Größte Holzkirche Deutschlands brennt im Juli
Deutschlands größte Holzkirche steht in der Nacht des 20. Juli an der Ostseite in Flammen. Foto: Neuendorf
Das Clausthaler Gotteshaus bleibt nach dem Feuer im Juli einige Monate geschlossen. Gegen den Tatverdächtigen ergeht Haftbefehl.
Der Schock sitzt noch immer in den Knochen der Marktkirchengemeinde: In der Nacht zum 20. Juli steht das Gotteshaus an der Ostseite in Flammen. Das Feuer hat sich vom Boden bis in den Dachstuhl gefressen. Glücklicherweise kann die Feuerwehr durch ihr schnelles und vorsichtiges Eingreifen einen noch größeren Schaden verhindern.
Die im 17. Jahrhundert errichtete Marktkirche in Clausthal-Zellerfeld gilt seit 2005 als Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung und ist Deutschlands größte Holzkirche. Das mediale Interesse an diesem Feuer ist groß. Für die Kirchengemeinde und die Pastorin Mirja Rohr ist die Zeit anfangs ein „Balanceakt zwischen Dankbarkeit und Angst“, denn die Polizei geht schnell von Brandstiftung aus.
Die Wand an der Ostseite zeigt erhebliche Schäden. Foto: Neuendorf
Wiederholte Brandstiftungen in Clausthal-Zellerfeld
Noch in der Tatnacht nehmen die Beamten einen 47-jährigen Mann in unmittelbarer Nähe des Brandortes fest. Es hätten sich aber weder Rußspuren an den Händen noch Hinweise auf Brandbeschleuniger bei ihm gefunden. Aus Mangel an Beweisen müssen sie ihn zunächst wieder entlassen. Bei dem Mann handelt es sich um einen alten Bekannten der Behörden. Er hat in der Vergangenheit bereits wegen zahlreicher Brandstiftungsdelikte eine sechsjährige Gesamtfreiheitsstrafe verbüßt und wird im Juni vom Landgericht Braunschweig zu einer weiteren (allerdings noch nicht rechtskräftigen) fünfjährigen Freiheitsstrafe verurteilt, weil er mehrere Häuser in Clausthal-Zellerfeld in Brand gesteckt haben soll.
Kantor Arno Janssen ist erleichtert über den Zustand der Orgel. Foto: Neuendorf
Tatverdächtiger wird observiert
Weil er tatverdächtig ist, die Marktkirche angezündet zu haben, laufen im Sommer Observationsmaßnahmen gegen den Beschuldigten. Ein Polizeibeamter beschattet den vorbestraften Feuerteufel. Darum kann der Polizist schnell eingreifen, als er den 47-Jährigen im September beobachtet, wie er in der Nacht die Fassade eines bewohnten Einfamilienhauses am Dorotheer Zechenhaus in anzündet. Das Amtsgericht Clausthal-Zellerfeld erlässt am nächsten Tag Haftbefehl wegen schwerer Brandstiftung.
Der Tatverdächtige steht mehrfach vor Gericht und soll für das Feuer am Dorotheer Zechenhaus verantwortlich sein. Foto: Klengel

Kurz nach dem Brand geht es zunächst um die Schadensaufnahme. Foto: Neuendorf
Gottesdienste und Konzerte fallen aus
Einige Wochen bleibt die Kirche nach dem Brand geschlossen, ein Konzert des Harz-Classix-Festivals muss genauso verschoben werden wie die regulären Gottesdienste und weitere Veranstaltungen. Die Gemeinde wartet mit der Wiedereröffnung, bis gesundheitliche Risiken durch Rußablagerungen ausgeschlossen sind. Ende September gibt ein Chemiker grünes Licht. Für Menschen, die sich aufgrund des leichten Rauchgeruchs unwohl fühlen, stehen Masken bereit. Den ersten regulären Gottesdienst nach dem Brand gibt es Anfang Oktober. Welches Datum könnte auch besser passen als Erntedankfest? Die Gemeinde bedankt sich mit lautem Applaus bei den anwesenden Feuerwehrleuten.
Die Feuerwehr ist beim ersten Gottesdienst nach dem Brand dabei. Foto: Neuendorf
Sorge um die wertvolle Orgel
Nach dem Kirchenbrand ist die Sorge groß, dass die wertvolle Goll-Orgel durch Löschmittel oder Ruß Schaden genommen haben könnte. Gutachter geben aber relativ schnell Entwarnung: Ins Innere des 2,6 Millionen Euro teuren Instruments ist keine Feuchtigkeit eingedrungen, nur einige Spritzer hat das Gehäuse von außen abbekommen. Wie hoch aber der Schaden insgesamt ist, lässt sich noch nicht sagen. Fest steht jedoch, dass die Versicherung bezahlt.
Ein Teil des Holzes für die Reparatur stammt aus dem Oberharzer Wald. Foto: Neuendorf
Die Reparatur der betroffenen Fassade fängt im Herbst an. Das Material für die Arbeiten an der Kirche kommt dabei zum Teil auch aus dem Oberharzer Wald. Das Forstamt Clausthal bereitet aus dem Stadtwald rund 40 Fichtenstämme für die Ernte vor. Die rund 100-jährigen Fichten haben ihr Zielalter erreicht. Die Ernte dieser Bäume schafft Platz für nachwachsende Laubbäume. Die notwendige Auslese dient also auch der Jungwaldpflege und stärkt die verbleibenden Bäume im Stadtwald.
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Im Herbst beginnt die Sanierung der Clausthaler Marktkirche. Foto: Neuendorf