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Stadtarchiv: Große Postkartensmmlung

GZ Plus IconHistorische Glückwunsch-Motive aus Goslar und Umgebung

Winterliche Landschaft mit schneebedeckten Tannen, einem See und einer Brücke im Vordergrund, darüber der Text 'Goslar Herzbergerteich' und darunter 'Herzlichen Glückwunsch zum neuen Jahre.

Herzberger Teich im Winter: Stimmungsvoller Neujahrsgruß auf einer Postkarte von 1914. Foto: Sowa

Von Neujahrsgrüßen bis hin zu Osterkarten: Die Goslarer Postkartensammlung im Archiv zeigt Wintermotive, Lithografien und historische Grüße aus über 30.000 Objekten.

Von Martin Schenk Sonntag, 29.03.2026, 04:00 Uhr

Goslar. In der Postkartensammlung des Stadtarchivs mit über 30.000 Objekten haben Glückwunschkarten eine eigene Rubrik. Zahlreiche Postkarten erinnern an historische Silvester- und Ostergrüße, die früher gerne verschickt wurden. Der Ausspruch „Prosit Neujahr“ der Sieben Zwerge mit dem Bildmotiv Lautenthal (Poststempel 31.12.1902) stammt vom lateinischen Wort „prodesse“ und bedeutet „es möge nützen“ oder „zum Wohl“. Er ist ein Wunsch für Gesundheit und Gelingen im neuen Jahr. Sehr stimmungsvoll sind die Wintermotive mit der Kaiserpfalz (Poststempel 1.1.1906) und dem Herzberger Teich (Poststempel 31.12.1914), verbunden mit einem „Herzlichen Glückwunsch zum neuen Jahre“.

Eine Karte als Lithografie

Eine Besonderheit ist die Osterkarte des Hannoveraner Künstlers Hans Stopp an das Ehepaar Lindemann in Oker (Poststempel 11.4.1903). Sie ist als Lithografie gefertigt und zeigt ein Paar beim „Eiertitschen“, angelehnt an die Grafiken von Henri Toulouse-Lautrec. Beim Eiertitschen stoßen zwei Personen hartgekochte Eier mit der Spitze gegeneinander (titschen). Bricht eine Spitze, gehört das eingedrückte Ei dem Mitspieler. Die erste geschriebene Postkarte der Welt wurde am 1. Oktober 1869 von Perg bei Linz nach Kirchdorf versandt und diente der Abstimmung eines Besuchs im Bekanntenkreis. Das Original ist in der Schatzkammer des Museums für Kommunikation Berlin zu sehen (Museum für Kommunikation Berlin, 2026).

Schon in den 1870er Jahren kommen findige Unternehmer auf die Idee, das neue Medium zum populären Bildträger weiterzuentwickeln. Sie versehen die Anschriftenseite der Postkarte mit kleinen Zeichnungen oder gedruckten Bildern. In den 1880er Jahren werden dort in halber Postkartengröße Stadtansichten, Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele abgebildet.

Abbildungen auf der Rückseite

Den Konflikt zwischen Bild und Text löst 1905 die Teilung der Adressseite. Auf der rechten Seite befindet sich nun die Anschrift, die linke Seite kann für schriftliche Mitteilungen genutzt werden. Die Rückseite steht vollständig für die Abbildung zur Verfügung. Bis etwa 1990 wurden die Bilder und Texte für die Kartenherstellung in aufwändiger Arbeit von Fotolithografen und Reprofotografen in fototechnischer Fertigung erstellt. Ab 1990 wird diese Technik durch die digitale Bild- und Textverarbeitung ersetzt. Heute ist ein Handy-Selfie vom Strand viel schneller verschickt als eine Postkarte. Dennoch sendet nach wie vor jeder zweite Deutsche Postkarten aus dem Urlaub, so eine Studie des Branchenverbands Bitkom aus dem Jahr 2019.

Gerade weil es mittlerweile schnellere Kommunikationswege gibt, hat sich der Wert einer Postkarte verändert. Landet heute eine Karte in unserem Briefkasten, ist das etwas Besonderes. Wir fühlen uns wertgeschätzt und merken: Da nimmt sich jemand Zeit für uns.

Der Artikel stammt aus den Goslarer Archiv-Nachrichten des Vereins „Pro Stadtarchiv Goslar“ Nr. 23.

Historische Ansicht des Kaisersaals in Goslar bei Nacht mit beleuchteten Fenstern und dem Schriftzug 'Herzlichen Glückwunsch zum neuen Jahre'.

Die Kaiserpfalz Goslar als Postkartenmotiv zum Jahreswechsel um 1906. Foto: Privat

Schwarz-weiße Linienzeichnung einer sitzenden Frau mit Blumen im Haar, die ein Ei hält, umgeben von floralen Ornamenten und handgeschriebenem Text

Historische Lithografie: Ostergrußkarte von Hans Stopp, zeigt ein Paar beim traditionellen „Eiertitschen“ (1903). Foto: Privat

Postkarte mit einer Schwarz-weiß-Ansicht von Lautenthal im Harz, umrahmt von einer Gruppe von sechs Zwergenfiguren mit spitzen Hüten und der handschriftlichen Aufschrift 'Prosit Neujahr'

„Prosit Neujahr“ aus Lautenthal: Postkarte von 1902 aus der Sammlung des Stadtarchivs. Foto: Privat

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