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Schulzentrum Goldene Aue

GZ Plus IconHaken dran: Der teuerste Neubau der Goslarer Landkreis-Geschichte

Mehrstöckiges Gebäude mit mehreren Fenstern und einem Eingang mit Glasfront bei winterlichem Wetter mit Schnee auf dem Boden

Rekordprojekt: Das Schulzentrum hat den Landkreis Goslar 66,7 Millionen Euro gekostet. Ärger gibt es noch um die Verdunklung, die bei Kälte und Wind nicht funktioniert, und um Vandalismusschäden. Foto: Heine

66,7 Millionen Euro hat das Schulzentrum Goldene Aue gekostet. Es gibt aber noch Mängel. Die Schulen stört vor allem, dass bei Kälte und Wind die Verdunklung ausfällt.

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Von Frank Heine
Dienstag, 24.02.2026, 04:00 Uhr
Der Landkreis Goslar hat die größte Investition seiner Geschichte schlussabgerechnet. Mit 66,7 Millionen Euro schlagen Abriss und Neubau des Schulzentrums Goldene Aue zu Buche. Millionenschwere Nachforderungen, die der Totalunternehmer Depenbrock aus Ostwestfalen zunächst wegen der Folgen des Ukraine-Krieges auf die Baukosten erhoben hatte, sind offenkundig nicht in vollem Umfang zum Tragen gekommen. Für die Gewährleistungsmängel trägt das Unternehmen insgesamt fünf Jahre lang nach Übergabe des Gebäudes die Verantwortung.

Am 31. Mai 2024 hatte Landrat Dr. Alexander Saipa (SPD) das riesige neue Gebäude in die Hände von Realschule Goldene Aue und CvD-Gymnasium gegeben, die es mit ihren zusammen aktuell rund 1440 Schülern und 125 Lehrkräften mit Leben füllen. Schon damals hatte Depenbrock-Chef Sven Peters ein wenig Wasser in den Wein gegossen, als er bemängelte, dass eine bei Bauprojekt-Partnerschaftsmodellen üblicherweise „konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit auf Augenhöhe in Goslar noch nicht ganz so gut geklappt“ habe. Saipa konterte mit einer Diskussion auf Augenhöhe „an der einen oder anderen Stelle“, was zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer auch normal sei.

Einigung nach Güteverhandlung

Diese Diskussionen sind nun nach Landkreis-Angaben beendet. Nach der rechtsverbindlichen Bauabnahme vom 16. Juni 2025 – Abriss des Altgebäudes und Außenanlage inklusive – ging demnach die Schlussabrechnung ein, die der Landkreis allerdings noch um ziemlich genau 900.000 Euro kürzte. Über die offenen Positionen gab es eine Güteverhandlung. Im Ergebnis, so heißt es in der Vorlage des Landkreises, „konnte ein für beide Parteien wirtschaftlich und rechtlich vertretbarer Kompromiss gefunden werden“. Ein mögliches Klage- und Prozessrisiko bezifferte die Behörde mit mehr als 1,5 Millionen Euro. Fünf Tage vor Heiligabend ging die Schlusszahlung über knapp 690.000 Euro raus, mit der sämtliche Depenbrock-Forderungen aus Bauwerkvertrag plus Nachtragspositionen abgegolten seien.

Start im Januar 2022

Sie markiert das Ende eines Vertragsverhältnisses, das beide Seiten am 5. Januar 2022 im Landkreis-Gebäude an der Klubgartenstraße besiegelt hatten – damals mit einem Deckel von 62 Millionen Euro. 61,8 Millionen Euro stecken im Neubau, den Depenbrock in der Tat nach nur 23 beeindruckenden Monaten nach dem ersten Spatenstich hochgezogen hatte: ein modernes, energieeffizient mit Wärmepumpen ausgestattetes Gebäude mit einer Nutzfläche von 20.000 Quadratmetern. 18 Prozent der Aufträge seien an regionale Handwerker gegangen, erklärte Saipa bei der Übergabe. Anschließend erfolgte der Abriss der alten Goldenen Aue für 4,6 Millionen Euro. Für Zinsen fallen 300.000 Euro an. Immerhin: Eine Förderung in Höhe von 4,5 Millionen Euro gab es auch.

Wie sieht es aktuell mit Baumängeln aus? Nach Auskunft von Landkreis-Sprecher Maximilian Strache liegen in der Tat ein paar Nachforderungen auf dem Tisch. Von der Größenordnung her seien sie aber „nicht unüblich“ für ein solches Projekt. Risse im Fußboden seien bereits behoben, Risse in den Wänden aktuell in Bearbeitung – ebenso wie die fachgerechte Einregulierung der Lüftungsanlage und Mängel am Fliesensockel. „Bei den übrigen Gewerken wie Fassade, Fenster, Elektro, Aufzug, Außenanlagen und Bepflanzungen gibt es bislang keine Mängel“, listet Strache auf.

Schulen hätten es gern dunkler

Was brennt den beiden Schulen auf den Nägeln? „Wir haben keine innenliegende Verdunklungsmöglichkeit“, erklärt Realschulrektorin Ulrike Eilers, „das ist für uns ein großes Problem, das zeitnah gelöst werden müsste“. Heißt: Ab einer bestimmten (Niedrig-)Temperatur sowie einer bestimmten Windstärke fahren die Verdunklungen nicht mehr herunter. Die Sonne scheint in viele Räume derart massiv hinein, dass das Arbeiten mit Digitalboards und i-Pads unmöglich sei, weil Schüler und Lehrer schlicht und einfach nichts mehr sähen. Und eine Sonnenbrille für Lehrkräfte könne ja nicht die Lösung sein. CvD-Direktor Holger Ritzke spricht ebenfalls von notwendigen Nachjustierungen bei der Verdunklung und allgemein bei Lüftung, Elektrik und Regeltechnik. „Was in der Regel aber auch etwa ein Jahr braucht, um notwendige Erfahrungen zu sammeln“, sagt Ritzke und spricht dem Landkreis nicht ab, in dieser Hinsicht „sehr bemüht“ zu sein.

Teure Schäden durch Vandalismus

Der Schulträger hat seinerseits aber auch dringende Wünsche an die Schulen. Denn: Der Großteil der „baulichen Mängel“, erklärt Sprecher Strache, sei dem Nutzerverhalten geschuldet: „Das muss leider deutlich gesagt werden.“ Der wiederkehrende Vandalismus wirke sich sehr nachteilig auf den baulichen Zustand aus. So habe beispielsweise bereits eine komplette WC-Anlage auf Kosten des Landkreises in Höhe von 18.000 Euro vollständig saniert werden müssen. „Darüber hinaus werden Türen derart heftig aufgerissen, dass Klinken abbrechen, oder es werden Löcher in Trockenbauwände geschlagen“, sagt Strache. Wiederholt wurden außerdem Lampenschirme mutwillig zerstört oder Geldmünzen in die Rasterdeckenplatten geworfen, was zwar erstmal nur zu leichten Beschädigungen führe, sich aber „leider nahtlos in die Reihe ungebührlichen Verhaltens einreiht“. Was wiederum Eilers mindestens bei den Toiletten so nicht stehen lassen will. Wer die Decken so niedrig ziehe, dass sie mit ausgestrecktem Arm hochgehoben werden könnten, fordere bei Jugendlichen manches Verhalten auch geradezu heraus. „Das hätte auch anders geplant werden können“, ist sie überzeugt.

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