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Kriminalitätsstatistik der Polizei

GZ Plus IconKindesmissbrauch in Goslar: Zahl der Fälle hat sich verdoppelt

Ein Einbrecher hebelt mit einer Brechstange eine Tür auf.

2025 ereigneten sich in Goslar mehr Tages- und Wohnungseinbrüche. Insgesamt hatte die Polizei 132 Fälle bei einer Aufklärungsquote von 22,73 Prozent. Foto: Silas Stein | dpa

Mehr Einbrüche, Raub, Kindesmissbrauch, häusliche Gewalt – aber auch eine gestiegene Aufklärungsquote. Warum die Polizei den Landkreis Goslar für sehr sicher hält.

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Von Petra Hartmann
Mittwoch, 18.03.2026, 18:00 Uhr

Goslar. Doppelt so viele Fälle von Kindesmissbrauch und allgemein eine Erhöhung der Zahl von Kriminalfällen: Das ist die Bilanz, die die Goslarer Polizei für das Jahr 2025 zieht. Aber es habe auch eine deutliche Erhöhung der Aufklärungsquote gegeben, betonen die Beamten, die am Mittwoch ihre Kriminalitätsstatistik vorgestellt haben.

Die Zahl der Fälle habe im Jahr 2024 einen Tiefststand erreicht gehabt, nun also meldete die Polizei für 2025 „eine leichte Erhöhung der Fallzahlen“. Konkret geht es um 8704 Fälle, was gegenüber dem Vorjahr – hier waren es 8456 Fälle – einen Zuwachs um 2,93 Prozent bedeutet. Positiv hervorzuheben sei die Aufklärungsquote, die auf 65,42 Prozent stieg (2024: 64,97 Prozent).

Frauenmord in Oker

Im Jahr 2024 hatte es keinen Mord im Bereich Goslar gegeben, im Jahr 2025 war es der Okeraner Frauenmord, der die Beamten beschäftigte. Es sei „lediglich ein, wenn auch sehr tragisches, vollendetes Tötungsdelikt im Stadtteil Oker“ vorgekommen, hält die Polizei fest, ein Ereignis, „welches bereits mit großem medialem Interesse begleitet wurde“.

Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung erfuhren im Jahr 2025 einen Rückgang um 6,41 Prozent, die Verbreitung von Kinderpornografie ging um 22,22 Prozent zurück. Dafür stieg die Zahl im Bereich des Kindesmissbrauchs stark an. Sie hat sich gegenüber 2024 – hier waren es 25 Fälle – mehr als verdoppelt auf 52.

Statistik der Polizei Goslar: Fälle und Aufklärungsquote im Jahr 2025

Die Goslarer Polizei stellt ihre Statistik vor: Fälle und Aufklärungsquote im Jahr 2025. Foto: Polizei Goslar

Patrick Dehnbostel, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes Goslar, sagt dazu: „Die Verdopplung der Fallzahlen auf 52 Taten im Bereich des sexuellen Missbrauchs von Kindern erscheint zunächst besorgniserregend. Fachlich betrachtet ist dieser Anstieg jedoch das Resultat unserer proaktiven Polizeiarbeit. Durch gezielte Konzepte gelingt es uns, das Dunkelfeld sukzessive auszuleuchten. Dies dient einerseits dem unmittelbaren Schutz der Betroffenen und erhöht andererseits das Entdeckungsrisiko für die Täter signifikant.“

Mehr Rohheitsdelikte

Auch Rohheitsdelikte und Raub nahmen zu. Erstere stiegen um 35 auf insgesamt 1802 Fälle. Hier beträgt die Aufklärungsquote 91,07 Prozent. Bei den Raubstraftaten verzeichnet die Polizei für das Jahr 2025 einen Anstieg auf 47 Delikte, was einer Steigerung von rund 50 Prozent entspricht. Allerdings „bewegen sich die Fallzahlen damit weiterhin auf einem vergleichsweise niedrigen Gesamtniveau“, so die Einschätzung der Polizei. Auch sei in diesem Bereich die Aufklärungsquote mit 74,47 Prozent außerordentlich hoch.

