht und das Risiko, dass die Wildschweine zurückkehren. Erst der Einbau eines stabilen Tores brachte Abhilfe.

Ob die geringere Aktivität der Wildschweine derzeit allein am Zaun liegt oder auch an der kalten Jahreszeit, lässt sich nicht sicher sagen. Jens Lutz, Aufsichtsratsvorsitzender der KBG und Betreiber des Kräuterparks, berichtet allerdings, dass er dort weiterhin frische Spuren der Tiere sieht. Der Kräuterpark ist im vergangenen Jahr auch regelmäßig Zielort der Wildschweine gewesen.

Größtes Fest in Altenau

Aktuell kann die KBG aber an dem Zustand ihrer Rasenflächen wenig ändern. Schnee und gefrorener Boden lassen Reparaturarbeiten derzeit nicht zu. Spätestens ab März hofft man auf trockenes und frostfreies Wetter, um mit den Arbeiten beginnen zu können. Denn in gut drei Monaten steht Walpurgis an – eines der größten und wichtigsten Feste im Altenauer Veranstaltungskalender. Tausende Besucher strömen dann in den Kurpark. Stolperstellen und ein Boden, der einer Kraterlandschaft gleicht, seien dann keine Option, betont Beimel. Das sehe nicht nur unschön aus, sondern könne auch gefährlich werden.

Fest steht für Walpurgis: Ein Standortwechsel oder gar ein kompletter Ausfall kommen nicht infrage. Beimel und Lutz erinnern an den überregionalen Ruf des Altenauer Tanzes in den Mai. Gerade Besucher, denen die Feiern in Hahnenklee oder Braunlage zu groß sind, schätzen das familiäre Format in der Bergstadt. Zudem gebe es im Ort keine vergleichbare Veranstaltungsfläche.

Eine Hexe sorgt an Walpurgis für Unterhaltung bei den Kindern.

Spätestens bis Walpurgis müssen die Wildschweinschäden im Altenauer Kurpark beseitigt sein, damit Groß und Klein ausgelassen feiern können. Foto: Neuendorf/Archiv

Wie aufwendig die Sanierung im Kurpark ist, zeigte sich bereits im Spätsommer rund um den Jodler-Wettstreit und das Heimatfest. Damals versuchten die KBG-Außendienstmitarbeiter zunächst, die Rasenflächen mit einem Bagger zu glätten. Ohne Erfolg. Die Veranstaltungen mussten an einen anderen Ort verlegt werden. Ein einfaches Umgraben der Erde reichte nicht aus. Am Ende musste der Boden gefräst werden, um die von den Wildschweinen aufgewühlten Flächen regelrecht zu schreddern und so wieder eine ebene Grundlage zu schaffen, erklärt Beimel.

Hunde-Camp am Okerteich im Mai

Diskutiert wurde auch der Einbau eines Kunststoff-Rasengitters, das die Flächen dauerhaft stabilisieren könnte. Die Kosten von rund 40.000 Euro wären für die KBG jedoch erheblich. „Das wäre die letzte Option“, sagt die Kurdirektorin. Deutlich günstiger sei das Nachsäen, Düngen und Verdichten mit einer Rasenwalze. „So ein Sack Rasen kostet nicht viel“, meint Lutz. Doch bei der Größe des Kurparks brauche es entsprechend mehr. Hinzu kommen vor allem Personalkosten.

Am Waldschwimmbad bleibt der KBG zumindest zwei Wochen mehr Zeit, versucht der Aufsichtsratsvorsitzende etwas Positives zu sehen. Dort müssen die Schäden spätestens bis Mitte Mai beseitigt sein. Dann gastiert die Veranstalterorganisation Camp Canis wieder im Oberharz und richtet ein actionreiches Event für Hunde und ihre Besitzer aus. Für die Teilnehmer entsteht am Okerteich eine Art temporärer Campingplatz. Darum soll der Bereich dort dann nicht an eine umgepflügte Wildnis erinnern.

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