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GZ-Serie „Gründerzeitvillen“

GZ Plus IconDas Bad Harzburger Anwesen mit der Kirche im Keller

Die Villa Waldpark heute. Noch immer trägt die Holzfassade ihre typisch blau-weiße Färbung.

Die Villa Waldpark heute. Noch immer trägt die Holzfassade ihre typisch blau-weiße Färbung. Foto: Exner

Kurheim, Wohnhaus und Pilgerort für orthodoxe Christen - ein Blick in die vielschichtige Geschichte der Bad Harzburger Villa Waldpark.

Von Michael und Sven Bartsch Sonntag, 04.01.2026, 16:00 Uhr

Bad Harzburg. Ein Bauboom erfasst Bad Harzburg gegen Ende des 19. Jahrhunderts: Seit der Reichsgründung 1871 ziehen von Jahr zu Jahr mehr hohe Beamte, Pensionäre, Unternehmer sowie unzählige nationale und internationale Gäste in die Kurstadt, um deren Solequellen, die frische Luft und das Heilwasser zu genießen. Zwischen 1860 und 1914 werden Pensionen, Grandhotels und Villen gebaut, die zum Teil bis heute das Stadtbild prägen. In einer GZ-Serie stellen die Bad Harzburger Michael und Sven Bartsch einige dieser imposanten Gebäude vor und erzählen über deren Geschichte.

Diesmal geht es um die Villa Waldpark (ehemals Villa Landhuse und Kurheim Waldpark). Sie befindet sich am Hang des Burgbergs oberhalb der heutigen Bundesstraße 4. Typisch für die Villen der Gründerzeit war und ist, dass deren Nutzung dem Wandel der Zeit unterliegt, sodass die meisten von ihnen bis heute existieren. Die Villa Waldpark ist dafür ein gutes Beispiel.

Wunderbare Aussicht

In den späten 1880er Jahren wurde das Gebäude vom Eigentümer des nebenan liegenden Grandhotels und späteren Seniorenheims Belvedere, Eduard Landhuse, als sein Wohnhaus gebaut, womit die enge Beziehung zum Belvedere gelegt worden ist.
Die Villa Waldpark beziehungsweise Villa Ladhuse (links), aufgenommen zwischen 1900 und 1930 durch von Fotograf Julius Simonsen und mithilfe von KI nachträglich colloriert. Gut zu erkennen ist der wunderbare Ausblick über die Stadt, der sich den Bewohnern bietet.

Die Villa Waldpark beziehungsweise Villa Ladhuse (links), aufgenommen zwischen 1900 und 1930 durch von Fotograf Julius Simonsen und mithilfe von KI nachträglich colloriert. Gut zu erkennen ist der wunderbare Ausblick über die Stadt, der sich den Bewohnern bietet. Foto: Harz-History-Archiv

Bereits in den frühen Jahren erhielt die Villa den bis heute vorhandenen typischen blau-weißen Anstrich. In der Herzog-Julius-Straße 95 gelegen, ließ sie Hotelbesitzer Landhuse in der Nord-Süd-Richtung parallel zum Burgberg bauen, sodass die Bewohner auf den vorgesetzten, überdachten Balkonen wunderbar über die Bäderstadt Bad Harzburg blicken konnten. Folglich ist die Villa Waldpark eine Vertreterin der Bäderarchitektur. Die vorgesetzten, überdachten Balkone boten den Erholungssuchenden die Möglichkeit, die heilende, saubere Luft des Mittelgebirges einzuatmen.

Bis heute schützen die seitlichen Balkonfenster mit wunderschönen Glaseinsätzen vor Wind und Regen.

Bis heute schützen die seitlichen Balkonfenster mit wunderschönen Glaseinsätzen vor Wind und Regen. Foto: Privat

Bis heute schützen die seitlichen Balkonfenster mit wunderschönen Glaseinsätzen vor Wind und Regen. Ein Satteldach mit einem Mittelrisalit bildet den Abschluss der drei Etagen: ein vollausgebauter Keller, zwei Etagen und ehemalige Dachkammern. Die Wohnetagen haben eine Deckenhöhe von rund 3,20 Metern. Auf jeweils 160 Wohnquadratmetern konnten die Herrschaften von Raum zu Raum gehen. Das Personal betrat den Damensalon, das Herrenzimmer oder das Speisezimmer vom Flur aus, die Speisen bereitete das Personal im Keller zu. So war das zur damaligen Zeit üblich.

Die Kirche im Keller

Heute steht die Villa unter Denkmalschutz. Schaut man auf die Nutzung des Gebäudes, so vollzog sich ein steter Wandel: Zunächst Wohnhaus, wurde es später Erholungsheim für jüngere und ältere Schülerinnen. Typisch für Bad Harzburg waren die zahlreichen Pensionate, meist für Großstadtkinder, die darin Erholung und Ausbildung vorfanden.

1906 erwarb der Politiker Otto Südekum Hotel und Villa. Während der NS-Zeit geriet die Familie politisch massiv unter Druck und veräußerte ihr Anwesen. Seit 1937 besaß es Dr. med. Christoph Strünckmann (1872–1953), der aus Blankenburg kommend hier im Hotel Belvedere ein Sanatorium in der Tradition des Jungborns betrieb.
Eine Ansichtskarte aus dem Jahr 1911 zeigt das Hotel Belvédère und rechts davon die Villa Waldpark beziehungsweise zu dieser Zeit Villa Südekum.

Eine Ansichtskarte aus dem Jahr 1911 zeigt das Hotel Belvédère und rechts davon die Villa Waldpark beziehungsweise zu dieser Zeit Villa Südekum. Foto: Harz-History-Archiv

Die vom kinderlosen Ehepaar Dr. Strünckmann adoptierte Tochter Erna Strünckmann übernahm nach dem Tod ihres Adoptivvaters 1953 die Leitung des Sanatoriums, wohnte in der Villa Waldpark. Erna konvertierte zum orthodoxen Glauben und ließ im Kellergeschoß eine Kapelle einrichten und auch weihen. Hier feierte der Erzpriester Alexej Makejew, Vater des Bad Harzburger Geschichtsvereinsmitglieds Nina Festerling, für Gläubige aus der näheren Umgebung Gottesdienste.

Ab Mitte der 90er eigenständig

Besonders aus den Balkanländern kamen im Rahmen des Wirtschaftswunders zahlreiche Arbeiter mit orthodoxem Glauben in die Fabriken in Oker und Goslar. Somit besaß die Stadt Bad Harzburg ab den 50er Jahren eine orthodoxe Kirche in der Villa Waldpark.
Erna Strünckmann (rechts) ließ im Keller der Villa eine orthodoxe Kapelle einrichten.

Erna Strünckmann (rechts) ließ im Keller der Villa eine orthodoxe Kapelle einrichten. Foto: Harz-History-Archiv

Später boten die Wohnungen der Villa für die Angestellten des Sanatoriums und deren Familien Wohnraum in unmittelbarer Nähe des Arbeitsplatzes. In der Mitte der 90er Jahre erfolgte eine Trennung vom Belvedere: Ein Umbau zu Eigentumswohnungen vollzog sich.

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