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GZ-Serie zu den Tresckow-Brüdern

GZ Plus IconZwei Goslarer Ratsgymnasiasten im Widerstand gegen Adolf Hitler

Ein Mann in Uniform mit Abzeichen sitzt an einem Schreibtisch und hält einen Stift in der rechten Hand.

Undatierte Aufnahme: Henning von Tresckow sprengt sich einen Tag nach dem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler an der Front mit einer Gewehrgranate in die Luft. Foto: ullstein bild

Henning und Gerd von Tresckow waren Schüler am Ratsgymnasium und bei den Ehemaligen Mitglieder bis zum Tod. Dr. Otmar Hesse hat zu ihnen geforscht. Eine GZ-Serie.

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Von Frank Heine
Dienstag, 03.03.2026, 07:00 Uhr

Goslar. „Das Attentat auf Hitler muss erfolgen, um jeden Preis. Denn es kommt nicht mehr auf den praktischen Zweck an, sondern darauf, dass die deutsche Widerstandsbewegung vor der Welt und vor der Geschichte unter Einsatz des Lebens den entscheidenden Wurf gewagt hat. Alles andere ist daneben gleichgültig.“ Diese Worte spricht der überzeugte Christ, Berufsmilitär und Widerstandskämpfer Henning von Tresckow kurz nach der Landung der alliierten Streitkräfte in der Normandie Anfang Juni 1944.

Motor des militärischen Widerstands

Zu diesem Zeitpunkt sind bereits drei Anschläge auf den Diktator gescheitert, an dessen Planung und teils auch Ausführung Tresckow unmittelbar beteiligt war. Der Mann, der Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg zum Anschlag auf Hitler am 20. Juli 1944 ermunterte, gilt vielen als Motor und treibende Kraft der militärischen Opposition, aber auch als vielversprechender und überaus fähiger Offizier. Dass Henning von Tresckow genau wie seln älterer Bruder Gerd von Tresckow sein Abitur in Goslar gemacht hat und in der Schulchronik 1919 unter den Absolventen des Ratsgymnasiums geführt wird, wissen die Goslarer schon länger. Schon seit mehr als einem Jahrzehnt hatte die GZ immer einmal wieder über Hintergründe und Zusammenhänge berichtet.
Ein junger Mann in Anzug mit verschränkten Armen sitzt vor dunklem Hintergrund.

Der junge Ratsgymnasiast: Henning von Tresckow als Schüler im Jahr 1916 – ein Bild, das Autor Hesse zutage gefördert hat. Foto: Aus Grabner/Röder

Hesse nimmt sich der Aufgabe an

Richtig erforscht wurde aber nie, wie und warum die beiden Tresckow-Brüder – auch Gerd ist im Widerstand aktiv und schon früher als sein Bruder ein Hitler-Gegner – nach Goslar kamen und was sie dort und sonst in ihrem Leben bewegt hat. Ansätze gab es einst am Ratsgymnasium selbst. Das Vorhaben scheiterte letztlich aber immer wieder an (nicht vorhandenen) Kapazitäten. Wie gut ist es deshalb, wenn eine Stadt jemanden wie Dr. Otmar Hesse in seinen Mauern hat, der seinen Ruhestand auch dazu nutzt, genau solchen Fragen akribisch nachzugegen. Der frühere Goslarer Obermürgermeister und Propst, dessen Tochter Martina Hesse als Kunst- und Deutschlehrerin arbeitet, hat jetzt in einem weiteren Beitrag zum Loccumer Alumnat in Goslar und dessen Vorgeschichte die Gelegenheit genutzt, um einen akribischen Blick auf das Leben der Tresckow-Brüder zu werfen.

Bis zuletzt Mitglieder bei den Ehemaligen

Er fördert Erstaunliches zu Tage. Etwa, dass ein älterer Halbbruder der beiden nach Goslar eingeheiratet hat und deshalb frühe Bande zur Familie bestehen. Oder dass die beiden bis zu ihrem Tod Mitglieder im Ehemaligenverein des Ratsgymnasiums waren – und den Schülern von heute durchaus ein Beispiel geben können. Die Tresckows hatten das Realgymnasium – so der damalige Name des Ratsgymnasiums – als Alumnaten des Klosters Loccum besucht. Heute hieße ein Alumnat wohl Internat. Es war von 1890 bis 1923 in Goslar angesiedelt und ans Gymnasium angeschlossen, bis es wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten aufgelöst wird. Bei den Tresckows ist die Karriere in Uniform vorgezeichnet. Sie endet in Folge des fehlgeschlagenen Attentats auf Hitler. Henning von Tresckow, überzeugter Christ, seit 1942 im Widerstand und zentrale Figur diverser Pläne gegen Hitler, tötet sich an der Front selbst mit einer Gewehrgranate, indem er einen Anschlag vortäuscht. Gerd von Tresckow, der den im August 1934 eingeführten „Führereid“ eine „Gewissensknechtung“ nennt, wird gefangengenommen und gefoltert. Er versucht, sich die Pulsadern aufzuschneiden, und stirbt in der Folge an Herzversagen.
Älterer Mann mit grauem Hemd und schwarzem Pullover hält eine zusammengerollte weiße Papierrolle in der linken Hand und gestikuliert mit der rechten Hand.

Goslars Altoberbürgermeister Dr. Otmar Hesse hat zu den Tresckow-Brüdern und ihrer Goslarer Zeit geforscht. Foto: Epping

Orginalbeitrag in der Harz-Zeitschrift

Otmar Hesse, inzwischen 86 Jahre alt, wurde 1987 zum Propst in Goslar gewählt. Von 1996 bis 2000 war er ehrenamtlicher und von 2000 bis 2006 hauptamtlicher Oberbürgermeister. Er hat seine Ausarbeitung der GZ zur Verfügung gestellt, die sie in loser Folge in den nächsten Tagen und Wochen in einer Serie veröffentlicht – und zwar als nur leicht veränderte und bearbeitete Version eines Originalbeitrags, der im Band 77 der Harz-Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde e.V. Ende März erscheint. Auch dem Verein sei an dieser Stelle für die Genehmigung gedankt.

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