Drei Stunden Bach: So erfolgreich war die Matthäus-Passion in Clausthal
Das Matthäus-Evangelium ist geschrieben für zwei Chöre, Gesangssolisten und zwei Orchesterteile. Entsprechend groß fällt am Sonntag auch das Ensemble in der Marktkirche aus. Foto: Neuendorf
Die Matthäus-Passion gilt als eines der bedeutendsten Werke der Kirchenmusik. In Clausthal-Zellerfeld brachte die Ökumenische Kantorei sie nun erstmals auf die Bühne.
Clausthal-Zellerfeld. Die Clausthaler Marktkirchengemeinde hat am Palmsonntag erneut zu einer großen musikalischen Aufführung eingeladen und sich dabei einem der bedeutendsten Werke der Kirchenmusik gewidmet. Nach der „h-Moll-Messe“ vor etwa eineinhalb Jahren führte die Ökumenische Kantorei Clausthal nun erstmals mit Bravour die Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach in der gut gefüllten Marktkirche auf.
Marktkirchenkantor Arno Janssen führt durch die Veranstaltung. Foto: Neuendorf
Ökumenische Kantorei Clausthal
„h-Moll-Messe“ erklingt erstmals in Clausthal-Zellerfeld
Auch die Solistenriege hatte Janssen hochkarätig besetzt: Dazu gehörten Ute Engelke (Sopran), Nicole Pieper (Alt), Torsten Gödde (Bass) und Matthias Gerchen (Bass, Christusworte). Aufgrund einer Erkrankung musste kurzfristig jedoch der Tenor beziehungsweise die Rolle des Evangelisten neu besetzt werden. Ein Glück, dass Musiker laut Kantor Janssen üblicherweise gut vernetzt sind: Mit dem Berliner Ludwig Obst, der sowohl im Opern- als auch im Konzertbereich tätig ist, fand sich schnell Ersatz. Offenbar fügte er sich schnell in das Ensemble ein, denn wie auch die anderen Musiker überzeugte er in seiner Rolle als Evangelist trotz aller Kurzfristigkeit mit großer Ausdrucksstärke.

Ludwig Obst (Tenor) übernimmt kurzfristig den Part des Evangelisten. Matthias Gerchen (Bass) singt die Christusworte. Foto: Neuendorf
Der Leidensweg Jesu
Die 1727 uraufgeführte Matthäus-Passion „BWV 244“ – Das „Bach-Werke-Verzeichnis“ (BWV) ordnet sie unter der Nummer 244 ein – schildert das Leiden und Sterben Jesu Christi nach dem Matthäus-Evangelium. Bach verbindet dabei den Bibeltext (Matthäus 26-27) in der Übersetzung Martin Luthers mit freien Dichtungen und Chorstücken zu einem vielschichtigen musikalischen Werk. In Rezitativen führt der Evangelist begleitet von Solisten und dem Chor durch die Handlung. Es erklingen bekannte Szenen wie zu Beginn die Salbung Jesu in Bethanien, die Gefangennahme, das Verhör vor Pontius Pilatus und gegen Ende die Kreuzigung und Grablegung. Eingeschobene Choräle, bestehend aus Strophen damals bekannter Kirchenlieder, vertiefen das Geschehen während Solo-Arien die Szenen kommentieren.
Torsten Gödde (Bass) ist einer der Solisten des Stücks. Foto: Neuendorf
Klanggewalt und Konzentration
Ein komplexes und kleinteiliges Werk also, das hohe Anforderungen an alle Beteiligten stellt, sowohl organisatorisch als auch musikalisch. Doch diese Herausforderung meisterten die Mitwirkenden auf hohem musikalischen Niveau. Kantor Janssen zeigte sich im GZ-Gespräch rückblickend äußerst zufrieden. Das Ensemble habe durchweg auf einem hohen Niveau musiziert.Einführung in die Klassik
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Auch die Ausdauer der Beteiligten beeindruckte. Trotz der Länge von mehr als drei Stunden blieben neben den erwachsenen Sängerinnen und Sängern auch der Kinder- und der Schulchor bis zum Schluss konzentriert. Als das Werk schließlich mit dem Schlusschor „Wir setzen uns mit Tränen nieder“ endete, dankte das Publikum allen Beteiligten mit langanhaltendem Applaus und stehenden Ovationen.

Nicole Pieper singt den Alt, Ute Engelke den Sopran. Foto: Neuendorf
Es folgen Gerhardt und Brahms
Wer die Premiere verpasst hat, bekommt in Kürze die Gelegenheit, zumindest einige Abschnitte des Oratoriums zu hören: Am Karfreitag sollen in der Marktkirche Teile des Werks im Rahmen eines Gottesdienstes zur Sterbestunde Jesu mit Superintendent in Ruhestand Volkmar Keil erklingen. Beginn ist um 15 Uhr.
Und welches musikalische „Mammutwerk“ hält als nächstes Einzug in die Marktkirche? Kantor Janssen plant bereits die nächsten Höhepunkte: Am 14. November ist ein Konzert zu Ehren des vor 350 Jahren verstorbenen Theologen und Kirchenlieddichters Paul Gerhardt angedacht, im kommenden Jahr soll Johannes Brahms‘ „Ein deutsches Requiem“ folgen. Janssen sei es besonders wichtig, dem Publikum immer wieder neue oder lange nicht mehr gespielte Werke näherzubringen.
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