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Einsturzgefährdet und herrenlos

GZ Plus IconAbrisspläne: Goslars bekanntester Lost Place verschwindet

Verfallenes mehrstöckiges Backsteingebäude mit zerbrochenen Fenstern und Graffiti im verschneiten Wald

Das baufällige Königsberg-Sanatorium steht seit Jahren leer und soll nun abgerissen werden. Foto: Privat

Seit Jahrzehnten verfällt das frühere Sanatorium Königsberg. Nun plant die Verwaltung Abriss und Sanierung des Geländes für rund zwei Millionen Euro.

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Von Hendrik Roß
Freitag, 20.02.2026, 04:00 Uhr

Goslar. Das Königsberg-Sanatorium ist wahrscheinlich der bekannteste Lost Place Goslars – herrenlos und lebensgefährlich. Die Gebäude sind nach Einschätzung der Stadt einsturzgefährdet. Nachdem jahrelang nichts passierte, sollen sie abgerissen und das Gelände saniert werden.

Die Verwaltung rechnet mit Kosten in Höhe von zwei Millionen Euro. Die Sanierung soll in Zusammenarbeit mit dem Landkreis erfolgen und aus Fördermitteln finanziert werden. Einen genauen Zeitplan gibt es noch nicht.

Brandstiftung, Leerstand und gescheiterte Pläne

Seit 1984 steht die ehemalige Tuberkulose-Heilanstalt leer.

Seitdem gab es mehrere Versuche einer Wiederbelebung des 50.000 Quadratmeter großen Geländes, etwa für die touristische Nutzung. Es gab auch mehrere Brände, zuletzt 2009 und 2015, die die Gebäudesubstanz vollends zerstörten.

Ein brennendes Haus hinter Bäumen und Sträuchern in der Nacht

Lichterloh schlagen im Juni 2009 die Flammen aus dem Hauptgebäude des ehemaligen Königsberg- Sanatoriums hoch droben über der Granetalsperre. Foto: Schenk (Archiv)

Die Feuerwehr musste bei dem Brand im Hauptgebäude vor fast elf Jahren sogar die Löscharbeiten wegen der Einsturzgefahr abbrechen. Der damalige Erste Stadtrat Burkhard Siebert sagte mit Blick auf die Gefahr, die von dem schrottreifen Gebäudekomplex ausging: „Perspektivisch muss etwas mit dem ganzen Gelände passieren.“

Feuerwehrmann in Schutzkleidung und Atemschutzgerät auf Leiter löscht brennende, beschädigte Hauswand mit Axt in der Hand

Zuletzt rückt die Feuerwehr 2015 zum ehemaligen Sanatorium aus. Die Löscharbeiten müssen wegen der Einsturzgefahr abgebrochen werden. Foto: Epping (Archiv)

Heute kann man rückblickend getrost von einer Langzeitperspektive sprechen. In der Zwischenzeit sind etliche Lost-Place-Fans auf dem Gelände unterwegs gewesen, wie zahlreiche Youtube-Videos belegen.

„Erst im vergangenen Jahr ist der Landkreis Goslar in der Angelegenheit auf die Stadt Goslar zugekommen und es haben sich Fördermöglichkeiten aufgetan, die dann aktiv verfolgt wurden“, erklärt Stadtsprecherin Daniela Siegl die aktuelle Lage auf dem Königsberg. Trotz permanenter Sicherungsmaßnahmen bilde das Gelände ein Sicherheitsrisiko für Mensch, Tier und Umwelt. Es befinde sich nämlich in „sensibler Lage“ in einer Schutzzone der Granetalsperre. Ein Neubau von Gebäuden an der Stelle sei deshalb ausgeschlossen.

Einsturz eines schneebedeckten Gebäudes

Viele Gebäudeteile sind heute bereits eingestürzt. Foto: Privat

Geplant ist laut Siegl, dass gesamte Gelände zu räumen und zu entsiegeln, um einen „natürlichen Zustand“ zu schaffen. Außerdem sei eine Bepflanzung des Areals angedacht.

Ein Lost Place mit langer Geschichte

Das Sanatorium Königsberg war weltweit die erste Heilstätte für sozialversicherte Lungenkranke. 1895 erwarb die Landesversicherungsanstalt Hannover das Hauptgebäude, das drei Jahre zuvor von einem Goslarer Privatmann errichtet worden war. Im Ersten Weltkrieg wurden hier lungenkranke Soldaten gepflegt.

Im Zweiten Weltkrieg wieder Lazarett wurde der Komplex 1948 gründlich renoviert und modernen Kur-Erfordernissen angepasst. Das Aus für die Lungenheilstätte kam 1971, nachdem die Zahl der Tuberkulose-Erkrankungen weltweit zurückgegangen war. Ende 1973 kaufte die Helferich-Stiftung aus Kassel den Komplex und baute ihn zum Pflege- und Rehabilitationsheim für mehrfach geschädigte Kinder und Jugendliche um. 1984 untersagte das Land den weiteren Betrieb, am 27. August verließen die letzten Kinder den Königsberg, nur zehn Tage später ließen unbekannte Brandstifter Taten sprechen.

Verwüstungen und Plünderungen

Im Mai 1992 berichtete die GZ über „unglaubliche Zustände in dem durch Verwüstungen und Plünderungen gezeichneten Komplex. 1997 kaufte ein Magdeburger Unternehmen die Immobilie. Im Juni 2009 zerstörte ein weiterer Großbrand die Gebäude. Im gleichen Jahr interessierte sich ein Investor, der Millionen in eine Ferienhaussiedlung am Steinberg investieren wollte, für das Areal. Zu einem Kauf kam es aber nicht. So schritt die Verwahrlosung des Geländes immer weiter voran. Heute ist es laut Stadt nach dem Verzicht des Eigentümers als herrenloses Grundstück deklariert.

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