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14 Kinder kämpfen um die Goldmedaille

GZ Plus IconGreta Mühlhäusler gewinnt Vorlesewettbewerb des Landkreises Goslar

Gruppe von Kindern und Erwachsenen steht in einer Reihe und hält Urkunden in der Hand, vor einem Holztisch in einem Raum mit heller Wand.

Urkunden und Medaillen für die Vorleser: Im Bündheimer Schloss traten 14 Schulsieger aus dem Landkreis Goslar zum Wettbewerb an. Für alle gab es zum Schluss einen Rucksack und ein Buch. Die Siegerin bekam das Ticket zum Bezirksentscheid. Foto: Hartmann

Ein magisches Buch, eine sichere Lesestimme, ein Cliffhanger zum Schluss: Als Greta Mühlhäusler beim Vorlesewettbewerb im Bündheimer Schloss antrat, passte einfach alles.

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Von Petra Hartmann
Montag, 23.02.2026, 09:00 Uhr

Bad Harzburg. Was leuchtete heller – das Gold der Medaille an ihrer Brust oder die Augen von Greta Mühlhäusler, als sie unter dem Beifall des Publikums die Auszeichnung als beste Vorleserin des Landkreises Goslar entgegennahm? Die elfjährige Schülerin des Christian-von-Dohm-Gymnasiums setzte sich gegen 13 weitere Schulsieger aus den sechsten Klassen durch und wird nun den Landkreis Goslar beim Bezirksentscheid vertreten.

Greta Mühlhäusler hatte sich das Buch „Die Suche nach dem Wunschzauber“ aus der Reihe „Land of Stories“ von Chris Colfer ausgesucht. Flüssig und mit guter Betonung las sie vor, wie die Jugendliche Alex mit einem Zauberbuch experimentiert. Wohin nur ist das Radiergummi verschwunden, das sie auf das Buch gelegt hat? Als sie sich tief über den magischen Schmöker beugt, wird sie von ihrem Zwillingsbruder Conner angestoßen und stürzt … ja, wohin eigentlich? „Alex, tu’s nicht!“ Ein dramatischer Abschlussruf, der die CvD-Schülerin beinahe auf magische Weise in die Endrunde fliegen ließ.

Der 67. Wettbewerb

Es war bereits das 67. Mal, dass der Landkreis seine besten jungen Vorleser ermittelte. Auch das Bündheimer Schloss, das den feierlichen Rahmen für den Wettstreit und die Ehrung bot, ist als Schauplatz bereits erprobt.

Die Sechstklässler trugen in der ersten Runde jeweils eine rund dreiminütige Passage aus einem selbst ausgesuchten Buch vor. Paul Dekowski (Ratsgymnasium Goslar), der zuerst die Bühne betrat, hatte „Der Schwobbel“ von Mars-Leo Frei mitgebracht und hatte dank des Wesens, das wie 100 Kilo durchsichtiger Pudding aussieht und im Schulunterricht freche, aber auch kluge Bemerkungen macht, die Lacher auf seiner Seite.

Mädchen mit langen, welligen Haaren sitzt an einem Tisch mit einem Buch. Im Hintergrund ein orangefarbener Stuhl.

Die beste Vorleserin des Landkreises: Greta Mühlhäusler bezauberte die Jury mit der „Suche nach dem Wunschzauber“. Foto: Hartmann

Vor allem Fantasy, Magie und geheimnisvolle Zaubergeschichten hatten sich die Sechstklässler ausgesucht. So trat Sophia Szalai (Adolf-Grimme-Gesamtschule) mit „Die Hüter der flüsternden Schlüssel“ von Tanja Moosen an, und gleich zwei Teilnehmer – Fay Gutmann (Realschule Goldene Aue) und René Vito Benvenuto (Burgberg-Gymnasium) – hatten einen Auszug aus Margit Auers „Schule der magischen Tiere“ vorbereitet.

Ohne Lachen, mit quietschenden Bremsen

Einen Klassiker hatte Hendrik Lüers (Niedersächsisches Internatsgymnasium) für sich entdeckt: „Thimm Thaler oder das verkaufte Lachen“ von James Krüss. Und der Sechstklässler hatte ganz offensichtlich viel Spaß an der Verfolgungsjagd, bei der „die Bremsen quietschten wie ein Schwein unter dem Schlachtmesser“.

Catale Roos (Schule an der Deilich-Oberschule) war mit „Tschick“ dabei. Sie hatte sich aus Wolfgang Herrndorfs Bestseller die Stelle ausgesucht, an der sich die Hauptfiguren das erste Mal begegnen, und man erfährt, warum Männer und Frauen nicht zusammenpassen, was laut Andrés Theorie irgendetwas mit Säbelzahntigern und Kinderkriegen zu tun hat.

