Seit zehn Jahren: Liebenburgerin organisiert Hilfe für Jesiden
Tensile Acar organisiert einen Hilfstransport in den Nordirak. Foto: Leifeld
Die Liebenburgerin Tensile Acar stellt einen Hilfstransport für die Jesiden im Nordirak zusammen. Was bewegt sie? Wie können Bürger sie unterstützen?
Liebenburg. Helfen und Hilfe geben ist für die gebürtige Jesidin Tensile Acar eine Herzensangelegenheit. Einmal mehr, wenn es um ihre eigenen Landsleute geht. Wer die stets hilfsbereite Liebenburgerin kennt, weiß das. Organisierte die heute 42-Jährige bereits vor gut zehn Jahren über den DRK-Kreisverband Goslar einen Spendenaufruf für ihr verfolgtes Volk, führte sie ihre privaten Hilfsaktionen und das Sammeln von Sachspenden seither ungebremst weiter. Gab ihr damals, im September 2014, der, durch den Islamischen Staat (IS) befohlene Völkermord und die Verfolgung an den, im Nordirak lebenden Jesiden den Antrieb zu Hilfe, dauert das Leiden ihrer Landsleute –unbeachtet von den Augen der Welt – bis heute an.
Tensile Acar ist Jesidin. Foto: Leifeld
Tensile Acar hat mit eigenem Leib und Leben erlebt, wie es ist, absolut nichts zu besitzen. 1987 kam die kurdisch-stämmige Familie nach Deutschland. „Wir wohnten damals in Othfresen in der Grubenstraße“, erinnert sie sich. Sie, ihre Eltern und fünf Geschwister waren dankbar, dort ein Leben in Frieden und ohne Angst führen zu können, denn schon viele Jahrzehnte vor dem Völkermord war die Situation für die Jesiden gefährlich. „Verfolgt wurden wir schon immer. Der Bruder meiner Mutter wurde gesteinigt“, berichtet sie von Kindheitserlebnissen.
Als Kind nach Deutschland
Aber auch für sie klappte der Weg nach Deutschland zunächst nicht reibungslos. „Meine Eltern waren damals vorab gereist nach Deutschland und meine Geschwister und ich lebten noch ein Jahr bei der Großmutter und einer Tante im Nordirak, in Mydiat.“ Erst durch das Handeln der Großmutter, die ihr Hab und Gut verkaufte, wurde den sechs Geschwistern die Ausreise nach Deutschland möglich. „Wir kamen hier an und besaßen absolut nichts! Aber wir bekamen viel Hilfe von den Othfresenern, besonders durch den Lehrer Herrn Rogoß und die Kirche.“

Blick in ein Zelt. Foto: Privat
Längst haben alle Mitglieder der Familie ihren festen Platz im Leben und der Gemeinschaft gefunden, aber vergessen kann Tensile Acar den schweren Weg dorthin nicht: „Wir haben hier alles. Essen und ein Dach über dem Kopf und feiern bald Weihnachten. Aber unsere Landsleute im Nordirak haben nichts. Sie leben trotz Regen, Kälte und Hochwasser in Zelten. Es gibt keine Perspektive, und Hilfe für diese Menschen, aber sollte nicht jeder im Leben eine Chance bekommen?“
Und Tensile Acar hilft. Hilft seit über zehn Jahren! Auch in diesen Wochen stellt sie einen Hilfstransport zusammen und sammelt Sachspenden. „Geld will ich nicht, und auch keine Elektrogeräte. Ich nehme gerne gebrauchte Kleidung für Männer, Frauen, Kinder jeden Alters. Babynahrung, Hygieneartikel und Dinge für die Hausapotheke. Warme Schuhe. Decken … Einfach alles wird gebraucht.“
Prima wären schwarze Hosen und Röcke, weiße Hemden und Blusen ab Größe 128. Das ist die verpflichtende Schulkleidung. Auch Malstifte und Schreibhefte werden benötigt. Ebenso wären Spielzeug und Süßigkeiten für die Kinder gut.
Auch das Schicksal einer Freundin liegt der 42-Jährigen am Herzen. „Die Frau hat vier Kinder, ist bettlägerig und benötigt eine OP, damit sie wieder gehen kann. In Deutschland wäre das vermutlich eine Kleinigkeit, aber für sie im Irak kaum machbar. Vielleicht kann da jemand helfen?“
Hilfsgüter können bis Montag, 15. Dezember direkt bei Tensile Acar in Liebenburg nach persönlicher Rücksprache unter Handy 01525/2 79 17 27 in der Brunnengasse 3 abgegeben werden. Sie bittet eindringlich darum, keine Hilfsgüter vor der Tür abzustellen. „Der Transport der Hilfsgüter in den Nordirak nach Singal wird durch einen jesidischen Freund organisiert. Hier wäre eine Unterstützung noch möglich“, so die Liebenburgerin. Geplant ist, dass die Hilfsgüter noch im Dezember 2025 ihren Zielort erreichen. STICHWORT JESIDEN Jesiden sind eine zumeist Nordkurdisch sprechende, ethnisch-religiöse Gruppe, deren ursprüngliche Hauptsiedlungsgebiete im nördlichen Irak, in Nordsyrien und in der südöstlichen Türkei liegen. Die Jesiden betrachten sich teilweise als ethnische Kurden. Das Jesidentum ist eine monotheistische, also nicht auf einer heiligen Schrift beruhende Religion. Sie vermischt verschiedene Religionen und religiöse Traditionen. Die Mitgliedschaft ergibt sich ausschließlich durch Geburt, wenn beide Elternteile jesidischer Abstammung sind. Eine Heirat von Jesiden (beiderlei Geschlechts) mit Nicht-Jesiden hat den Ausschluss aus der Gemeinschaft zur Folge. Seit August 2014 sind Jesiden Opfer eines andauernden Genozids. Als sogenannte „Ungläubige“ fliehen sie seither im Norden des Iraks vor Verfolgung, Versklavung und Ermordung durch die terroristisch agierende, fundamentalistische Miliz Islamischer Staat. (Quelle: Wikipedia)
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