Zähl Pixel
Auszeichnung im Oberharz

GZ Plus IconNeugier und Erfindergeist: Die besten Talente bei „Jugend forscht“

Gruppenfoto von zwölf Nachwuchsforschern mit ihren "Jugend Forscht"-Urkunden

Zwölf Nachwuchstalente schaffen es in den Bundeswettbewerb. Foto: Neuendorf

An der TU Clausthal fand der Landeswettbewerb von „Jugend forscht“ 2026 statt. Welche Probleme die Nachwuchsforscher lösen möchten.

author
Von Friederike Julia Müller
Freitag, 20.03.2026, 04:00 Uhr

Clausthal-Zellerfeld. In der Aula Academica herrscht eine lebhafte Atmosphäre. Hier stellen 57 junge Menschen ihre Forschungsprojekte für den Landeswettbewerb vor. Bei „Jugend forscht“ treten sie in sieben Fachgebieten an: Biologie, Chemie, Geo- und Raumwissenschaften, Mathematik und Informatik, Physik und Technik. Auf den Emporen stehen weitere Tische, alles individuell gestaltet von den Nachwuchswissenschaftlern. 38 Projekte finden hier ihren Platz.

Spender-Organe als wichtiges Thema

Jamila Cate Tran an ihrem Stand, mit Infografiken und Modellen von Organen.

Jamila Cate Tran ging einer Forschungslücke bei SGLT-2-Hemmern auf den Grund. Foto: Müller

Ein Projekt mit dem Ziel, Leben zu retten, hat Jamila Cate Tran von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) umgesetzt. Die 19-Jährige setzte sich mit SGLT-2-Hemmern, einem Diabetes-Medikament, auseinander und damit, wie sie Nieren- und Herz-Kreislauf-Ereignisse nach einer Transplantation beeinflussen. „Antidiabetika wie SGLT-2-Hemmer senken normalerweise den Blutzuckerspiegel“, erklärt sie. „Aber später haben mehrere Studien gezeigt, dass sie auch Herz und Niere schützen, unabhängig vom Diabetes-Status. Weltweit gibt es dazu noch keine Studie, deswegen wollte ich mir das anschauen.“ Dafür analysierte sie Behandlungsdaten nach Gruppen und berechnete Ereignisraten über fünf Jahre. Mit positiven Ergebnissen bei den Nieren: „Sie haben seltener versagt und es gab weniger Dialyse- und Todesfälle bei den Patienten mit Spenderorgan.“ Beim Herzen zeigte sich kein konstanter Vorteil. Besonders bei Patienten ab 60 Jahren habe das Medikament den stärksten Effekt auf die Sterblichkeit, „obwohl das eigentlich widersprüchlich ist zu den bisherigen Zulassungen“, sagt Jamila. Bei weiteren Forschungen möchte sie genau dort ansetzen und sich weitere Untergruppen anschauen. Sie weiß es noch nicht, aber in der Siegerehrung später belegt sie den ersten Platz in der Biologie. Damit qualifiziert sie sich für den Bundeswettbewerb und darf noch einmal an ihrem Projekt feilen. Die 250 Euro Preisgeld möchte sie in ihr Studium investieren.
Jonas Knaup und Ben Schüler an ihrem Stand mit Infografiken.

Jonas (l.) Knaup und Ben Schüler forschen an künstlichen Organen. Foto: Müller

Ebenfalls auf dem ersten Biologie-Platz landen Ben Schüler und Jonas Knaup. Sie kommen auch von der MHH und forschten an der Herstellung künstlicher Organe aus tierischen Proben. Das Problem, wie der 19-jährige Ben erklärt, ist, dass menschliche Immunsysteme Spenderorgane abstoßen. Die Person mit Spenderorgan nimmt dafür Immunsuppressiva. Die wirken allerdings „wie Chemotherapie light“, sagt er. Sie verhindern die Abwehr des fremden Organs, aber auch die Abwehr von Krankheitserregern. Man überlebt mit dem neuen Organ, „ist aber viel anfälliger für Infektionen“. Mit der „Silencing“-Methode könne man das Organ am Immunsystem vorbeischmuggeln. Versuchsobjekt für die Nachwuchsforscher war eine Rattenleber. „Wir regulieren die Ausbildung des Oberflächenproteins dieser Zellen herunter. Dafür mussten wir kleine Partikel vom Gewebe entnehmen und genetisch manipulieren.“ Geht ihre Idee auf, könne das mehr Unabhängigkeit von menschlichen Spenderorganen schaffen. Denn „die Wartelisten sind lang“.

