Wie die großen Tourismus-Pläne am Goslarer Königsberg scheiterten
Nach mehreren Bränden und jahrzehntelangem Leerstand sind von dem Königsberg-Sanatorium nur noch Ruinen übrig. Sie sollen abgerissen werden. Foto: Privat
Vor 20 Jahren gibt es ehrgeizige Tourismuspläne für Stein- und Königsberg. Proteste, Trinkwasserschutz und Brände stoppen die Projekte. Nur eines wird am Ende Realität.
Goslar. Die Tage der Bauruine des Königsberg-Sanatoriums sind gezählt. Stadt und Landkreis wollen die Gebäudereste des Lost Places abtragen und das 50.000 Quadratmeter große Gelände renaturieren.
Einsturzgefährdet und herrenlos
Abrisspläne: Goslars bekanntester Lost Place verschwindet
Vor fast 20 Jahren tobte in Goslar noch eine ganz andere Debatte um die Zukunft von Stein- und Königsberg, die direkt nebeneinander zwischen Goslar und der Granetalsperre in die Höhe gehen.
Heftiger Streit um Hotel- und Ferienpläne
Die GZ schrieb im Dezember 2007 von der in Goslar „am meisten und sehr emotional diskutierten Frage des Jahres“. Sie lautete: Ist das Naherholungsgebiet der richtige Platz für eine Waldgaststätte, ein Hotel und eine Ferienwohnanlage? Denn genau diesen touristischen Dreiklang hatten sich drei Investoren, die Stadtspitze um Oberbürgermeister Henning Binnewies und eine politische Mehrheit aus SPD, CDU und FDP im Goslarer Rat vorgestellt, um Königs- und Winterberg wirtschaftlich zu erschließen.

Ein Lageplan des ehemaligen Sanatoriums auf dem Königsberg. Das Areal umfasst rund 50.000 Quadratmeter. Foto: GZ (Karte)
Die Pläne hatten in Goslar damals gerade bei Umwelt- und Landschaftsliebhabern ein Beben der Entrüstung ausgelöst. Die Bürgerinitiative „Hände weg vom Steinberg und Königsberg“ wurde ins Leben gerufen und sammelte mehr als 3000 Unterschriften gegen das Vorhaben.
Drei Investoren, ein großes Ziel
Für ein Viersterne-Hotel auf dem Steinberg hatte sich Multiinvestor Heiko Rataj ins Gespräch gebracht, auf dem Gelände des ehemaligen Königsberg-Sanatoriums wollte Unternehmer Wolfgang Behr aus Schwerte in Nordrhein-Westfalen eine Ferienhaus-Siedlung errichten – zwischen 50 und 90 Häuser (40 bis 80 Quadratmeter) zum Verkauf sowie weitere 12 bis 15 Häuser für die touristische Vermietung.

Eine historische Aufnahme zeigt die 1895 in Betrieb gegangene Lungenheilanstalt auf dem Königsberg. Foto: privat
Burkhard Rösner, damals schon Eigentümer des Forsthauses Königsberg, wollte eine urige Jausenstation auf dem Steinberg errichten und betreiben. Realisiert wurde am Ende nur das Rösner-Projekt: Seine Steinberg-Alm ging 2011 in Betrieb.

Die Steinberg-Alm eröffnet 2011 und bleibt das einzige touristische Projekt auf Stein- und Königsberg, das umgesetzt wird. Foto: Epping (Archiv)
Streit um Bausünden auf dem Steinberg
Zwei Jahre später gab es noch einmal Aufregung auf dem Steinberg, weil herauskam, dass sich Rösner bei seinem Besuchermagneten nicht an die Baupläne gehalten hatte. Die GZ schrieb im Juni 2013 von rund 30.000 Euro Strafzahlungen des Investors, die die Bausünden im Nachhinein heilten und einen zwischendurch angedrohten Abriss verhinderten – unumstritten war diese Übereinkunft nicht.
Großbrand und verlorene Hoffnungen
Beim Königsberg-Sanatorium, das bereits 1984 stillgelegt wurde, sorgte ein Großfeuer im Juni 2009 für Negativschlagzeilen, es war nicht der erste Brand, seit der Betrieb der ehemaligen Lungenheilanstalt eingestellt worden war.

Immer wieder brennt es im ehemaligen Sanatorium. Eines der größten Feuer zerstörte im Juni 2009 große Teile des Hauptgebäudes. Foto: Schenk (Archiv)
165 Feuerwehrleute und 30 Einsatzfahrzeuge waren im Einsatz. Der Lost Place entwickelte sich in den Jahrzehnten des Leerstands zum beliebten Treffpunkt für wilde Partys und Mutproben – inklusive idiotischer Aktionen, die zum Teil auch als Bild oder Video im Internet landeten.
Die Polizei stellte nach dem Feuer 2009 eine relativ frisch wirkende Bierflasche sicher, um sie auf Fingerabdrücke untersuchen zu lassen. Später gingen die Ermittler von Brandstiftung aus.
Investor Wolfgang Behr hielt auch nach dem Brand an seiner Ferienwohnanlage fest, im September 2009 kündigte er an, das Projekt mit einem Volumen von 32 Millionen Euro bei der Förderbank des Landes anmelden zu wollen.
Trinkwasserschutz stoppt das Feriendorf
Doch statt eines finanziellen Zuschusses aus Hannover, folgte eine Grätsche aus Hildesheim. Die Harzwasserwerke erteilten dem Tourismus-Projekt aus Gründen des Trinkwasserschutzes kurz vor Weihnachten 2009 ein endgültiges Nein. Feriendorf-Investor Behr streckte seine Fühler daraufhin in Richtung Kuttelbacher Teich in Hahnenklee aus, doch auch das blieb ohne Erfolg, wie man heute weiß. 2012 zog Behr dann endgültig einen Schlussstrich unter seine Ambitionen in Goslar. Seine Projektpartner wollten inzwischen lieber in den österreichischen Alpen investieren, sagte er zur GZ.
Übungsgelände statt Zukunftsprojekt
Während die benachbarte Steinberg-Alm also in Bau und Betrieb ging, wucherte das Ex-Sanatorium immer mehr zu und war höchstens noch für das Training von Katastrophenszenarien zu gebrauchen. 2011 übten die Rettungshundestaffeln Osterode und Hannover, Harz und Heide auf dem Gelände und wurden von einem ZDF-Fernsehteam begleitet. Die Goslarer Jugendfeuerwehren trainierten dort ein Jahr später für den Ernstfall, ebenso das Technische Hilfswerk, das Rote Kreuz, der Allgemeine Rettungsverband und die Goslarer Rettungshundestaffel.
Weitere Brände und endgültiger Verfall
Bald schon folgte auf das Training der Ernstfall. Im April 2015 brannte die Fassade des Hauptgebäudes. Die Feuerwehr musste ihren Einsatz wegen Einsturzgefahr abbrechen. Die Polizei ermittelte wieder einmal wegen Brandstiftung.
Ein Jahr später tauchte das ehemalige Sanatorium Königsberg noch einmal in der Dokumentation „Vergessen im Harz“ auf. Dann wurde es endgültig still um den Lost Place. Mittlerweile wird das Grundstück als herrenlos eingestuft. Jetzt sollen die letzten baulichen Reste der früheren Heilanstalt verschwinden. Zwei Millionen Euro Kosten sind dafür eingeplant, Landkreis und Stadt Goslar rechnen mit Fördermitteln aus Hannover.
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