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Neue Fristen und weitere Treffen

GZ Plus IconWegfall der Schulgrenzen: Stadtelternrat positioniert sich neu

Stühlerücken bei den Grundschulen: Die spannende Frage lautet, wie sich das Aufheben der Schulgrenzen auf das Verteilen der Schüler auswirkt.

Stühlerücken bei den Grundschulen: Die spannende Frage lautet, wie sich das Aufheben der Schulgrenzen auf das Verteilen der Schüler auswirkt. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Wohin geht die Reise? Ob in Goslar die Grenzen für die Grundschulen fallen sollen, bleibt spannend. Der Stadtelternrat will sich in dieser Frage jetzt neu positionieren, nachdem die Schulelternräte noch einmal zu Stellungnahmen aufgefordert sind.

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Von Frank Heine
Montag, 24.03.2025, 18:00 Uhr

Goslar. Der Stadtelternrat für die Schulen arbeitet an einer neuen Stellungnahme zum Vorhaben, für die Goslarer Grundschulen die festen Einzugsbereiche aufzuheben. Vorsitzende Franziska Posselt und Vize Marion Liebermann erklären in einem Schreiben an die Mitglieder des Gremiums, dass die Stadt als Schulträger die Frist für eine Abgabe verlängert hat, bis auf der nächsten Sitzung am 22. April, dem Dienstag nach Ostern, eine gemeinsame Position gefunden ist.

In einer ersten Stellungnahme hatte der Stadtelternrat wie berichtet für ein Streichen der Grenzen für ein Quartett aus Worth-, Goethe-, Schiller- und Jürgenohlschule plädiert. Ein Votum, das erklärter Maßen auf einer quantitativ dünnen Basis entstanden war, laut Posselt mit Hinweis auf Fristsetzung durch die Stadt auf den 15. April aber nicht mehr zu ändern sein sollte. Jetzt sollen bis zum 15. April die Elternräte aller zehn Grundschulen eine eigene Stellungnahme per Mail an den Stadtelternrat schicken. Diese Positionen sollen eine Woche später zu einem gemeinsamen Papier zusammengefügt werden. Dies sei auch der Wunsch der Stadt als Schulträger.

Start mit einer Entschuldigung

„Zuerst möchten wir uns entschuldigen, dass wir es versäumt haben, euch, die Mitglieder des Stadtelternrates Goslar, vor der Abgabe der Stellungnahme zum Thema Aufhebung der Schulbezirksgrenzen in Kenntnis zu setzen“, beginnt das am Freitag verschickte Schreiben. Und an späterer Stelle: „Wir haben die Tragweite unserer Entscheidung unterschätzt und waren uns der Reichweite nicht bewusst. Rückblickend sehen wir, dass es sinnvoll gewesen wäre, zusätzliche Informationsveranstaltungen anzubieten, konsequenter Meinungen einzufordern und Transparenz zu schaffen. Dies möchten wir gerne auf unserer kommenden Sitzung mit euch nachholen, bei der der Schulträger anwesend sein wird, um Fragen zu beantworten.“

