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Umbau

GZ Plus IconHinter den Türen der Bad Harzburger Remise tut sich was

Harald Germer (l.), Kathrin Germer und Uwe Siebels vom Vereinsvorstand präsentieren die Fuhrmannstracht in einer der drei neuen Vitrinen.

Harald Germer (l.), Kathrin Germer und Uwe Siebels vom Vereinsvorstand präsentieren im ehemaligen Versammlungsraum die Fuhrmannstracht in einer der drei neuen Vitrinen. Foto: Raksch

Der Harzklub-Zweigverein Bad Harzburg bringt neue Ordnung ins Museum in der Remise. Das historische Kleinod bekommt neue Exponate und mehr Platz. Das erwartet Besucher.

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Von Robin Raksch
Samstag, 17.01.2026, 14:00 Uhr

Bad Harzburg. Beim Museum in der Remise wird derzeit kräftig umstrukturiert. Der Harzklub-Zweigverein Bad Harzburg arbeitet daran, das historische Kleinod direkt neben dem Rathaus zu erweitern und übersichtlicher sowie interaktiver zu gestalten. Neue Ausstellungsstücke sollen ihren Platz finden, bestehende Exponate besser präsentiert werden.

Hintergrund der Veränderungen ist unter anderem die Verschmelzung der beiden Harzklub-Zweigvereine Bad Harzburg und Harlingerode Anfang 2025. Dadurch ging der Besitz der Harlingeröder im Zweigverein Bad Harzburg auf (die GZ berichtete). Und dazu gehörten Ausstellungsstücke wie Trachten, die bisher an der Harlingeröder Landstraße in der Hütte der Harzer Roller gelagert wurden und thematisch ideal in das Museum in der Remise passen.

Aber wohin mit all den neuen Stücken? Der bisherige Versammlungsraum im ersten Obergeschoss sei ohnehin nur selten genutzt worden, sagt Kathrin Germer vom Vorstand bei einer Führung mit der GZ. Er werde nun vollständig neu strukturiert und der Ausstellung zugeführt.

Versammlungsraum wird Arbeitszimmer

Aktuell entsteht dort nach und nach ein Arbeitsraum. Ganz gemäß dem Konzept eines historischen Wohnhauses. Einen Hauswirtschaftsraum im Erdgeschoss sowie einen Wohn- und Schlafraum in Form des „Harzburgzimmers“ gibt es neben Ausstellungsflächen wie dem „Burgbergzimmer“ und dem „Schreibhauer Zimmer“ ja bereits. Für das Vorhaben erhielt der Verein von der Stadt einen Zuschuss von 10.000 Euro. „Die Stadt unterstützt uns hier wirklich immer nach Kräften“, sagt der Vorsitzende Uwe Siebels dankbar.

Vor dem Umbau stehen im Versammlungsraum überwiegend Stühle und Tische.

So sieht der Versammlungsraum vor dem Umbau aus. Foto: Schlegel

Vom früheren Versammlungsraum ist inzwischen nichts mehr zu erkennen. Statt Tischen und Stühlen stehen dort nun unter anderem drei selbstgebaute Vitrinen mit Bergmanns- und Fuhrmannstracht, sowie mit typischer Sonntagskleidung. Zum großen Teil handele es sich um Originalstücke, sagt Germer. Einzelne Stücke seien detailgetreu nachgefertigt worden.

Noch stehen die Vitrinen allerdings nicht an ihrem endgültigen Platz. Eine weitere soll aus dem Wohnraum in den Arbeitsraum umziehen. Außerdem denkt der Harzklub über weitere Ausstellungsstücke wie etwa einen Dokumentenschrank nach. In einem anderen Abschnitt des Raums sollen künftig wechselnde Sonderausstellungen stattfinden. Den Auftakt soll eine Ausstellung über den 1800 geborenen Dr. Wilhelm Stern bilden, der laut einer frühen Ausgabe des „Uhlenklippenspiegels“ das Dorf Neustadt/Harzburg zum Heilbad machte. Ein massiver, historischer Schreibtisch lässt dieses Projekt bereits erahnen.

Interaktion statt langer Texte

Doch nicht nur inhaltlich, sondern auch in der Präsentation geht die Remise neue Wege. Gemeinsam mit Experten aus Braunschweig hat der Harzklub Ideen entwickelt, um das Museum zeitgemäßer zu präsentieren. So können Besucher an einem beleuchteten Schrank im neuen Arbeitsraum Schubladen und Türen öffnen, Dokumente selbst in die Hand nehmen und aus nächster Nähe betrachten. Ähnliches gilt für einen Kleiderschrank im Harzburgzimmer. Zusätzlich plant der Verein, im gesamten Haus QR-Codes anzubringen, die zu Audio-Erklärungen führen. Lange Fließtexte neben den Exponaten würden heute eben kaum noch gelesen, erläutert Germer.