Im Gegensatz zu dieser spezifischen Entwicklung zeige die allgemeine Straßenkriminalität mit einem Zuwachs von 68 Taten auf 1256 Fälle (2024: 1188) einen deutlich moderateren Verlauf.

Mehr Wohnungseinbrüche

Tages- und Wohnungseinbrüche haben ebenfalls zugenommen. Hier sind es 132 Fälle bei einer Aufklärungsquote von 22,73 Prozent. Im Vorjahr lag die Aufklärungsquote noch bei 26,73 Prozent. „Die Hälfte dieser Fälle blieb allerdings im Versuchsstadium, so dass für den Landkreis Goslar lediglich 66 vollendete Taten bekannt geworden sind“, teilt die Polizei mit. Bei durchschnittlich 72 Delikten pro Jahr in der Zehn-Jahres-Betrachtung, würden diese 66 Taten aus 2025 deutlich darunter liegen.

Durch die Legalisierung von Cannabis ebbte die Betäubungsmittelkriminalität – für die Polizei erwartbar – weiter ab. Hier wurden 322 Delikte im Jahr 2025 erfasst. Zum Vergleich: Im Jahr 2021 waren es noch 710 Fälle.

Auch Widerstand und tätliche Angriffe gegen Polizeibeamte gingen leicht zurück, wobei 61 Fälle (2024: 67) im Jahr 2025 von der Polizei „weiterhin als zu hoch“ angesehen werden. Straftaten im Schulkontext sind um 14,04 Prozent gesunken. Straftaten von häuslicher Gewalt stiegen dagegen um 5,75 Prozent an.

Positiv vermerkt die Polizei, dass ihre Aufklärungsmaßnahmen bei älteren Menschen zu den Themen „Schockanrufe“, „Enkeltrick“ und „falsche Polizeibeamte“ offenbar Wirkung zeigen. Unter den 36 Enkeltrick- und Schockanruf-Fällen, die die Statistik aufführt, waren nur sieben vollendete Taten. Bei den polizeilich bekanntgewordenen 73 Anrufen falscher Polizeibeamter (2024: 71) waren die Täter ebenfalls lediglich in sieben Fällen erfolgreich.

Aufklärungsquote gestiegen

Eine positive Entwicklung nahm die wiederum leicht angestiegene Aufklärungsquote auf 65,42% (2024: 64,97). Die errechnete Häufigkeitszahl, welche das Kriminalitätsaufkommen in Relation zur Bevölkerung betrachtet, liegt bei 6866. Dehnbostel: „Dass der Landkreis Goslar weiterhin zu den sichersten Lebensbereichen in Niedersachsen zählt, belegen das nahezu gleichbleibende Niveau der Fallzahlen und die erneut angestiegene Aufklärungsquote.“

Die Polizei erinnert daran, dass ihre Kriminalstatistik nur das sogenannte „Hellfeld“ abbildet. Es geht also nur um Straftaten, die der Polizei bekannt wurden und deren Ermittlungen abgeschlossen sind. „Ein Fall fließt erst dann in die Statistik ein, wenn die Akte an die Staatsanwaltschaft übergeben wird“, erklärt die Polizei. „Gerade bei komplexen und zeitintensiven Verfahren führt dies dazu, dass Taten oft erst mit einiger Verzögerung in der Statistik erscheinen. Die beobachteten Schwankungen oder ‚Wellen‘ in den Fallzahlen sind daher häufig ein Resultat dieser zeitlichen Verschiebungen und bilden nicht immer eins zu eins die aktuelle Sicherheitslage zum Zeitpunkt der Veröffentlichung ab.“

Fazit des Goslarer Kripochefs: „Die Bilanz der Kriminalstatistik bestätigt das hohe Sicherheitsniveau in der Region Goslar. Unsere Ermittlungsarbeit sorgt dafür, dass Straftaten konsequent verfolgt und aufgeklärt werden. Es gilt nun, diesen erfolgreichen Kurs sowie die vielfältigen Anstrengungen in der Prävention fortzusetzen und weiter auszubauen, um die Sicherheit in der Region nachhaltig zu festigen.“

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