Zähl Pixel
Hornburgs Geschichte

Hopfenspeicher soll zum Ort für Geschichte und Kultur werden

Fachwerkhaus mit rot-weißem Fachwerk und mehreren Fenstern unter einem spitz zulaufenden Dach

Der Hopfenspeicher ist saniert und das Ziel ist es, ihn wieder mit Leben zu füllen. Foto: Gereke

Der sanierte Hopfenspeicher in Hornburg soll künftig Ausstellungen, Lesungen und Vorträge beherbergen. Dafür wird derzeit auch die Geschichte des Hauses erforscht.

Von Redaktion 19.10.2026, 16:00 Uhr
Der vor kurzem sanierte Hopfenspeicher an der Dammstraße in Hornburg soll wieder mit Leben erfüllt werden. „Wir denken an Ausstellungen, Lesungen und Vorträge“, sagt Andreas Memmert, stellvertretender Vorsitzender des Kulturvereins Hornburg. Derzeit arbeitet der ehemalige Stadtdirektor Hornburgs gemeinsam mit Stadtarchivarin Dr. Sibylle Heise und Historikerin Stephanie Memmert an der Geschichte des Hopfenspeichers, die in einer Ausstellung dokumentiert werden könnte.

Gebaut hat das Haus damals Zimmermeister Heinrich Duensing. Sein Name steht am Nordgiebel geschrieben. Wer die Inschrift der Fachwerkbalken aufmerksam liest, erfährt auch, wem das Gebäude damals gehörte: Eigentümer waren Leopold Schomburg, ein fürstlicher Forstschreiber im Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, und seine Ehefrau Dorothea Elisabetha Ahlburg, die Tochter des Hornburger Amtmannes Johann Ahlburg.

Recherchen in der Landeskirche

Erst in der vergangenen Woche waren Andreas und Stephanie Memmert sowie Dr. Sibylle Heise zu Gast im Landeskirchlichen Archiv der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Wolfenbüttel, um Einblicke in die Geschichte der Familie Schomburg zu gewinnen. Das Landeskirchliche Archiv verwaltet unter anderem die Kirchenbücher braunschweigischer Kirchengemeinden. Landeskirchenarchivrätin Birgit Hoffmann, die das landeskirchliche Archiv Wolfenbüttel leitet, stellte die Hornburger Kirchenbücher aus dem 17. und 18. Jahrhundert zur Verfügung.
Zwei ältere Personen betrachten ein aufgeschlagenes, altes Buch auf einem Tisch in einem hellen Raum mit blauen Vorhängen

Dr. Sibylle Heise und Andreas Memmert forschten in den Hornburger Kirchenbüchern des 17. und 18. Jahrhunderts. Foto: Privat

„Die Handschriften zu lesen, ist nicht einfach und man muss sich schon ein bisschen einlesen“, meint Heise. Stephanie Memmert, die während ihres Geschichtsstudiums an der TU Braunschweig auch ein Handschriftenseminar belegt hatte, kann das nur bestätigen: „Bei der Schrift, die wir in den Kirchenbüchern lesen, handelt es sich um die Kurrentschrift. Im späten 17. Jahrhundert zeichnete sie sich durch sehr spitze, eng geschriebene und stark geneigte Buchstaben aus. Sie sieht oft aus wie ein gleichmäßiges Muster mit vielen Zacken und Schleifen.“ „Für mich sieht sie auch ein wenig wie Sütterlin aus. So schrieb meine Großmutter“, erinnert sich Andreas Memmert. Und in der Tat, die Sütterlinschrift ist eine moderne Variante der deutschen Kurrentschrift. Allerdings mussten noch gut 200 Jahre vergehen, bevor der Grafiker Ludwig Sütterlin seine Schrift im Jahr 1911 entwickelte. Übrigens im Auftrag des preußischen Kulturministeriums als optische Orientierung und Vorlage für das erste Schreibenlernen von Schulkindern.

Ideen für Ausstellungen

Doch zurück zu Familie Schomburg: Nach stundenlangem Wälzen der Kirchenbücher konnten einzelne Angaben zur Familie überprüft und ergänzt werden; mehrere Datierungen und familiäre Zuordnungen bleiben offen. Der Forstschreiber und Oberförster Leopold Schomburg lebte von 1641 bis 1709. Er stand im Dienst der blankenburgischen und braunschweigischen Forstverwaltung. Bekannt geworden ist er vor allem durch sein historisches, illustriertes Werk „dictionarium forestale“, das er in seinen späteren Lebensjahren verfasste. „In einer Ausstellung im Hopfenspeicher könnten wir zum Beispiel einen Teil der faszinierenden Zeichnungen der Bäume und der Gegenstände zeigen, die aus dem jeweiligen Holz der Bäume hergestellt werden können“, sagt Andreas Memmert.

Sibylle Heise erforscht derzeit die Lebenswege der Kinder Schomburgs.

Zu ihnen zählt auch Catharina Elisabeth Schomburg, die 1666 geboren wurde und bereits 1668, noch vor ihrem zweiten Geburtstag, verstarb. Die Inschrift und die Darstellung der kunstvoll gestalteten, barocken Grabplatte, die sich in der Hornburger Kirche Beatae Mariae Virginis befindet, spiegeln die Trauerkultur der damaligen Zeit wider: Sie zeigen, wie schwer der Verlust der kleinen Tochter die Familie traf. Zugleich dokumentiert die große Sandsteinplatte den Wohlstand der Schomburgs.

„Auch hier haben wir Anknüpfungspunkte für eine mögliche Ausstellung“, sagt Andreas Memmert. Bereits in der Vergangenheit hatte es Ausstellungen im sanierten Hopfenspeicher gegeben. Dazu zählten „Der Weg der Restaurierung“, die die Sanierung des Gebäudes 2022 dokumentierte und „Hornburg bei Nacht“, Bilder des inzwischen verstorbenen Berliner Fotografen Detlef Bluhm.

Die Redaktion empfiehlt
Diskutieren Sie mit!