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In Bad Harzburg mehren sich die Fälle

GZ Plus IconWie sich Senioren gegen miese Trickbetrüger schützen können

Wie auf diesem KI-generierten Bild ist es erst neulich wieder vorgekommen: Eine Seniorin übergibt einem Polizisten ihre Wertsachen. Nur: Ist das überhaupt ein echter Polizist?

Wie auf diesem KI-generierten Bild ist es erst neulich wieder vorgekommen: Eine Seniorin übergibt einem Polizisten ihre Wertsachen. Nur: Ist das überhaupt ein echter Polizist? Foto: ChatGPT

Erneut wurden Senioren von Betrügern um ihre Wertsachen gebracht. Wie arbeiten diese Täter? Wieso fallen immer wieder Menschen auf sie herein? Wie kann man sich schützen?

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Von Holger Schlegel
Dienstag, 10.02.2026, 04:00 Uhr

Bad Harzburg. Dass besonders Senioren von miesen Trickbetrügern übers Ohr und um ihre Wertsachen gebracht werden, lässt sich nicht vollständig verhindern. Die Methoden sind mannigfaltig, aktuell ist jedoch noch eine ganz besonders perfide dazugekommen: Die Betrüger spielen Polizei. Die GZ hat sich mit Sicherheitsberatern und der echten Polizei unterhalten und gefragt, welche Tricks die Betrüger aus dem Hut ziehen, wie man das erkennt, wie sich potenzielle Opfer verhalten sollten und wie man sich schützt.

Welche Tricks gibt es?

Die Enkeltricks sind bekannt. So bekannt, dass immer weniger darauf hereinfallen und sie auch immer seltener angewendet werden. Das Prinzip: Irgendwer ruft an (mittlerweile geht das auch per WhatsApp), suggeriert, er wäre ein Verwandter, etwa ein Enkel, und bräuchte Geld. Zum Beispiel, weil das Konto gesperrt ist oder einfach eine Notlage herrscht. Die arglosen Opfer wollen der vermeintlichen Verwandtschaft helfen, übergeben oder überweisen eine Summe und sehen das Geld nie wieder.

Dann kamen die Schockanrufe: Mit schauspielerischem Talent rufen die Täter an und erzählen eine Räuberpistole von einem Verwandten, der zum Beispiel einen Verkehrsunfall verursacht hat und nur gegen Zahlung einer hohen Kaution freigelassen werde. So etwas wird auch besonders gern und erfolgreich versucht, wenn die Verwandten im Urlaub sind und dort ja womöglich in eine angebliche Notlage geraten sein könnten. Überflüssig zu sagen: Eine solche Notlage herrscht in dem Moment nicht.

Und nun gibt es aktuell noch eine ganz besonders miese Masche. Sie spielt mit der Bereitschaft der Opfer, der Polizei helfen zu können: Irgendwer ruft an, verwickelt die Opfer in ein Gespräch über Wertgegenstände, vermittelt aber da schon den Eindruck, dass irgendetwas nicht stimmt. In den aktuellen Fällen taten die Angerufenen zunächst das einzig Richtige: Sie legten auf. Als dann kurze Zeit später die Polizei anrief, den Eindruck bestätigte, dass da soeben Betrüger in der Leitung waren, und jetzt die Opfer um Mithilfe bittet, fühlen sich die Menschen sogar noch bestärkt. Kommt dann die Polizei vorbei, um die Täter dingfest zu machen, dafür aber die Wertgegenstände kurz an sich nehmen muss, schnappt die Falle zu. Aber anders, als die Opfer glauben: Sie helfen nämlich nicht der Polizei, sondern den Tätern, die sich als Polizei ausgegeben haben.

Woran merkt man den Betrug?

Die Polizeiinspektion Goslar hat in der Vergangenheit ihre Präventionsarbeit gerade auch mit Blick auf Trickbetrügereien massiv ausgebaut. „Senioren helfen Senioren“ heißt ein Projekt, bei dem ein zwölfköpfiges Team Aufklärungsarbeit leistet. Viele ehemalige Polizeibeamte sind darunter, aber auch Rentner, die Gleichaltrigen helfen wollen. Einer von ihnen ist der Bad Harzburger Gunnar Horstkotte. Und seine Bewertung der aktuellen Fälle: Nie und nimmer würde die Polizei Zivilpersonen in solche Lagen einbinden und zu Lockvögeln machen. Sie würde auch nie Wertgegenstände zur Sicherung übernehmen.

Wobei der Trick, die Opfer in die vermeintliche Polizeiarbeit einzubeziehen, zwar momentan häufiger vorkommt, jedoch auch nicht ganz neu ist. Vor längerer Zeit wurde ein Opfer aus dem Harz über Monate von den Tätern bearbeitet, sodass es sich irgendwann wirklich in die Polizeiarbeit eingebunden gefühlt hat. Am Ende war er einen sechsstelligen Betrag los.

