Wie die Özdemirs ihr Großhandelsgeschäft ausbauen
Ein Lager, das viel Platz bietet und Pakete, so weit das Auge reicht. Foto: Sowa
Outlet46 wächst in Jerstedt weiter. Die Özdemir-Brüder bauen den Großhandel aus und denken über neue Konzepte für Goslar nach.
Der Online-Händler für Bekleidung, Schuhe und Home-Artikel startet nicht nur im Einzelhandel weiter durch, sondern baut auch das Großhandelsgeschäft, das B2B-Business (Business-to-Business), massiv aus. Zudem haben die Gründer und Geschäftsführer, die Brüder Fatih, Enes und Abdul Aziz Özdemir, weitere Ideen auf Lager.
Ende vorigen Jahres war der Umzug von der Dingstelle zum Nordhees in Jerstedt abgeschlossen. Die Outlet46 GmbH ist von gemieteten Räumen auf ein eigenes Grundstück umgezogen, das mit 40.000 Quadratmetern Fläche viel Platz für die Lagerung großer Warenmengen bietet.
Das Outlet-46-Lager in Jerstedt bietet mit 40.000 Quadratmetern Fläche viel Platz für große Warenmengen. Foto: Sowa
Darüber hinaus sind neue Büros und Sozialräume für Mitarbeiter entstanden. Nach Sanierung, Renovierung und der Einrichtung der Räume stehen weitere Aufgaben wie Lagersortierung, Straffung der Prozesse und die Implementierung von Software auf der Agenda des Online-Outlets. Im neuen Lager liegen rund 700.000 Artikel für die Bestellung und den Versand bereit.

Sie betreiben den Online-Modehändler Outlet 46: Abdul Aziz, Fatih und Enes Özdemir (v.l.). Foto: Privat
Täglich, so berichtet es Geschäftsführer Fatih Özdemir, kommt in Goslar Ware an. Aktuell hat das Unternehmen 473 Paletten mit Produkten gekauft, die nun in den nächsten Wochen täglich mit zwei Lkw in Goslar einlaufen. Die Geschäftsführung veröffentlicht keine Umsatzangaben, nennt aber folgende Kennzahlen: 2024 hat das Unternehmen eine Million Artikel verkauft, 2025 steigerte sich der Absatz auf 1,3 bis 1,4 Millionen.
Hilfestellung geben
Das Einzelhandelsgeschäft über die Online-Plattform bildet nach wie vor das Kerngeschäft des Goslarer Unternehmens. Aber auch der Großhandel bietet laut den Özdemir-Brüdern ein erhebliches Potenzial. Bereits seit 2019 offeriert Outlet46 Großhandelswaren, das Unternehmen ist in diesem Bereich seit den vergangenen 12 Monaten verstärkt aktiv. Die mittlerweile langjährigen unternehmerischen Handelserfahrungen würden für die kommerziellen Käufer viele Vorteile bringen, betonen die Brüder.
Das B2B-Business läuft ebenfalls ausschließlich über ein Online-Portal und präsentiert sich ähnlich wie das Angebot für Endverbraucher inklusive Preisangaben für Wiederverkäufer. Die Markenwaren sind in der Regel mit einem Abschlag von bis zu 90 Prozent gegenüber dem vom Hersteller empfohlenen Endverbraucherpreis erhältlich. Interessenten können sich auf der Website einen Überblick verschaffen, ohne einen Gewerbeschein vorlegen zu müssen. Aus Sicht der Geschäftsführer ist der vergleichsweise niedrige Mindestbestellwert von 199 Euro ein weiterer Vorteil. Fatih Özdemir, dem ältesten der Brüder, liegt die Unterstützung von jungen Menschen am Herzen. Auch das ist Teil der Firmengrundsätze, Menschen zu ermutigen, ein Business aufzubauen. „Vieles“, sagt er, „ist für uns aufgrund jahrelanger Erfahrung selbstverständlich. Aber viele junge Leute, die in die Selbstständigkeit gehen, wollen nach ersten Rückschlägen aufgeben.“ Deshalb können sich die erfolgreichen Goslarer Onlinehändler vorstellen, Youtube-Videos zu produzieren, in denen Grundlagen zu Unternehmerthemen wie Kalkulation oder Steuerrecht vermittelt werden.
Im B2B-Business wird es zunehmend internationaler. In Jerstedt kommen Bestellungen etwa aus Italien, Polen und Griechenland an. Regional haben die Özdemirs Ideen mit Aspekten für eine lokale Umsetzung. Das Großhandelsgeschäft ist nicht nur auf den Onlinehandel fokussiert, auch Einzelhändler mit Ladengeschäften können bei Outlet46 Ware ordern. Laut Fatih Özdemir ist der stationäre Handel relativ einfach zu bespielen. Özdemir sagt: „Es ist viel zu holen.“
Ein Gang durch die Fußgängerzone der Kaiserstadt hat die Handelsexperten zu einigen Vorstellungen inspiriert. Um die Innenstadt zu beleben und sie für Einwohner und Touristen attraktiver zu machen, könnte als Vorbild das City-Outlet von Bad Münstereifel dienen. In der rheinland-pfälzischen Fachwerkstadt prägten lange Zeit Leerstände in der Fußgängerzone das Stadtbild. Seit 2014 ist das anders. Statt wie üblich ein Outlet außerhalb der Stadt auf der grünen Wiese zu errichten, wurden die neuen Outletshops in die denkmalgeschützten Fachwerkhäuser des Eifelstädtchens integriert.
Ein Outlet im Zentrum
Dieses Konzept für den mittelalterlich geprägten Stadtkern konnte den Niedergang der einstigen Kurstadt stoppen. Wäre das auch ein Modell und eine Chance für Goslar? Die Waren dafür lagern in Jerstedt, und die Lieferprozesse sind schnell und flexibel. Das klassische Outlet-46-Sortiment, Bekleidung und Schuhe, wird permanent in Sachen Lifestyle erweitert. Aktuell wurde der Warenbestand im Sektor Home und Living um 120.000 Artikel ergänzt. Eine umfangreiche und bunte Palette an Konsumwaren, die die Goslarer Innenstand beleben könnte. Die drei Özdemir-Brüder wünschen sich einen Austausch mit Harzer Kaufleuten. Sie sind überzeugt, dass eine Symbiose entstehen könnte, um die Attraktivität der Kaiserstadt zu erhöhen.
Dieser Bericht stammt aus der aktuellen Ausgabe von „Wirtschaft im Harz“. Das Magazin der
GZ erscheint zweimal im Jahr und beschäftigt sich mit wirtschaftlichen Entwicklungen der Region
und stellt interessante Betriebe vor. Die aktuelle Ausgabe widmet sich überwiegend dem Tourismus.
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