Im Sommer 2026 wollen die Okeraner das Ganztagsangebot starten
So stellen sich die Oldenburger Architekten den Anbau vor: Die Ansicht zeigt die Südseite. Foto: Stadt Goslar
Für den ersehnten neuen Anbau für rund zehn Millionen Euro müssen die Okeraner Grundschüler ein Jahr lang auf die andere Seite der Wolfenbütteler Straße umziehen: Der Container-Unterricht findet von Sommer 2025 bis Sommer 2026 dort statt.
Oker. Am Votum gab es niemals Zweifel: Auf ihrem Zuhörerstuhl konnte sich Rektorin Claudia Kohl am Donnerstagabend in zweiter Runde spätestens ganz beruhigt zurücklehnen, als alle Finger für den neuen Anbau samt Mensa auf dem Pausenhof der Grund- und Förderschule Oker hochgingen. Das inklusive Ausstattung fast zehn Millionen Euro teure Vorhaben soll wie berichtet zwischen Anfang Februar und Mitte Mai 2026 in Modulbauweise in die Höhe schießen. Einschneidende Änderungen stehen allerdings schon ab dem nächsten Schuljahr an.
Klar: Wo etwas Neues entsteht, muss Altes weichen. Für die Schule an der Wolfenbütteler Straße bedeutet dies, dass im Sommer die Container vom Pausenhof hinüber auf den Parkplatz auf der anderen Straßenseite komplett umziehen. Wie Oliver Heinrich, Leiter des Goslarer Gebäudemanagements erklärte, sollen entweder die bisherigen Container umgesetzt oder andere Container dort platziert werden, wo jetzt schon eine Mini-Kolonie steht – letztlich komme das auf den Vermieter der Stahlkolosse und die Preisgestaltung an. Auf dem Parkplatz soll demnach in zwei Geschossen gelernt werden. Um alles auch räumlich gewährleisten zu können, müssen laut Heinrich auch Bäume weichen – und zwar vor der Brut- und Setzzeit. Ersatzpflanzungen sind Pflicht.
120 Tage reine Bauzeit
Wenn die Container vom Pausenhof verschwunden sind, wird ein Großteil der Fläche als Baufeld eingezäunt. Im Herbst wird laut Heinrich die Bodenplatte gegossen. Für das Hochziehen der Module sind insgesamt 120 Tage angesetzt, wobei das Anliefern und Aufstellen auf wenige Tage begrenzt ist, bevor der Innenausbau startet. Insofern sollte wieder etwas mehr Platz zum Spielen auf dem Hof möglich sein. Parallel soll aber auch eine Vergrößerung des Areals um die Lehrerparkplätze nach Osten angegangen werden, erfuhr Rüdiger Wohltmann (Linke) auf Nachfrage von Heinrich – dies wohl aber eher zum Bauschluss hin.

Das Altgebäude bleibt, wie es ist: Gegenüber soll ein Anbau in Modularbauweise ab Sommer 2026 die Container ersetzen. Foto: Epping
„Absolut hochwertig“
Was erwartet die Schülerinnen und Schüler ab Sommer 2026? Ein neues Zuhause in den Maßen drei mal 15,5 Meter in modularer Bauweise. „Wir gehen einen neuen Weg in der Stadt“, bestätigte Heinrich, den andere Städte aber schon längst beschritten hätten. Saarbrücken etwa gebe sechs Schulen dieser Art in Auftrag. Im Erdgeschoss finden demnach 96 Schüler in der Mensa Platz. Die beiden aufgesetzten Stockwerke sind gleicher Art mit jeweils drei Schulräumen und weiteren Differenzierungsräumen und Sanitäranlagen. Zusammen mit Kohl habe er eine Kita solcher Bauart in Wolfsburg besucht. „Das ist nicht zu vergleichen mit Containern“, erklärte der GGM-Chef. Und auch Kohl bestätigte am Freitag telefonisch. „Das ist eine tolle Qualität mit einem schönen Raumklima und Aufenthaltsatmosphäre“, sagte Kohl. Oder auf den Punkt gebracht: „Absolut hochwertig.“
Wie seien denn die Erfahrungen mit den Modulen in der Herstellung, fragte Ausschussvorsitzende Renate Lucksch (SPD) angesichts eines „engagierten Zeitplans“. Die Kapazitäten bei den Unternehmen seien vorhanden, antwortete Heinrich, auch die Materialien seien anders als noch vor wenigen Jahren kein Problem. Vielleicht schon eher ein Hindernis: Die für das Gebäude angesetzten acht Millionen Euro seien ein eher kleines Auftragsvolumen, erläuterte Heinrich.
Die leidigen Finanzen
Für Goslar und seinen defizitären Haushalt ist der Happen aber doch schon ein großer. Bildungsservice-Fachbereichsleiter Sven Busse machte Hoffnung auf zusätzliches Fördergeld, das parallel zum Bau für den Ausbau des Ganztagsunterrichts beantragt werde. Bislang werde ohne solches Geld geplant. „Wir drücken die Daumen, dass die Fördermittel nicht durch die Baukostenentwicklung aufgefressen wird“, unkte ein leidgeprüfter Baubegleiter Norbert Schecke (CDU), der mit der Hahndorfer Mehrzweckhalle seine Erfahrungen gemacht hat. Aber in den Planungen seien auch noch 1,4 Millionen Euro als Puffer eingebaut, wie Busse auf eine Wohltmann-Frage bejahte. Und bevor sich alle womöglich verfrüht die Hände rieben, warnte Heinrich, dass die Infrastruktur der Mensa samt Ausstattung eben nicht eingepreist sei – da kommt noch was.