Neues Café: Zwei Freunde bringen Syrien auf die Teller der Harzer
Ghaith Al-Kattan ist zum Studieren aus Damaskus nach Clausthal-Zellerfeld gekommen. Nun arbeitet er im neu eröffneten Café „Atiq“ und bereitet dort syrischen Sandkaffee vor. Foto: Knoke
Zwei Syrer aus derselben Straße in Damaskus treffen sich in Clausthal-Zellerfeld wieder und eröffnen ein Café. Sie wollen die Seele ihrer Heimat in den Oberharz bringen.
Clausthal-Zellerfeld. Welch ein unglaublicher Zufall: Abdulrahman Almoallem (26) und Ghaith Al-Kattan (23) stammen beide aus der syrischen Hauptstadt Damaskus, aus dem gleichen Viertel Mezzeh und sogar aus derselben Straße. In ihrer Heimat begegneten sie sich nur einmal flüchtig. Richtig kennengelernt haben sich die beiden erst in Clausthal-Zellerfeld. Heute arbeiten sie gemeinsam in dem neuen syrischen Café „Atiq“ auf der Adolph-Roemer-Straße, das Almoallem in der vergangenen Woche voller Stolz eröffnete.
Ein Hingucker im Laden ist der Saj-Ofen. Auf der Metallkuppel backt Abdulrahman Almoallem dünne Brote und belegt sie. Foto: Knoke
Almoallem, der von allen nur Almo genannt wird, lebt seit zweieinhalb Jahren in Deutschland. Bevor ihn sein Studium der Elektrotechnik an die TU Clausthal führte, verbrachte er einige Zeit in Heiligenstadt in Thüringen. Ghaith kam vor anderthalb Jahren nach Deutschland, angelockt von den Geschichten seines Großvaters über das Land, und studiert nun Informationstechnik an der Oberharzer Universität. Beide suchten in Clausthal-Zellerfeld einen Nebenjob und fanden ihn schließlich bei „La Barca“. Dass sie beide aus derselben 200.000-Einwohner-Stadt stammen und sich im 3000 Kilometer entfernten italienischen Restaurant in Clausthal-Zellerfeld wiedertrafen, erfüllt sie mit ungläubiger Freude. Mittlerweile wohnen sie sogar in zwei benachbarten Häusern in der Osteröder Straße. Es scheint, als hätte das Leben sie absichtlich zusammengeführt.
Aus einem Scherz wird ein Café
Die Leidenschaft für das Kochen verbindet die beiden Kumpels. Almo erzählt mit leuchtenden Augen, wie er in Damaskus schon als kleiner Junge mit seiner Mutter in der Küche stand und für andere gekocht hat. In Syrien gab er Kindern Nachhilfe in Mathe und bereitete ihnen außerdem Mahlzeiten zu. Gemeinsam mit Ghaith kochte er auch in Clausthal-Zellerfeld regelmäßig in ihren Wohnungen für andere Studenten, bis aus einem scherzhaften Vorschlag die Idee eines eigenen Cafés entstand.
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Mit dem Lebensmotto „Go with the flow“, auf Deutsch etwa „Lass dich treiben“, hat Almo seinen Plan mutig in die Tat umgesetzt. Kurz darauf erfuhr er, dass Moocks City-Café auf der Roe schließen würde. Die Räume waren eigentlich viel zu groß für den 26-Jährigen. Viel Unterstützung erhielten die beiden Syrer aber von ihren Chefs bei „La Barca“, und sie konnten das gesamte Interieur des vorherigen Bäckers übernehmen. Almo lebt nach dem Leitsatz: Wer anderen hilft, dem wird geholfen. Selbst unterstützt er mit Rat und Tat regelmäßig syrische Studenten, die neu im Oberharz sind, manchmal sogar mit einem Schlafplatz. Dass er vor der Eröffnung seines eigenen Cafés so viel Hilfe erfahren hat, sei für ihn der Beweis, dass das Leben einem viel zurückgebe.
Ein Stück Damaskus im Oberharz
Mit Bildern syrischer Spezialitäten an den Wänden und der Musik ihrer Heimat möchten die beiden „die Seele der Stadt“ spürbar machen und in ihrem Laden ein Stück Damaskus auf die Teller der Oberharzer bringen. Das Wort „Atiq“ stammt aus dem Arabischen und bedeutet so viel wie antik im Sinne von wertvoll oder klassisch. Damaskus selbst wird ebenfalls als Atiq bezeichnet, erklärt Almo. Gleichzeitig soll das Café-Restaurant ein Treffpunkt sein, an dem Deutsche und Syrer miteinander ins Gespräch kommen, denn bisher hatte er oft das Gefühl, dass beide Gruppen in Clausthal-Zellerfeld eher nebeneinanderher lebten. Natürlich seien auch alle anderen Nationalitäten willkommen.

Jeder Gast erhält eine gefüllte Dattel, eine Spezialität aus Syrien. Foto: Knoke
Gastfreundschaft hat bei Almo und Ghaith Tradition: Es gehöre zur Mentalität der Syrer, anderen eine Freude zu machen. Wer den Laden betritt, bekommt oft schon gefüllte Datteln mit Walnüssen gereicht, noch bevor er seine Bestellung aufgegeben hat. „Das ist eine Spezialität in Syrien“, erklärt Ghaith. Besonders stolz sind sie auf ihren Kaffee aus Damaskus, der auf heißem Sand gekocht wird. Durch die langsame Zubereitung und die Zugabe von Kardamom entstehe ein vollmundiger Geschmack, den man so in keinem europäischen Café findet.
Syrische Spezialitäten auf der Speisekarte
Ein Hingucker im Laden ist der Saj-Ofen, mit dem Almo dünne Fladenbrote backt, die an Crêpes erinnern und gefüllt werden. Auf der Speisekarte stehen syrische Spezialitäten wie Lammfleisch in Sauerkirschsauce, Linsensuppe oder Kebab-Bällchen. Es gibt zudem die klassischen Café-Angebote wie belegte Brötchen und heiße Getränke. Auch süße Leckereien fehlen nicht: Neben dem bekannten Gebäck Baklava gibt es etwa Halawat Al-Jibn, was gefüllte Grießbällchen sind.
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Wenn die beiden Syrer allein im Laden sind, sprechen sie Arabisch. Doch sobald Kunden oder Aushilfen im Café sind, wechseln sie schnell ins Deutsche. „Sonst wäre es unhöflich“, sagen sie. Ihnen ist wichtig, dass sich jeder willkommen fühlt.
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