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Gelungene Musikcomedy der „Phonauten“

GZ Plus Icon„Kommissar Dupin“ kommt mit Taube und Hund nach Goslar

Drei Musiker auf Bühne mit rotem Hintergrund, einer singt mit ausgebreiteten Armen, einer spielt Trompete, einer Gitarre.

Was für ein Trio: Pasquale Aleardi und die „Phonauten“ überraschen im Kulturkraftwerk mit gelungener Musikcomedy. Foto: Zietz

Von Anfang bis Ende ein großes Vergnügen voller Überraschungen: Pasquale Aleardi (Kommissar Dupin) und die Phonauten liefern vor ausverkauftem Haus im Kulturkraftwerk ab.

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Von Sabine Kempfer
Montag, 30.03.2026, 18:39 Uhr

Goslar. Glücklich, wer sich noch überraschen lassen kann. Bei „Pasquale Aleardi und die Phonauten“ ist das nicht schwer; die Überraschung ist umso größer, je kleiner die Vorinformation ausgefallen ist. „Kommissar Dupin kommt“, hieß es schon vor Monaten. Die Nachricht verbreitete sich wie eine bretonische Brise, und natürlich waren im Nu die Karten im Kulturkraftwerk ausverkauft. Nicht nur, weil der Fernseh-Kommissar richtig schnieke aussieht, sondern vielleicht auch, weil man mit singenden Kommissaren gute Erfahrungen gemacht hat – auch Prof. Karl-Friedrich Boerne und Kommissar Axel Thiel aus dem Münster-Tatort waren schon mit Band in Goslar.

Jetzt also Kommissar Dupin.
Ein Mann singt ins Mikro.

Pasquale Aleardi alias Kommissar Dupin ist nicht nur ein bekannter Schweizer Schauspieler, sondern auch Musiker. Foto: Zietz

Das, was der Schweizer Schauspieler (und Musiker) Pasquale Aleardi mit seinen beiden Mitstreitern da auf der Bühne ablieferte, war mehr als ein Konzert. Das war Musikcomedy vom Feinsten. Von Anfang an griff das Trio die Erwartungshaltung des Publikums auf und versuchte mit spielerischem Ernst, Aleardi vom Sockel zu stoßen und mal eine ganz andere Seite von ihm zu zeigen. Seine Kompagnons unterstellten ihm „Schulden, Drogen, Spielsucht“ – er sei halt „ein Mann mit Problemen wie jeder“. Sein größtes Problem? „Er muss einfach immer schön sein!“ Schließlich könne ein Bildzeitungspaparazzo ihn sonst in genau dem Moment ablichten, in dem das nicht so sei.

Pferd, Hund, Taube, Techniker

Und schon gab es ein Lied über die Ängste von Paco. Von Paco? Die drei Musiker treten nicht mit Klarnamen auf, sie haben sich Tiernamen gegeben. Paco ist der Hengst. Klar. Manchmal allerdings auch der verendende Gaul. Und die „Phonauten“? Das sind die Kölner Jörg Hamers und Marc Leymann, besser bekannt als Hund „Spike“ (Tom und Jerry) und die böse Stadttaube Mary – ein tierisches Vergnügen, zu dem auch der aus der Rolle fallende oder besser in die Rolle findende Tonmann „Hunter“ gehört, der sich immer wieder von der Technikbühne aus einschaltet, das Bühnengeschehen in Grund und Boden rammt und später einfach mal auf der Bühne das Zepter übernimmt – witzig, ungewöhnlich, urkomisch und manchmal deftig: „Ihr müsst eure Scheiße schon selber im Griff haben“, fordert Hunter, denn ein Mischpult sei keine Kläranlage: „Wenn man Scheiße hineinkippt, kommt auch Scheiße wieder raus.“ Das war deutlich.
Ein Mann, dessen blonde Locken unter der Schirmmütze herausquellen, singt ins Mikro.

Eine Extra-Überraschung: Auch Tonmann „Hunter“ bringt sich aktiv auf der Bühne mit ein. Foto: Zietz

Wie die drei bei all dem köstlichen Klamauk es tatsächlich noch schaffen, Kritik an Themen wie Trump oder dem digitalen Zeitalter unterzubringen, ist schon bemerkenswert, zum Beispiel in Liedern wie „Retro, ich bin so retro – wieso, weshalb, warum? Es geht mir gut so“. Bei dem Auftritt der drei „Analog-Irren“ handelt es sich nicht um ein Konzert, das in erster Linie durch die Qualität der Musik besticht – hier geht es um nichts weniger als ein Gesamtkunstwerk. Auch das Publikum wird eingebunden – und die weibliche Hälfte dürfte neidvoll auf „Barbara“ (Dancs) geblickt haben, die zweifelsohne den engsten Kontakt des Abends zu Aleardi hatte, der sich auch schon mal neben sie setzte oder als Darth Vader behauptete: „Barbara – ich bin Dein Vater.“
Ein schwarz Gekleideter geht mit Mikrofon ins Publikum und singt eine Frau an.

Pasquale Aleardi singt Barbara Dancs an. Foto: Zietz

Battle mit der Bürgermeisterin

Als Dankeschön gab‘s eine Nasenflöte, das „beste Antidepressivum der Welt“ – da saß auch Kleinkunst-Vorsitzender Walfried Lucksch nur noch lachend am Bühnenrand und schüttelte den Kopf. Zumal sich seine Frau Renate ein „Battle“ mit Mary, wir erinnern uns, der fiesen Stadttaube, lieferte: Die wollte partout nicht glauben, dass es sich bei Renate Lucksch um eine „echte Bürgermeisterin“ handelte. Worauf diese mehrere Anläufe unternahm, der Taube die eine oder die andere Visitenkarte zukommen zu lassen und ihm Schläge in der Garderobe angedroht haben soll. Zuvor hatten die als „Förster“ titulierten Kleinkunstvereinsmitglieder in ihren grünen Poloshirts sich schon mit Mary gebattelt, dessen Bühnenoutfit in Form einer Pyjamahose auch nicht gerade begeisterte – ein interaktives Vergnügen auf allen Ebenen.

„Wird das jetzt Liebe – oder tun wir einfach so?“, sang Aleardi, während die Phonauten Instrumente wie Gitarren, Keyboards und Saxofon zum Klingen brachten und Hunter, der Sebastian vom Ton, von der Technikbühne aus stöhnte: „Warum hab ich nicht nein gesagt?“

Das komödiantische Talent von Pasquale Aleardi hat auch Regisseur Philipp Stölzl erkannt, der in der köstlichen Komödie „Ich war noch niemals in New York“ (2019) die Rolle des Bordzauberers Costa mit dem Schweizer besetzte. Dabei musst „der erste Aleardi mit Abitur“ den Berufswunsch bei den Eltern erst mal durchsetzen; den Refrain „Das ist doch keine Arbeit“ im folgenden Lied der Phonauten sang das ganze Publikum mit Inbrunst mit, was die Musiker anerkennend kommentierten: „The sound of Goslar!“ Seinen Fans blieb der nahbare Lockenkopf Aleardi am Ende kein Selfie schuldig – ein herrlicher Abend.

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