Wie Künstliche Intelligenz täuschen kann

Projekte aus Hannover und Göttingen sind in diesem Jahr besonders stark vertreten. Laut dem Landeswettbewerbsleiter Dr. Daniel Osterwald sei das Zufall. 2026 schaffte es kein Projekt aus dem Landkreis in den Landeswettbewerb. Unabhängig vom Ort spricht er in der Pressekonferenz positiv von der Neugier und dem Erfindergeist der Jugendlichen, denn am Ende zähle die intrinsische Motivation. Und die ist groß, denn „Wir haben dieses Jahr rund 20 Prozent mehr Neuanmeldungen“, sagt er. „Das ist ein großer Erfolg.“ Gesundheitliche Themen gibt es jedes Jahr, teilweise wegen „familiärer Hintergründe der Teilnehmer“. In den vergangenen Jahren nahm auch das Thema Künstliche Intelligenz (KI) einen größeren Stellenwert ein. Das zeigt sich bei einem Projekt von Elena Reinhold und Fiona Feike, Schülerinnen am Eichsfeld-Gymnasium Duderstadt.

Fiona Feike (l.) und Elena Reinhold an ihrem Stand, mit Infografiken.

Fiona Feike (l.) und Elena Reinhold untersuchen, wie gut junge Menschen KI-Texte erkennen. Foto: Müller

Für die Kategorie „Arbeitswelt“ stellen sie ein Thema für Journalismus-Begeisterte vor. Gemeinsam untersuchten sie, wie gut Menschen zwischen echten Nachrichten, KI-generierten Texten und Fake News unterscheiden können. „Wir haben zwei Texte pro Kategorie erstellt: echte Artikel, von einer KI geschriebene, und absichtlich manipulierte Texte mit Falschinformationen, die auch KI-generiert sind“, so die 18-jährige Elena. „Wir haben die Texte den Siebt- bis Zwölftklässlern an unserer Schule gegeben.“ Dass KI nur in etwa einem Drittel korrekt erkannt wurde, ist für beide besorgniserregend. Ein Grund könne sein, dass junge Menschen Nachrichten vor allem über Social Media bekommen. Auch das untersuchten sie in ihrem Projekt. Auf den gängigen Plattformen gebe es noch nicht ausreichende und einheitliche Regeln für die Kennzeichnung von KI.

Ihre Forderung ist konkret: „Es braucht Verifizierungsmechanismen, zum Beispiel so etwas wie einen blauen Haken, den es ja schon bei Personen gibt.“ Beide wünschen sich, dass Medienkompetenz stärker in den Unterricht integriert wird, besonders mit Blick auf Social Media und KI. Elena Reinhold und Fiona Feike belegen „nur“ den zweiten Platz in ihrer Kategorie, nehmen aber auch zwei Sonderpreise mit.

Weiterentwicklung für den 3D-Druck

Später im Kuppelsaal wird die Atmosphäre stiller und gespannter. Während die Nachwuchsforscher für ihre Siegerehrung vorne sitzen, stärken ihre Familien ihnen den Rücken. Bevor sie nach Kategorien aufgerufen und geehrt werden, tritt die Bürgermeisterin Petra Emmerich-Kopatsch ans Rednerpult. Sie lobt das Engagement der Jugendlichen. Sie widerlegen „jedes Vorurteil, das es gegen diese Generation gibt“.

Volle Sitzreihen im Kuppelsaal bei der Siegerehrung.

Zur Siegerehrung wird es voll im Kuppelsaal. Foto: Neuendorf

Alle Landessieger von „Jugend forscht“

  • Arbeitswelt: Götz Anft (18), Gymnasium am Kattenberge, Buchholz (Landkreis Harburg)
  • Biologie: Ben Schüler, Jonas Knaup und Jamila-Cate Tran (alle 19), Medizinische Hochschule Hannover
  • Chemie: Paula Schoe (18), Gymnasium Marianum, Meppen (Landkreis Emsland)
  • Geo- und Raumwissenschaften: Joris Parthier und Karl Parthier (beide 18), Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasium, Hannover
  • Mathematik/Informatik: Erasmus von Platen (18), Gymnasium Schillerschule, Hannover
  • Physik: Dominik Kultys (16) und Oleksandra Kompanets (19), Hoffmann-von-Fallersleben-Schule, Braunschweig
  • Technik: Claudia Gaida (16), Gymnasium Schillerschule, Hannover
  • Bestes interdisziplinäres Projekt: Jakob Leisering (19), Theodor-Heuss-Gymnasium, Göttingen

Nach und nach nehmen die Nachwuchsforscher ihre Preise entgegen. Sie lächeln schüchtern, manche wirken erleichtert, und sie wollen weiterforschen. Auch Landeswettbewerbsleiter Dr. Daniel Osterwald ergreift noch einmal das Wort: „Viele von euch haben das neben dem Abitur gemacht, einer sowieso schon stressigen Zeit. Und das ist nicht selbstverständlich.“

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Themen aus der Region