„Kein Saufverein“: Einblicke in einzige Frauenverbindung an der TU
Caroline (l.) und Julia leben in der einzigen Studentinnenverbindung der TU Clausthal. Foto: Müller
Die Orejades wurden 1991 an der TU Clausthal gegründet, als bis heute einzige Frauenverbindung. Zwei Studentinnen sprechen über heutiges Engagement und alte Vorurteile.
Clausthal-Zellerfeld. Die Akademische Verbindung (AV) Orejades ist die bisher einzige Frauenverbindung an der TU Clausthal. Damit brachen die Gründerinnen 1991 mit einer Tradition. Zwei Frauen, die hier studieren und sich organisieren, sind Caroline Ohl und Julia Mucke. Sie geben Einblicke in das Leben zwischen Füchsen, Aktivitas und Chargen.
In der Rollstraße organisieren sich die Studentinnen der Verbindung Orejades. Foto: Orejades
Caroline ist die Sprecherin der Verbindung, sie studiert im Oberharz nachhaltige Energietechnik und Systeme. Julia ist Kassenwartin und studiert Sportingenieurwesen. „Als ich mein Studium angefangen habe, waren wir in meinem Studiengang acht Leute und ich war die einzige Frau“, erinnert sie sich. Die beiden waren schon vorher befreundet und finden den Zusammenhalt unter Frauen wichtig. Bisher mussten sie keinen Sexismus an der TU erleben, denn „die Uni macht da schon viel“. Die TU Clausthal hat mit 26 Prozent ohnehin einen der niedrigsten Frauenanteile unter deutschen Unis. Dass es so wenige Mitstudentinnen gibt, war für beide ebenfalls ein Grund, sich der Verbindung anzuschließen. „Wir lernen auch fächerübergreifend zusammen, machen Ausflüge und ermutigen uns gegenseitig in den Prüfungsphasen“, sagt Caroline.
Überblick über die Begriffe
Studierendenverbindungen sind keine offiziellen Organe der Hochschule, sondern meistens private, vereinsähnliche Gruppen. Sie leben oft gemeinsam im Verbindungshaus, verbringen ihre Freizeit miteinander und bleiben auch nach dem Abschluss noch Mitglied. Die zuvor erwähnten Füchse sind Neuzugänge in einer Studierendenverbindung. Manche Frauenverbindungen nennen sie Fähen, die Orejades nicht. Neuzugänge lernen die Verbindung und ihre Rituale kennen und haben noch kein Stimmrecht.
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Das brauchen sie, wenn Chargen gewählt werden: Das sind Führungspersonen, die einmal pro Semester rotieren und das Verbindungsleben organisieren. Ein vollberechtigtes Mitglied heißt dann Bursche oder Dame.
Der Verbindungsname Orejades leitet sich aus dem griechischen Mythologie-Begriff Oreíades ab. Er bedeutet Bergnymphen oder Waldnymphen, was thematisch zur Lage im Oberharz passt. Studierendenverbindungen haben meistens Erkennungszeichen in bestimmten Farben (Couleur) für offizielle Anlässe. Die Orejades tragen Schleifen in grün-silber-blau: grün für die Harzer Tannen, silber für das Erz und blau für die Treue unter den Mitgliedern.
Verbindungen unter Frauen
In Studienfächern wie Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik sind Frauen in Deutschland bis heute unterrepräsentiert. Das zeigen Zahlen des Centrums für Hochschulentwicklung. Gemischte und Frauenverbindungen bleiben laut einem aktuellen SWR-Bericht bis heute in der Unterzahl. Seit circa 1800 waren Verbindungen ausschließlich männlich. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts durften Frauen nicht studieren. Frauenverbindungen entstanden kurz vor 1900, gemischte ab den 1970ern. Der Wandel geschah parallel zur steigenden Frauenbeteiligung am Studium. Dennoch bleibt das Verhältnis männerdominiert.
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Auch an der TU gibt es gemischte Verbindungen: die AV Kristall und die Glückauf-Salia. In der Gründungsphase der AV Orejades gab es nur eine gemischte Verbindung. „Das war aber fast wieder nur eine reine Männergruppe“, berichtet Julia, „zeitweise mit nur einer Frau.“ Caroline schätzt besonders die Offenheit, die Frauen untereinander haben. „Man redet schon über andere Themen und kann sich besser ineinander hineinversetzen.“
Aus Gesprächen mit älteren Mitgliedern weiß Julia: „Für viele Männer war es am Anfang ungewöhnlich, dass Frauen auch mitmischen wollen und sich organisieren.“ Die Gründung der AV liegt allerdings 35 Jahre zurück. „Heutzutage ist das normal für die meisten Mitstudierenden.“ Intern habe sich wenig verändert: „Wir machen immer noch viele Spiele- und Kochabende.“ Manchmal besuchen sie andere Verbindungen und feiern gemeinsam.
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Auch wenn die Schleife, die Julia und Caroline bei offiziellen Veranstaltungen tragen, Weinschleife heißt und die Freundschaftssymbole aus Kneipenritualen kommen: Das Vorurteil eines „Saufvereins“ können beide nicht bestätigen. „Ich habe auf der letzten Feier auch nur Wasser getrunken und keiner hat etwas gesagt“, so Caroline. Die dreifarbigen Bänder symbolisieren die Zugehörigkeit zur Verbindung und die Freundschaft unter den Mitgliedern, nicht den Alkohol.
Pläne für die Zukunft
In den vergangenen Jahren sind die gemeinsamen Aktivitäten, wie Julia erzählt, etwas eingeschlafen. Neue Füchse gibt es aktuell nicht. Beide Studentinnen wollen das Engagement wieder aufleben lassen und Präsenz zeigen. Auch Dinge wie Nationalität oder Religion spielen für die Verbindung keine Rolle. „Hier sind alle Studentinnen willkommen, die sich zusammentun wollen“, sagt Julia. Caroline stimmt zu und ergänzt: „Wir möchten, dass das Verbindungsleben weitergeht.“
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