Und auch Veranstaltungen wie jüngst das „Museum zum Anfassen“ im Ferienpassprogramm sollen künftig eine größere Rolle spielen. Früher hätten für solche Projekte oft die Zeit und das Personal gefehlt, aber mit zusätzlicher Unterstützung sei so etwas nun besser möglich.

Die Ausstellung im neuen Arbeitsraum wird interaktiv. Ein beleuchteter Schrank mit Dokumenten zum Anfassen ist bereits fertig.

Die Ausstellung im neuen Arbeitsraum wird interaktiv. Ein beleuchteter Schrank mit Dokumenten zum Anfassen ist bereits fertig. Foto: Schmidt

Neusortierung im Haus

Auch in den übrigen Ausstellungsräumen hat sich viel getan. Der Harzklub hat den Umbau zum Anlass genommen, im gesamten Museum einmal klar Schiff zu machen. Die Ausstellung in der Wagenremise des einstigen Oberforstamtes Harzburg gibt es immerhin schon seit 1994, und seitdem hat sich einiges angesammelt. Bei der letzten Inventur habe der Verein etwa 500 Exponate erfasst, sagt Germer. Aber zusammen mit den vielen Stücken im Lager seien es deutlich mehr. Vor allem die Landfrauen hätten zu Beginn viele Gegenstände zusammengetragen. Und all das sei oft irgendwo hingestellt worden, wo eben gerade Platz war. So habe etwa eine Mangel eigentlich nichts im Wohnzimmer zu suchen, sondern gehöre in den Hauswirtschaftsraum.

Eine Mangel hat doch im Wohn- und Schlafzimmer nichts zu suchen. Jetzt steht sie im Erdgeschoss des Museums.

Eine Mangel hat doch im Wohn- und Schlafzimmer nichts zu suchen. Jetzt steht sie im Erdgeschoss des Museums. Foto: Schmidt

Zudem würden die Leute auch heute noch regelmäßig Dinge vorbeibringen, erzählt der Vorsitzende Uwe Siebels. Oft müsse der Verein auch ablehnen, etwa weil viele Stücke bereits mehrfach vorhanden seien oder schlicht nicht ausgestellt werden könnten. Ein Plan aus 1905 mit Wasser- und Telefonleitungen der gesamten Stadt sei zwar historisch spannend. Doch es bleibt die Frage: Wo bringt man so etwas sinnvoll unter?

Auch der Zustand mancher Exponate der Ausstellung sei nicht mehr präsentabel gewesen. Vor allem zahlreiche Kleidungsstücke habe der Verein entsorgen müssen. In diesem Zuge wurde auch der Flur- und Treppenbereich neu gestrichen und die Wandbilder erhielten eine neue Ordnung. Vieles wurde ausrangiert, gereinigt, umgeräumt. Viele Leute seien mit Herz dabei. Ein 16-köpfiges Team stehe inzwischen hinter dem Projekt. „Es bewegt sich was“, fasst Siebels zusammen.

Das Treppenhaus der Remise ist frisch gestrichen. Die Bilder hat der Harzklub-Zweigverein neu sortiert.

Das Treppenhaus ist frisch gestrichen. Die Bilder hat der Harzklub-Zweigverein neu sortiert. Foto: Raksch

Veranstaltungen und Winteröffnungszeiten

Dennoch wünscht sich der Verein insgesamt höhere Besucherzahlen in der Remise. Weder Flyerauslagen noch ihr Internetauftritt hätten zuletzt spürbar mehr Gäste angelockt. Der Verein versucht nun, mit veränderten Öffnungszeiten neue Impulse zu geben: In der Winterzeit von November bis März ist das Museum nun immer sonntags von 14.30 bis 16.30 Uhr geöffnet, statt wie bisher nur an jedem ersten und dritten Sonntag. Führungen gibt es übrigens jeden ersten Donnerstag im Monat von 15.30 Uhr bis 17.30 Uhr. Sonderführungen sind nach telefonischer Anmeldung unter (05322) 901590 jederzeit möglich.

Zudem stehen für das laufende Jahr bereits einige Termine im Kalender. Zu Ostern ist in der Remise eine Ostereiersuche geplant, zum Internationalen Museumstag am 17. Mai gibt es Sonderführungen und am 8. November lädt der Harzklub-Zweigverein zu einem Winterbasar ein. Auch an einer möglichen nächsten Ausgabe der Kultur- und Museumsmeile würde sich der Verein gern beteiligen, so der Vorstand. Beim letzten Mal hätten die Gäste ihnen die Türen eingerannt.

Zur Eröffnung des neuen Raums soll es schließlich „großen Bahnhof“ geben, sagt der Vorsitzende Siebels. Ein konkreter Termin stehe bisher nicht fest. Im Laufe des Jahres soll das Projekt allerdings abgeschlossen werden.

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