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Goslars Mönchehaus-Museum feiert

GZ Plus IconQueeres, Köstliches und Kunstvolles zum Start ins Jahr 2026

Eine Frau steht auf einer Treppen und spricht in ein Mikrofon. Unter ihr haben sich zahlreiche Menschen versammelt.

Miriam Bettin hält ihre erste Rede auf einem Neujahrsempfang des Vereins zur Förderung moderner Kunst vor zahlreichen Gästen. Foto: Zietz

180 Gäste kamen zum Neujahrsempfang des Vereins zur Förderung moderner Kunst, der mit Miriam Bettin, junge Direktorin des Mönchehaus-Museums, neue Wege beschreiten wird.

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Von Sabine Kempfer
Montag, 26.01.2026, 10:00 Uhr

Goslar. Florian Haacke empfahl „Blutorange gegen die Kälte“ und meinte wohl weniger das Vitamin C als vielmehr die alkoholische Komponente des Begrüßungsschlucks, den er traditionell im Sinne von Museumsgründer Peter Schenning, allerdings ohne Mönchskutte, an die sukzessive eintreffenden Gäste des Neujahrsempfangs vom Verein zur Förderung moderner Kunst (VFK) im Mönchehaus ausgab. Das Kloster Wöltingerode hatte auch noch eine Pflaumenvariante sowie zwei klare Schnäpse bereit gestellt; ein kleiner Eisbrecher für eine Party, die erst nach Mitternacht endete.

Eine Frau bietet lächelnd auf einem blauen Tablett kleine Schnapsfläschchen an, neben ihr lächelt eine Frau mit einem Papier in der Hand und schwarzer Brille in die Kamera.

Zwei fleißige Ehrenamtliche des VFK: Ulrike Haacke hat ihrem Mann gerade das Tablett mit den Begrüßungsschnäpsen abgenommen; links neben ihr lächelt Barbara Tidow in die Kamera. Foto: Zietz

Mit rund 180 Besucherinnen und Besuchern war das Ereignis sehr gut besucht, auch wenn die komplette Kommunalpolitik bis auf Ausnahmen durch Abwesenheit glänzte; nicht ganz glücklich: Der Neujahrsempfang in Hahnenklee fiel auf denselben Abend (siehe Bericht in dieser Ausgabe). Glücklich war dagegen am Ende des Abends die Führungsriege des Kunstvereins samt der neuen Mönchehaus-Direktorin Miriam Bettin, die abschließend schwärmte: „Was für ein schnöner Abend!“ Mit Sandwich und Pommes statt Canapés, DJ und Drag-Moderatorin wagte die neue Chefin im Mönchehaus die Konfrontation von Kunstpublikum mit Ungewohntem – und die meisten gingen gut mit. Sogar die Idee, auf jeden Platz ein Tischkärtchen zu legen, das sich als Teil einer Tischedition ihre Partners und Künstlers Alwin Lay erwies, (alle Gäste waren eingeladen, ihre Kärtchen im Laufe des Abends zu einem Film zusammenzulegen), erwies sich als geglückt: Nachdem sich anfangs viele gefragt hatten, was das denn soll (und scheinbar auf jeder Karte fast dieselbe Abbildung gefunden hatten), legten diverse Gäste noch bis spät in den Abend hinein die durchnummerierten Kärtchen auf einer der Biertischgarnituren zusammen, um ihren Lauf als Daumenkino zu erahnen. Spielerisch und mit Spaß an die Kunst herangehen – (zumindest an diesem Abend) der Ansatz von Miriam Bettin.

Ein Hauptgewinn

Dazu passte zweifelsohne eine Tradition, die aufrecht erhalten wurde, die große Tombola, mit der das Mönchehaus jedes Jahr gegen Bares seine Bestände erleichtert, vielleicht dabei auch mal den einen oder anderen Ladenhüter aussortiert, allerdings auch viel Schönes und echte Werte in Form von Editionen verschenkt.
Eine Frau mit Losbehälter lächelt in die Kamera, neben ihr macht eine Drag-Künstlerin Dönekens, zwei Frauen ziehen Lose.

Ein cooles Duo: Anke Tessner-Schreyeck (links) und Mercedes Tuccini bringen die Glückslose unters Volk: Jedes Los gewinnt. Foto: Zietz

Michel Schreyeck zog dieses Jahr das große Los bei seiner Frau Anke Tessner-Schreyeck, die zusammen mit Drag-Künstlerin Mercedes Tuccini die Lose unters Volk brachte – ein unwiderstehliches Duo. Schreyeck nahm für das Los mit der Nummer 1 einen handsignierten Offsetdruck der Kaiserringträgerin Bridget Riley (2009) mit nach Hause. Den „Lustgarten“ von Luzia Simons, die mit ihren herrlichen Tulpenscans lange im Goslarer Kunst-Gedächtnis bleiben wird, nahm einer mit, der ein Abo auf Tombola-Gewinne abgeschlossen zu haben scheint; so ging ein lautes Raunen mit einem „das gibt‘s doch nicht“ durch die Däle, als Dr. Hartmut Kämpfer aufgerufen wurde. Den dritten Preis, Wiebke Siems Kaiserring-Edition aus dem Jahr 2014 mit einem Maskenkostüm mit Bienenkorb konnte Nadine Stafe mit nach Hause nehmen.
Ein Mann übergibt einer Frau einen bunten Blumenstrauß in pink, rosa und violett; die Beschenkte lacht in die Kamera, um die beiden stehen viele lächelnde Menschen herum.