Mit „Leuchtende Hügel“ aus der Serie „Die wilden Pferde von Rydal Hill“ von Theresa Czerny trat Franziska Kutschera (Werner-von-Siemens-Gymnasium) an. Sie hatte eine wahrhaft dramatische Szene ausgesucht, in der die Heldin Valerie miterlebt, wie ihr Freund Ben in die Tiefe stürzt.

In die Stadt „Perfect“ entführte Naya Nashar (Robert-Koch-Schule) ihre Zuhörer. Der Band „Hüter der Fantasie“ von Helena Duggan erzählt von einer perfekten Welt, in der die Leute aber alle erblindet sind. Als Ersatz erhalten sie rosarote Brillen.

Einladung ins Zauber-Internat

„Sind Sie bereit, alles, was Sie bisher geglaubt haben, infrage zu stellen?“ Diese Frage stellt sich in „Baskerville Hall“ dem Helden. Thomke Anna Luise Spahn (Oberschule Langelsheim) trug aus dem Buch von Ali Standish die Szene vor, in der der Held eine Einladung in ein besonderes Internat erhält. Ein bisschen Hogwarts-Zauber gehörte genauso dazu wie der kräftige, selbstbewusste Vortrag der Sechstklässlerin und die flüssige Lesetechnik.

Ebenfalls zauberhaft ging es bei Sophia Nofz zu. Die Schülerin der Vicco-von-Bülow-Oberschule las aus dem Buch „Der magische Wunsch“ der Youtuberin Isy Cheesy vor. Es geht um ein besonderes Geschenk zum 13. Geburtstag: ein Wunschkästchen, das es in sich hat.

Leander Noel Hildebrandt vom Oberharz-Gymnasium Braunlage war mit Klaus-Peter Wolfs „Ganz ehrlich? Felix und das wahre Leben“ ins Bündheimer Schloss gekommen. Er hatte sich eine Szene ausgesucht, in der ein Junge den Computer seiner Mutter knacken will und dazu Mengen von Passwörtern ausprobiert. Alle möglichen Schimpfwörter, mit denen sie seinen Vater betitelt hatte, fallen ihm ein, schließlich öffnet ihm das Wort „Tier“ den Zugang. Sehr schön die Art, wie der Sechstklässler den Computer mit abgehackter Stimme jedesmal den Zutritt verweigerte.

Schmerzhafter Cyberthriller

Ausgesprochen martialisch kam „Das letzte Level“ daher, mit dem Jan-Ole Thiel zum Wettbewerb gekommen war. Der Cyberthriller von Chris Bradford handelt von einem Video-Kampf-Spiel, das ausgesprochen realistisch ist und den Spieler immer tiefer in die virtuelle Welt hineinzieht. Kämpfe in der Arena. Ein furchtbarer Schlag, den man den „Schädelbrecher“ nennt. Echte Schmerzen. Nichts für schwache Gemüter.

Den Abschluss machte Narin Acar, die nicht nur durch flüssiges Lesen und gute Betonung auffiel, sondern auch die unterschiedlichen Stimmen und Gemütslagen der handelnden Personen ausgesprochen lebendig rüberbrachte. „Zickenalarm auf Internat Bernstein“ von Andrea Russo war ihr Wettbewerbsbuch, und sie hatte eine Szene vorbereitet, in der es darum ging, wer welchen Tanzpartner bekommen würde. Ein herrlicher Zickenkrieg, sehr überzeugend.

Acht Schüler in der letzten Runde

In der zweiten Runde hätte eigentlich genau die Hälfte der Teilnehmer aus einem unbekannten Text vorlesen sollen. Doch aufgrund von Punktgleichheit gingen diesmal acht Schüler ins Rennen. Paul Dekowski, Greta Mühlhäusler, Hendrik Lüers, Franziska Kutschera, Naya Nashar, Thomke Spahn, Leander Noel Hildebrandt und Narin Acar bekamen als Überraschungsbuch „Die beste Bahn meines Lebens“ von Anne Becker vorgelegt, wobei jeder einen anderen Abschnitt zugeteilt bekam.

Auf den Medaillenrängen landeten außer Gold-Leserin Greta Mühlhäusler Leander Noel Hildebrandt (Silber) und Narin Acar (Bronze). Für alle gab es Urkunden, einen Rucksack und das Buch „Rocky Winterfeld – Ziemlich neben der Spur“, eine Freundschaftsgeschichte von Marie Hüttner. Außerdem die Erkenntnis, dass die großen Leute auch nicht immer so genau lesen – denn bei der Ehrung waren doch tatsächlich die Urkunden von Sophia Szalai und Sophia Nofz vertauscht worden. Gut, dass die Schülerinnen aufgepasst haben.

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