Landkreis erlaubt massive Rodung, Umweltschützer sind empört
Nur noch eine Wüste: Acht Hektar Bewuchs sind radikal zerstört worden. Foto: Schlegel
Im Kalten Feld bei Harlingerode sind acht Hektar Bewuchs gerodet worden. Umweltschützer sind empört. Wer ist verantwortlich? Und warum hat der Landkreis das genehmigt?
Harlingerode. Die Umweltverbände BUND und Nabu sind auf den Barrikaden: Sie prangern eine „radikale Gebüsch-Rodung“ im Kalten Feld bei Harlingerode an. Acht Hektar seien dort niedergemäht worden. War das genehmigt, und wenn ja, von wem? Das fragen Annett Jerke vom Nabu und Dr. Friedhart Knolle (BUND) in einer Pressemitteilung. Die GZ hat die Antwort vom Landkreis, und der sagt: Ja, die Rodung sei in diesem Umfang genehmigt. Und das macht die Umweltverbände erst recht wütend.
Eigentümer: Papenburg AG
Das Gelände befindet sich direkt neben dem Kiesabbaugebiet an der Immeröder Straße und wird im Norden durch die Bahnlinie und die Halberstädter Straße (Oker/Vienenburg) begrenzt. Es gehört übrigens nicht zur Industriepark und Verwertungszentrum Harz GmbH (IVH), sondern zur Günter Papenburg AG. Papenburg betreibt bereits den Kiesabbau nebenan. Zudem gehört auch die Electrocycling ins Portfolio. Dennoch war kurz nach Bekanntwerden der Rodungen die IVH in den Fokus der kritischen Öffentlichkeit geraten. Zu Unrecht.
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Wichtig für Emissionsschutz
Vor einigen Tagen war auf einer Fläche von rund acht Hektar sämtlicher Grünbewuchs abgeholzt worden. Das entsetzt sowohl BUND-Mann Knolle als auch Annett Jerke vom Nabu. Denn „so eine großflächige, zusammenhängende, ungestörte, gebüschbestandene Fläche gibt es dort unseres Wissens sonst nicht.“ Die Umweltverbände hätten immer wieder auf die Bedeutung jeder Begrünung im Kalten Feld hingewiesen: „Diese Pflanzen wirken hier emissionsmindernd und binden Schadstoffe vor Ort.“ In zahlreichen Behördenterminen sei das immer wieder bestätigt worden. „Und nun finden wir eine solche riesige Lücke im Grüngürtel der dortigen Industrie.“Rodung am Hansaweg
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Der Kiesabbau an der Immenröder Straße ist bald erschöpft und soll auf die neue Fläche verlagert werden. Foto: Exner
Genehmigungsbehörde sowohl für den Kiesabbau als auch für die Rodung ist der Landkreis Goslar. Und der brauchte drei Tage, die GZ-Anfrage wie folgt zu beantworten:
1. Ist der Kiesabbau seitens des Landkreises genehmigt?
„Ja, der Kiesabbau wurde am 20. Dezember 2025 genehmigt.“
2. Ist das Abholzen seitens des Landkreises genehmigt?
„Ja, das ist zwangsläufig erforderlich für den weiteren Kiesabbau.“
3. Ist das kommuniziert worden?
„Nein, rechtlich nicht erforderlich.“
4. Ist das Abholzen in diesem Umfang (acht Hektar, also wohl die komplette Fläche) vom Landkreis genehmigt worden?
„Ja.“
Wie die Genehmigung im Detail ausgestaltet ist und welche Auflagen sie enthält, ist bislang nicht öffentlich zugänglich.
Transparenz wird gefordert
Aber das sind Antworten, die Knolle und Jerke nur sehr bedingt zufriedenstellen. Ihre Kritik: „Im Rahmen der vom Umweltministerium veranlassten Runde von Expertengesprächen, an den wir jahrelang mit allen zuständigen Behörden und Kommunen zusammensaßen, wurde im Konsens und im Beisein des Landrats Dr. Saipa beschlossen, dass das Kalte Feld rund um die emissionsintensiven Betriebe mehr und nicht weniger Immissionsschutzpflanzungen benötigt und alle Beteiligten dabei transparent zusammenarbeiten.“ Was sei so eine Verabredung wert, wenn sich der Landkreis nicht daran halte und den Vorgang auch nicht offen kommuniziere, sondern intransparent arbeite? Nun würden alle einfach vor vollendete Tatsachen gestellt und erfahren das auch erst noch über Bürgerhinweise und nicht von der Verwaltung selbst.
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Auch auf der ganzen Fläche? Bei dem Bewuchs habe es sich doch auch nur um Buschwerk gehandelt, „das war nichts Wertvolles“. Das Gelände sukzessive abzuholzen, bringe nichts, die großen Geräte zum Kiesabbau brauchen Platz. Ersatzmaßnahmen seien vorgesehen, auch vor Ort. Überdies werde der Kies als Rohstoff gebraucht, das bisherige Abbaugebiet sei bald erschöpft. Und eins dürfe man bei der ganzen Diskussion auch nicht vergessen: „Wir sind der beste Steuerzahler in Bad Harzburg.“
Knolle will Akteneinsicht
Für Friedhart Knolle und Annett Jerke ist die Sache damit aber noch lange nicht abgeschlossen. Knolle kündigt an, die Genehmigungsunterlagen einzusehen und kritisch zu prüfen.
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