Rechtmäßiger Verbleib im Amt

Posselt, die wie berichtet nach Kritik aus den eigenen Reihen in der Vorwoche als Vorsitzende des Okeraner Elternrates zurückgetreten ist, und Liebermann betonen aber auch, sich um Rückmeldungen bemüht und die erste Stellungnahme „nach bestem Wissen und Gewissen aus allen eingegangenen Antworten“ erstellt zu haben. Über die „zurückhaltende Beteiligung“ seien sie „in erster Linie enttäuscht“ gewesen. Beide Mütter üben ihr Amt im Stadtelternrat weiterhin nach Recht und Gesetz aus. „Eine Aufgabe des Vorsitzes im Schulelternrat führt nicht automatisch zu einem Ausschluss aus dem Stadtelternrat“, erklärt Stadt-Sprecherin Daniela Siegl nach einer angekündigten Prüfung der Rechtslage. Sie bleibe mindestens bis zur satzungsgemäßen Neuwahl des Stadtelternrates im November Vorsitzende des Gremiums. Liebermann wiederum habe inzwischen kein Kind mehr an einer städtischen Grundschule. Ihr Nachwuchs besucht mittlerweile die Adolf-Grimme-Gesamtschule (AGG) in Oker, für die der Landkreis als Schulträger fungiert und für die keine Schulgrenzen gelten. Daher vertrete Liebermann im Stadtelternrat AGG-Interessen und spreche nicht mehr für die Grundschule Jürgenohl. Was allerdings auf der Homepage bis zuletzt anders angezeigt wurde, wo Liebermann weiterhin als Vertreterin der Grundschule Jürgenohl angezeigt war. Macht aber nichts. „Der Stadtelternrat besteht auch aus Vertretern der Eltern der weiterführenden Schulen im Stadtgebiet Goslar“, schreibt Siegl. Eine Kommentierung im Niedersächsischen Schulgesetz besage, dass Gemeinde-, Kreis- oder Regionselternvertreter für die volle Wahlperiode in ihrem Amt blieben, auch wenn ihre Kinder die Schule verließen.

SPD und FDP laden ein

Wie geht es weiter? Zunächst mit einer Einladung von SPD und FDP an die einzelnen Schulleitungen und Schulelternräte, am Montag, 31. März, ab 18.30 Uhr an einer gemeinsamen Fraktionssitzung im Kulturmarktplatz teilzunehmen. Die Schulspitzen haben sich wie berichtet einmütig gegen das Aufheben der Schulgrenzen ausgesprochen. „Wir wollen unser Urteil auf fundierte Fakten stützen“ schreiben Renate Lucksch und Martin Mahnkopf (SPD) sowie Christian Rehse und Stephan Kahl (FDP). Der vor einigen Wochen gestellte Ratsantrag von CDU, Linken, Grüner Partei 42 sowie den Ratsherren Henning Wehrmann und Niklas Prause sorge derweil „für Verunsicherung und Unruhe in unserer Stadt“.

Kita-Vertreter treffen sich

Mit besagten Antragstellern wiederum trifft sich auf deren Bitte am Mittwoch, 2. April, um 17.30 Uhr im Mach-Mit-Haus der Stadtelternrat für die Kindertagesstätten. „Wir möchten die Gelegenheit gerne nutzen, um Fragen zu stellen und unsere Perspektiven als Eltern einzubringen“, erklärt Vorsitzende Donata Prietz. Das Gremium hat alle Elternvertreter aus dem Kita-Bereich eingeladen. Als Pro-Argumente erscheinen derzeit die Flexibilität der Eltern aufgrund freier Wahlmöglichkeit, ein durch Wettbewerb erhöhte Qualität und geschärftes Schulprofil sowie die Tatsache, dass die weiterführenden Schulen auch ohne Grenzen arbeiten. Vier von fünf Schulen haben aber Obergrenzen. Was dazu führen kann, was als erster Punkt auf der Contra-Liste steht: Bei hohem Andrang entscheidet ein Losverfahren, bei dem Wohnortnähe kein Kriterium ist. Befürchtet wird zudem ein Bilden von Brennpunktschulen sowie das Einschränken der Zusammenarbeit zwischen Grundschulen und Kitas.

Pestalozzischule zieht um

Weil das Ändern der Grenzen realistisch erst ab Sommer 2026 möglich ist, erscheint ein weiterer Punkt interessant: Der Kreistag entscheidet bereits am 31. März über den Wechsel der Pestalozzi-Förderschule vom Goslarer Georgenberg an den Standort der Oberschule Langelsheim ebenfalls zum Sommer 2026. Den Umzug, der in Goslar weitere Räume für die Schillerschule vorzeitig freimachte, hat der Schulausschuss des Landkreises vorab einstimmig befürwortet. Schulvorstand und Gesamtkonferenz hätten keine Vorbehalte geäußert, erklärte Christian Friedrich als Fachdienstleiter für Schulorganisation. Am 2. April soll es einen Elternabend an der Pestalozzischule zu dem Thema geben.

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