Ein Lehrbeispiel für den Politikunterricht an den Schulen
Die CvD-Abiturienten dürfen jetzt doch Party im neuen Schulzentrum Goldene Aue machen. Foto: Sowa
Landrat, Schulleiter und Schüler haben sich an einen Tisch gesetzt und die Kuh vom Eis geholt. Das CvD-Gymnasium darf auch im neuen Schulzentrum Goldene Aue Party machen. GZ-Redakteur Frank Heine findet, dass der Fall als Paradebeispiel taugt.
Es kreißte der Berg und gebar eine Maus: Am Ende bleibt alles so, wie es war – natürlich mit einem formalen Umweg, der in der Praxis keiner ist, um allseits das Gesicht zu wahren. Also: Ende gut, alles gut? Ein eingeschränktes Ja, wenn die Verantwortlichen auf dem Weg dorthin nicht unnötig viel Porzellan zerdeppert hätten. Da wäre vor allem der unsägliche Bezug zum Attentat in Solingen, den Landrat Dr. Alexander Saipa in seinem Video gezogen hat. Was theoretisch von Altstadtfest bis Krabbelgruppen-Party passieren kann, gehört nicht ohne konkreten Verdacht in eine Argumentation. Eine freie Gesellschaft darf sich nicht selbst Fesseln anlegen, sonst hat sie schon verloren.
Aber zurück zur abgesagten CvD-Party: Vielleicht war sie sogar wertvoll, wenn alle daraus lernen (können). Den Landrat ehrt es übrigens sehr, dass er sich hinter seine Mitarbeiter stellt und sie schützen will. Aber Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: Es tut trotzdem Not, vorher den Sachverhalt genau zu prüfen und direkte Gespräche mit Betroffenen zu suchen. Geschadet hat das noch nie.
Und nicht nur fürs CvD-Gymnasium, sondern für alle Goslarer Schulen ist der Fall ein Filetstück und Parade-Beispiel für den Politikunterricht, wie Demokratie gelebt wird. Am Ende siegt die Vernunft. Und bevor wieder alle auf die Politik schimpfen: Mit Renate Lucksch hatte anfangs direkt nach dem Verbot eine Politikerin nachgehakt, die in derselben SPD wie der Landrat ist. Es geht also nicht um Politikversagen, sondern Behördenkontrolle durch gewählte Vertreter und die (jungen) Bürger selbst. Hat funktioniert.
Frank Heine Foto: Sowa