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Mutmaßliche Missstände in Wolfshagen

Harzer Altenheimprozess: Richter rät Angeklagten zum Geständnis

Auch ein TV-Team verfolgt den Prozess am Landgericht Braunschweig.

Auch ein TV-Team verfolgt den Prozess am Landgericht Braunschweig. Foto: Klengel

Mehr als 50 Verhandlungstage sind im Prozess um die Pflegeeinrichtung in Wolfshagen angesetzt. Zum Auftakt fordert der Richter die Angeklagten zur Kooperation auf.

Donnerstag, 04.06.2026, 12:28 Uhr

Braunschweig/Wolfshagen. Vor dem Landgericht Braunschweig hat heute das Mammutverfahren um mutmaßlich unhaltbare Zustände in dem Senioren- und Pflegeheim „Haus Linde“ im Langelsheimer Ortsteil Wolfshagen begonnen. Allein die Verlesung der Anklageschrift durch Staatsanwalt Londa nahm mehr als zwei Stunden in Anspruch. Im Anschluss daran riet der Vorsitzende Richter Serra de Oliveira den vier Angeklagten zu einem Geständnis. Nachdem sich die Beschuldigten und ihre Anwälte beraten hatten, erklärte das Betreiberehepaar des „Haus Linde“, dass es sich nicht äußern werde. Die Pflegekräfte werden sich einlassen, aber erst später.

Anklage: Betrug, Freiheitsberaubung und Körperverletzung

Die Staatsanwaltschaft wirft drei Angeklagten – einem ehemaligen Betreiberehepaar im Alter von 60 und 63 Jahren sowie der 52-jährigen früheren Heimleiterin – gewerbsmäßigen Bandenbetrug, gefährliche Körperverletzung, Misshandlung von Schutzbefohlenen und Freiheitsberaubung in besonders schwerem Fall vor. Der 60-jährigen damaligen Pflegedienstleiterin wird Beihilfe zur Last gelegt.

Laut Anklage wurden zwischen Oktober 2017 und September 2020 Bewohner systematisch mit sedierenden Medikamenten ruhiggestellt, um einen möglichst störungsfreien Pflegebetrieb zu gewährleisten und auf Kosten der Betroffenen hohe Gewinne zu erwirtschaften. Zudem sollen unberechtigt Bettgitter hochgestellt und besonders lauffreudige Senioren eingesperrt worden sein. Um höhere Vergütungssätze von den Pflegekassen zu erschleichen, wurden die Gesundheitszustände der Bewohner laut Ermittlern gezielt falsch dargestellt und Gutachter getäuscht.

Missstände schon länger bekannt

Hinweise auf Missstände in dem Heim gab es bereits seit Jahren, ehe im Sommer 2020 Durchsuchungen stattfanden. Im Jahr 2021 verkaufte das Ehepaar die Einrichtung. Unter einer neuen Führung und mit anderem Personal läuft der Betrieb laut Behörden heute wieder in geregelten Bahnen. Für das Verfahren vor der Strafkammer sind bis Januar 2027 mehr als 50 Verhandlungstage angesetzt.

Über die weiteren Ereignisse und Details dieses ersten Prozesstages im Braunschweiger Gerichtssaal werden wir heute Abend ausführlich berichten.

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