Wer ist gefährdet?

Natürlich sind Senioren nach wie vor die bevorzugte Zielgruppe der Trickbetrüger. Gerade, wenn sie alleine leben. Allerdings wissen die Experten auch von Fällen zu berichten, bei denen wesentlich jüngere Harzer, die noch mitten im Berufsleben stehen, die Gelackmeierten waren. Auch sind die Zeiten, in denen ein Telefonbucheintrag mit einem „alten“ Vornamen das Risiko erhöht, vorbei. Mittlerweile, so berichtet Horstkotte, rufen die Betrüger auch Handynummern an. Denn die herauszubekommen, sei heutzutage kein Hexenwerk mehr.

Wie kann man sich von vornherein schützen?

Die einfachste Methode, sich gegen solche Gaunereien zu schützen, ist: auflegen. Gar nicht erst ein Gespräch anfangen. Und hinterher sollte man sofort die richtige Polizei anrufen. Die Chancen, dass die dann die Betrüger auf der Stelle dingfest machen können, dürften gering sein.

Aber dennoch gehört jeder Fall dokumentiert, allein schon, um auf eine Häufung aufmerksam zu werden, die dann wiederum den Ermittlungsdruck erhöht und den Erfolg verbessert. Auch kann eine entsprechende Öffentlichkeitswarnung herausgegeben werden. Was hilft, ist auch ein regelmäßiger Blick in den WhatsApp-Kanal der Polizeiinspektion Goslar.

Die Tipps der Polizei auf einen Blick

  • Die Polizei wird niemals um Geld oder Wertgegenstände bitten.
  • Die Angerufenen sollten am Telefon keine Details zu ihren finanziellen
  • Verhältnissen preisgeben.
  • Fremde Personen nicht in die Wohnung lassen.
  • Keinen Handwerkern, die nicht bestellt oder angemeldet sind, Einlass gewähren.
  • Betroffene sollten sich am Telefon nicht unter Druck setzen lassen, sondern einfach auflegen.
  • Man sollte niemals Geld an unbekannte Personen übergeben.
  • Betroffene sollten Verwandte oder Nachbarn um Unterstützung bitten.

DIE AKTUELLEN FÄLLE

Donnerstag, 29. Januar: Die Polizei berichtet von mehreren Fällen, bei denen sich Betrüger als falsche Polizeibeamte ausgegeben haben. In den meisten Fällen blieb es bei Versuchen, in einem Fall jedoch entstand einer alten Dame erheblicher Schaden.

Betroffen war eine 89 Jahre alte Frau aus Bad Harzburg. Gegen 15 Uhr erhielt sie laut der echten Polizei einen Anruf, in dem sie unter einem Vorwand nach Wertgegenständen in ihrem Haushalt befragt wurde. Die Seniorin wurde misstrauisch und beendete das Gespräch. Doch damit war die Sache nicht erledigt. Wenig später klingelte erneut das Telefon. Nun gab sich eine Frau als Polizeibeamtin aus und nahm Bezug auf den ersten Anruf. Sie erklärte, die Polizei sei bereits dabei, Betrüger festzunehmen, und bat die Seniorin um Mithilfe. Ihr Haus sei umstellt, ein Täter solle bei der Übergabe von Wertgegenständen festgenommen werden. Anschließend, so das Versprechen, erhalte die Frau ihr Eigentum zurück.

Die 89-Jährige vertraute den Angaben. Kurz darauf übergab sie einem jungen Mann einen Beutel mit Schmuck. Der Unbekannte entfernte sich zu Fuß. Erst rund zwei Stunden später, als sich die Frau bei der Polizei in Bad Harzburg nach dem angeblichen Einsatz erkundigte, flog der Betrug auf. Der entstandene Vermögensschaden beläuft sich auf mehrere Tausend Euro, berichtet die Polizei.

Mittwoch, 4. Februar: Die gleiche Masche war erneut von Erfolg gekrönt: Gegen 13 Uhr meldete sich zunächst ein Anrufer bei der älteren Dame und sprach von einer angeblichen Edelmetallversicherung. Kurz darauf folgte ein weiterer Anruf eines vermeintlichen Polizeibeamten. Dieser erklärte, es handele sich um eine bekannte Betrugsmasche, der Täter solle überführt werden, das Haus sei bereits von der Polizei umstellt. Es werde gleich jemand klingeln, um den Wert der vorhandenen Wertgegenstände zu schätzen. Wenig später erschien ein etwa 30 Jahre alter Mann, dunkel gekleidet. Die Seniorin übergab ihm ihren Schmuck – der Mann verschwand anschließend mit der Beute.

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