Goslarer Kunstpreis geht an eine Widerständische
Als Akteurin der alternativen Kunstszene in Erfurt kreierte Stötzer Räume des Widerstands und schuf eine Gegenöffentlichkeit. Ihre Arbeiten sind oftmals körperlich; diese stammt aus der Performance „Abwicklung“ von 1983. Foto: Stötzer
Goslars künftige Kaiserringträgerin heißt Gabriele Stötzer und stammt aus Thüringen. Die 72-Jährige ist eine politische Künstlerin, die viel mit Körperlichkeit ausdrückt.
Goslar. Überraschung: Der 51. Kaiserring der Stadt Goslar geht erneut an eine Frau. Wer dachte, es hätte sich die Abwechslung als Automatismus eingeschlichen, wird mit der Wahl von Gabriele Stötzer eines Besseren belehrt – und das passt inhaltlich gleich gut zum Werk der Feministin. Ein Wort, das für die in der DDR sozialisierte Frau ein Fremdwort geblieben ist. Für die Inhalte allerdings steht sie mit Haut und Haar – Ganzkörpereinsatz in der Kunst.
Beim ersten Blick auf die Künstlerin, die Goslar von der Kaiserringjury beschert wird, fällt allerdings zuallererst die Persönlichkeit von Gabriele Stötzer ins Gewicht. Ihre Vita, ihre Überzeugungen, die große Kraft einer Unbeugsamen, die in der DDR groß geworden ist, mit ihr wachsen, sie gestalten und verändern wollte. Dafür setzte sie alles aufs Spiel, bevor sie im Frauenknast desillusioniert wurde: Karriere, körperliche Unversehrtheit, ihre Freiheit. Nicht, weil sie es so wollte, sondern weil sie in bester Luther-Tradition gar nicht anders konnte – das wird in den Interviews und Podcasts mit der 72-Jährigen deutlich, die angesichts zahlreicher Veröffentlichungen und Ausstellungen in jüngster Zeit gerade auf dem Zenit ihrer Popularität angekommen zu sein scheint. Der Kaiserring setzt dem am 10. Oktober 2026 in Goslar die Krone auf.
Die Künstlerin Gabriele Stötzer. Sie ist Preisträgerin des Pauli-Preises 2024 der Kunsthalle Bremen. Foto: picture alliance/dpa/Kunsthalle Bremen
Sie drückt sich vielfältig aus
Und die Kunst? Auf sie fällt angesichts dieser besonderen Biografie erst der zweite Blick – zumal Stötzers erste Ambitionen, sich mitzuteilen, literarischer Natur waren. Sie schrieb und veröffentlichte mehrere Bücher.
Gabriele Stötzer bedient sich auch des Postkartenformats, um Menschen zu adressieren. Hier die Postkarte „Bleiben“ aus dem Jahr 1983. Foto: Stötzer
Im Mittelpunkt der Körper
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2024 waren Stötzers Arbeiten außerdem im Kunsthaus Erfurt zu sehen („Auslöschung eines Blicks. Ich trage meine Wunden offen“), davor meist in Galerien in Wien, Bonn, Berlin, Leipzig und Warschau. „Mit Hand & Fuss, Haut & Haar“ hieß ihre erste Ausstellung in der Schweiz, die 2025 im Muzeum Susch hauptsächlich fotografische Arbeiten aus den frühen 1980er Jahren zeigte, die den Körper „als Schauplatz intuitiven Protests und/oder der radikalen Transformation“ zeigten, währen hervorgehobene Körperteile als „Symbole von Handlungsfähigkeit, Verletzlichkeit und Verbundenheit erscheinen“, schrieb Kurator Daniel Blochwitz: „Ihre Bilder, die aus einer Verbindung von persönlicher Entbehrung, kollektivem Engagement, weiblicher Solidarität und poltitischem Widerstand entstanden sind, stellen lineare Lesarten der Kunstgeschichte infrage und bereichern den feministischen Diskurs.“
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