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Schreibwarenladen und GZ-Agentur

GZ Plus Icon„Königin aus Zellerfeld“: Papierflitzer feiert 20. Geburtstag

Etwa 20 Jahre liegen zwischen den beiden Bildern: So lange führt Sabine König auf der Goslarschen Straße ihrem Papierflitzer.

Etwa 20 Jahre liegen zwischen den beiden Bildern: So lange führt Sabine König auf der Goslarschen Straße ihren Papierflitzer. Foto: Privat/Knoke

In Clausthal-Zellerfeld feiert der Schreibwarenladen Papierflitzer seinen 20. Geburtstag. Chefin Sabine König ist gerührt, als ein Kunde ihr dazu ein Lied schenkt.

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Von Corinna Knoke
Samstag, 14.03.2026, 18:00 Uhr

Clausthal-Zellerfeld. Als Sabine König ihr Lied zum ersten Mal hört, muss sie weinen. Kunde Alexander Medvedev hat es mit künstlicher Intelligenz erstellt und ihr zum 20. Geburtstag ihres Schreibwarengeschäfts Papierflitzer geschenkt. Der Song trägt den Titel „Die Königin aus Zellerfeld“. Es geht darum, dass man eigentlich nur wegen Papier in ihren Laden kommt und am Ende doch ihretwegen bleibt.

Für König ist das mehr als nur eine einzelne nette Geste. Der Song erzählt im Grunde genau das, was viele Kunden am Papierflitzer schätzen, nämlich den persönlichen Kontakt. Seit zwei Jahrzehnten führt die 54-Jährige den Laden in der Goslarschen Straße in Clausthal-Zellerfeld, damals noch auf der gegenüberliegenden Straßenseite. In dieser Zeit hat sich nicht nur ihr Geschäft stark verändert, sondern auch der Einzelhandel insgesamt.

Eine Leidenschaft für schöne Stifte

Vorher hat König ganz andere berufliche Wege ausprobiert, wie sie erzählt. Sie lernte in der Elektroabteilung eines Baumarkts, arbeitete danach bei einem Makler und in einem Souvenirladen in Hahnenklee. Doch so richtig angekommen fühlte sie sich erst Ende der 1990er-Jahre, als sie im Schreibwarenladen Colibri anfing. Die Colibri Kopier GmbH gehörte damals zu den drei Firmen des Papierflieger-Verlags. Eine Leidenschaft für Schreibwaren hatte König ohnehin schon immer: Fast täglich stöberte sie im damaligen Kaufhaus Harthun und war immer auf der Suche nach neuen Stiften oder anderen schönen Schreibsachen.

Bevor der Papierflitzer im Februar 2006 seine Eröffnung feiert, krempeln Sabine König und ihre Freunde das Geschäft auf links und renovieren eifrig.

Bevor der Papierflitzer im Februar 2006 seine Eröffnung feiert, krempeln Sabine König und ihre Freunde das Geschäft auf links und renovieren eifrig. Foto: Privat

Im Februar 2006 übernahm König schließlich das frühere Geschäft Colibri. Gemeinsam mit Freunden krempelte sie den Laden in der Goslarschen Straße innerhalb weniger Tage komplett auf links: Sie zogen Wände ein, erneuerten die Elektrik und gestalteten vieles neu. „Ich weiß gar nicht, wie ich das gewuppt habe“, sagt sie heute und lacht.

Die Namensfindung ist nicht leicht

Auch ein neuer Name für das Geschäft musste her. König wollte bewusst einen deutschen Begriff, was gar nicht so einfach war. Die Idee hatte schließlich der Clausthaler Tätowierer Thorben Marquard. Er schlug den Namen Papierflitzer vor und skizzierte auch gleich das Logo: ein Blatt Papier, das auf einem Stift reitet. So gab es zudem noch einen namentlichen Bezug zum Papierflieger.

Das Geschäft hat sich über die Jahre immer weiterentwickelt. Ursprünglich war es vor allem ein Schreibwarenladen mit Copyshop und Postagentur. Später kamen Lotto und Zeitschriften dazu. Seit 2015 ist der Papierflitzer außerdem Agentur der Goslarschen Zeitung. Kunden können dort Anzeigen aufgeben, Abos verwalten oder Produkte aus dem GZ-Shop kaufen. Auch ein Teil der traditionellen Glücksschweinchen geht dort jedes Jahr an Silvester über den Tresen.

Während der Corona-Pandemie erweiterte König ihr Angebot noch einmal. Sie schaffte einen Plotter und eine Presse an, mit denen sich beispielsweise Tassen und T-Shirts bedrucken lassen. In dieser Zeit stellte sie auch individuelle Masken her. Heute fehlt im laufenden Betrieb allerdings oft die Zeit, solche Aufträge nebenbei zu erledigen, bedauert sie. König ist mit einer Angestellten allein im Geschäft tätig.

Alltag im Einzelhandel verändert sich

Überhaupt hat sich der Alltag im Einzelhandel stark verändert. Früher wurden etwa Flyer noch per Hand zusammengeklebt, mit König als Chefin kam dann der erste Computer ins Geschäft. „Damals war man neugierig auf die Technik“, erinnert sie sich. Heute wird das Internet immer mehr zur Konkurrenz. Besonders ärgerlich: Häufig lassen sich Kunden vor Ort im Laden beraten und bestellen anschließend online.

Manchmal fühlt sich König deshalb wie ein „Notnagel“, erzählt sie. Wenn etwas kurzfristig gebraucht wird, solle sie mit ihrem Fachgeschäft aushelfen. Dabei hätte sie viele Kunden gern schon vorher beraten. Als Beispiel nennt sie Einladungskarten, die heute häufig im Internet bestellt werden. Später würden die Käufer verzweifelt bei ihr im Laden stehen und plötzlich passende Briefumschläge suchen. Und dann wunderten sie sich auch noch über das höhere Porto für quadratische Karten.

König kennt fast alle Kunden mit Namen

Trotz aller Veränderungen kann sich König nicht vorstellen, den Laden aufzugeben, auch wenn sie häufig von Kunden danach gefragt wird. Ihr ganzes Leben hat sie im Harz verbracht. Geboren wurde sie in Clausthal-Zellerfeld, aufgewachsen ist sie in Altenau, heute lebt sie wieder dort. Weiter weg als bis Astfeld ist sie nie gezogen. Vor allem der persönliche Kontakt zu den Menschen bedeutet ihr viel. Die meisten Kunden begrüßt die 54-Jährige mit Namen. Bei manchen weiß sie schon, was sie brauchen, bevor sie überhaupt nach etwas fragen. „Ich komme mittlerweile durcheinander, wen ich duze und wen ich sieze“, sagt König. „Da habe ich mir angewöhnt, nach Bauchgefühl eigentlich alle zu duzen.“

Und für sie steht fest, dass sie den nächsten Meilenstein mit ihrem Laden auf jeden Fall noch feiern will – den 25. Geburtstag des Papierflitzers. Über die Jahre hat sie sich in Clausthal-Zellerfeld einen festen Platz erarbeitet und da passt auch Medvedevs Liedzeile: „Sabine König, der Name stimmt, denn hier regiert eine Königin, die jeder kennt.“

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