Zähl Pixel
Bürgermeisterkandidat steht fest

GZ Plus IconSPD im Oberharz: Ehrenberg kündigt Rückzug an, Kandidat heißt Finck

Wahlhelfer leeren eine Urne mit Stimmzetteln aus.

Clausthal-Zellerfeld hat im September die Wahl: Für die SPD steht Markus Finck auf dem Zettel. Foto: Neuendorf/Archiv

Die SPD im Oberharz hat ihren Bürgermeisterkandidaten – und die Mitglieder entscheiden sich für Markus Finck. Alexander Ehrenberg indes verabschiedet sich von Ämtern.

author
Von Sören Skuza
Samstag, 10.01.2026, 18:14 Uhr

Clausthal-Zellerfeld. Die SPD in Clausthal-Zellerfeld geht mit Markus Finck ins Rennen um das Bürgermeisteramt. Das hat die Aufstellungsversammlung Samstagmittag entschieden. Finck setzte sich gegen den aktuellen Fraktionssprecher Alexander Ehrenberg durch, der indes seinen politischen Rückzug ankündigte.

Nun ist also gewiss, wer für die Sozialdemokraten die Nachfolge von Bürgermeisterin Petra Emmerich-Kopatsch antreten soll. Der Ausgang der Aufstellung schien während der Versammlung offen, das Ergebnis ist zwar eindeutig, aber auch nicht exorbitant: Von 59 Mitgliedern stimmten bei einer Enthaltung 20 für Ehrenberg und 38 für Finck.

„Nicht gegen Alexander“

Der 50-Jährige lebt ebenso wie Ehrenberg in Altenau, ist seit 2021 Mitglied im Ortsrat Altenau-Schulenberg und im Rat der Berg- und Universitätsstadt. „Ich trete nicht gegen Alexander an, sondern für die Stadt“, stellte er in seiner Vorstellung klar. Als Stadtbrandmeister wisse er, Verantwortung auch in unübersichtlichen Situationen zu übernehmen. Er wolle die Stadt mit all ihren Ortsteilen attraktiver für junge Familien machen, aber auch dafür sorgen, dass Senioren im Alter nicht wegziehen müssten.

Alexander Ehrenberg, Markus Finck und Samuel Marfo stehen nach der Abstimmung vor dem Publikum.

Markus Finck (M.) setzt sich in der Abstimmung gegen Alexander Ehrenberg (l.) durch. Ortsvereinsvorsitzender Samuel Marfo dankt für einen fairen Ablauf. Foto: Skuza

Mitarbeiterführung sei seine Stärke, was ihm als Hauptverwaltungsbeamter nutzen würde. Beruflich ist Markus Finck Fachdienstleiter für den Bevölkerungsschutz beim Landkreis Goslar. Durch diese Tätigkeit habe er einen Einblick in Verwaltungsvorgänge und wisse auch, an welchen Stellen es etwa beim Thema Bürokratieabbau Handlungsbedarf gebe.

Schrittweiser Rückzug

Mit seiner Aufstellung setzte Finck sich gegen den zwei Jahre jüngeren, aber lokalpolitisch weitaus erfahreneren Alexander Ehrenberg durch, der betonte, er wolle dort anknüpfen, „wo unsere jetzige Bürgermeisterin aufhören wird“. Seine zwei wichtigsten Themen seien, die Kinder- und Jugendbetreuung voranzutreiben und einem drohenden Ärztemangel entgegenzuwirken. Allerdings: Nachdem die SPD-Mitglieder sich in geheimer Wahl mehrheitlich für seinen Herausforderer entschieden hatten, kündigte Ehrenberg an, sich jetzt nach und nach aus dem politischen Geschehen herauszuziehen.

Für die Genossen sei das keine Überraschung, er habe das schon im Sommer genau so angekündigt. Er stelle seine Funktionen in Clausthal-Zellerfeld und Altenau zur Verfügung, wolle „in zweiter Reihe“ bis zur Wahl mitwirken. Danach plane er seinen politischen Ruhestand. Alexander Ehrenberg ist SPD-Fraktionssprecher, ehrenamtlicher Bürgermeister, Vorsitzender des Bau-, Umwelt-, Feuerwehr- und Stadtentwicklungsausschusses sowie Ortsbürgermeister von Altenau.

Seit 1999 in der Politik

Für die Neubesetzung werde er Markus Finck vorschlagen. Die Posten werden von den jeweiligen Gremien beziehungsweise von der Fraktion gewählt. Seit 1999 mischt Ehrenberg in der Politik mit. Er gehe „ohne Groll in den Ruhestand“, betonte er, und gratulierte Markus Finck zu seinem Erfolg. Der wiederum hob hervor, auch mit denen zusammenarbeiten zu wollen, die nicht für ihn gestimmt hatten. „Dafür ist es eine Demokratie“, meinte Finck. „Ich bin kein Einzelkämpfer, mit mir kann man reden.“

Mit Fincks Nominierung steht der zweite Kandidat für die Bürgermeisterwahl am 13. September fest. Schon im Herbst hatten die Grünen in einer nicht-öffentlichen Sitzung entschieden, dass Ratsherr Wolfram Haeseler in Clausthal-Zellerfeld auf dem Wahlzettel stehen wird. Anfang Januar kommunizierte Martin Ksink, ebenfalls Mitglied des Stadtrates, für die FDP in das Rathaus einziehen zu wollen. In einer Mitgliederversammlung im Februar könnte die offizielle Aufstellung von Ksink erfolgen. Darüber, ob die CDU einen eigenen Kandidaten stellen will, hüllt sich die Partei aktuell noch in Schweigen. Bei der Wahl 2021 hatten Grüne, CDU und FDP auf die Nominierung eines Bürgermeisterkandidaten verzichtet.

KOMMENTAR: Das Gebot der Stunde heißt Geschlossenheit

Die Aufstellung von Markus Finck könnte bei der Oberharzer SPD einen Wendepunkt markieren, der angekündigte Rückzug von Alexander Ehrenberg ist es allemal.

Clever ist jedenfalls der Schachzug, die Genossen schon im vergangenen Jahr darüber zu informieren, dass genau das passieren wird, wenn er nicht zum Bürgermeisterkandidaten gekürt wird. Ohne Ankündigung hätte man es dem mitunter recht impulsiven Fraktionschef als Trotzreaktion auslegen können. So kann er sich aber in Ruhe und in Würde von seinen Posten und aus der Politik verabschieden. Auch wenn es immer wieder Streit innerhalb der SPD gab, hatte Ehrenberg zu jeder Zeit auch Leute um sich herum, die ihn unterstützt haben. Für die Bürgermeisterwahl im September könnte mitentscheidend sein, ob die Oberharzer Genossen es schaffen, jetzt an einem Strang zu ziehen und die – für alle offensichtliche – Lagerbildung über Bord zu werfen. Ob Markus Finck seine Führungskraft beweisen darf, entscheidet der Wähler. ssk

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Themen aus der Region