Ein Dankeschön vom VFK-Vorsitzenden Florian Haacke für die „gute Seele“ des Mönchehauses, Gudrun Kortlüke, die dem Museum fast 40 Jahre lang die Treue gehalten hat – und das im Ruhestand weiter vorhat. Foto: Zietz

In seiner Begrüßungsrede ließ VFK-Vorsitzender Florian Haacke das Jahr 2025 Revue passieren, dessen wichtigste Nachricht der Direktorinnenwechsel war; Haacke begrüßte auch an dieser Stelle nach einmal Miriam Bettin und erinnerte an Bettina Ruhrberg, die 20 Jahre lang beim Neujahrsempfang auf der Treppe des Mönchehauses gestanden und das neue Ausstellungsjahr bekannt gegeben hatte. Bevor Miriam Bettin dies übernahm, erinnerte Haacke an den Arm (und die anderen Werke) von Miriam Cahn, die Videos von Yalda Afsah und die Blumen von Luzia Simons; die Ausstellungen von Katharina Fritsch (eine Muschel-Arbeit findet den Weg in die Sammlung) und Evan Ifekoya, die erste von Miriam Bettin verantwortete Ausstellung, waren erst kurz vorm Neujahrsempfang abgebaut worden.

Großer Dank an „Korti“

Sieben Ausstellungen und 113 weitere Veranstaltungen (eine an jedem dritten Tag) wurden realisiert – darüber habe Gudrun Kortlüke genau Buch geführt, sagte Haacke, nur eine der vielen Qualitäten der Mönchehaus-Mitarbeiterin, die nie in der Öffentlichkeit steht, nie dort stehen will, aber die seit fast 40 Jahren ebenso kunstbeflissen wie kenntnisreich den Laden am Laufen hält. Jetzt geht sie in den Ruhestand, wenn auch noch nicht so ganz; das Mönchehaus will und kann auf seine „gute Seele, tragende Säule und lebendiges Archiv“ (Bettin) nicht verzichten. Das machte Haacke deutlich, der den Neujahrsempfang als Kulisse für ein lange verdientes Dankeschön nahm und „Korti“, die später in der Däle zu den von Bradley Davies aufgelegten Platten noch ordentlich „abhottete“, einen Blumenstrauß überreichte. Die herrliche Ausgabe hätte wohl auch Luzia Simons ins Schwärmen gebracht.

Schneeglöckchen im Februar

Apropos Blumen: Von „Schneeglöckchen im Februar“ und „Goldregen im Mai“ (Heintje lässt grüßen) sang Mercedes Tuccini, eingeführt als „Grande Dame der subversiven Unterhaltungskultur“, die nicht nur mit Schlagern, sondern auch mit den stetig wechselnden Outfits für Aufsehen sorgte und schon zur Begrüßung mit Verpackung wie Inhalt irritierte: „Guten Abend, kommen Sie gut nach Hause.“ Great. Miriam Bettin stellte das neue Kunstjahr vor (die GZ berichtete), sie will sich im Sinne einer Bestandsaufnahme der Geschichte des Hauses und der Region widmen und in einen Brückenschlag zwischen historischem Fachwerkensemble und aktueller Kunst Themen wie Ökologie, Mythologie, Industrie, Natur und Bergbau aufgreifen – nicht zuletzt in einer großen Kooperationsausstellung mit dem Weltkulturerbe Rammelsberg; Martin Wetzel freut sich darauf.

Dem Mönchehaus steht eine Zeit der Transformation bevor, die unter anderem von architektonischer Seite begleitet werden soll: Lennart Wolff und Nwakuso Edozien, die die Ausstellungsräume neu gestalten sollen, erlebten diese am Samstag als Feierlocation – und inhalierten mit Begeisterung den „Spirit“ des Hauses. Miriam Bettin dankte allen Unterstützern auch für die „gemeinsame Überzeugung, dass Kunst – gerade in diesen unsicheren Zeiten – ein unverzichtbarer Bestandteil und Motor unserer demokratischen Gesellschaft ist“ und lud zum Feiern ein: „Auf ein tolles, neues Jahr.“

Die Goslar-Connection

Ein Mann mit Mütze reicht ein eingewickeltes Brötchen an ein Paar über den Tisch. Im Hintergrund ein Pulk von wartenden Menschen.

Auf ihn haben sich viele gefreut: Grischa Herbig (links) hat im vergangenen Jahr einen angesagten Sandwich-Laden in Köln eröffnet und ist aus Liebe zu Goslar ins Mönchehaus gekommen, um das Catering für den Empfang zu machen. Foto: Zietz

Bereitwillig und gespannt stellten sich die zahlreichen Gäste in einer langen Schlange an der Live-Cooking-Station an, wo der ehemalige Goslarer Grischa Herbig seine in Köln stark gefragten Sandwich-Creationen austeilte; rund 300 halbe dürften es seiner Schätzung nach gewesen sein. Der staatlich geprüfte Küchenmeister und Koch hat auch schon mal für die U-19-Fußballnationalmannschaft gekocht. Verstärkung bekam der ehemalige Ratsgymnasiast von Tim Steckel, der mit seiner Percussion-Gruppe „Novaslap“ in früheren Zeiten schon einmal für Unterhaltung beim VFK-Neujahrsempfang gesorgt hatte. Im Garten machte Helga Herbig anerkannt gute Pommes dazu, die becherweise reingereicht und zu außergewöhnlichen Saucen (Trüffel & Co.) über Stunden am laufenden Band ausgegeben wurden – eine gute Grundlage für den Besuch bei Vorstandsmitglied Jens Landfeld, der seit vielen Jahren seinen Ruf als bester Barmann des VFK verteidigt.
Etwa ein Dutzend Menschen tanzt in blau-violettem Discolicht.

Wie jedes Jahr beim VFK-Neujahrsempfang: Es darf getanzt werden. Foto: Zietz

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