So tickt der neue Direktor des Goslarer CvD-Gymnasiums
Der Mann im CvD-Direktoren-Büro: Holger Ritzke sitzt an gleich zwei Schreibtischen, die seine Vorstellung von Kontinuität und Wandel perfekt symbolisieren. Foto: Heine
Er spielt E-Bass in einer Rockband, hat vom Kampfsport zum Boule gewechselt und sich einen uralten Schreibtisch ins Büro gestellt: Holger Ritzke ist neuer CvD-Direktor.
Goslar. Der Anruf überraschte ihn Ende November. Eine ältere Frau aus Hildesheim war am Apparat und machte Holger Ritzke ein verlockendes Angebot. Wenn der Langelsheimer denn jetzt neuer Direktor am Goslarer CvD-Gymnasium wird: Hat er eventuell Interesse an einem Schreibtisch, der schon zu Zeiten in den Räumen der CvD-Macht gestanden hat, als die Bildungsanstalt noch eine reine Mädchenschule war?
Langelsheimer fest an der Spitze
Bestätigt: Holger Ritzke wird Direktor am Goslarer CvD-Gymnasium
Nun sind diese Zeiten schon mehr als ein halbes Jahrhundert her, und Ritzke war, als der Anruf kam, noch gar nicht offiziell Direktor, sondern nur kommissarischer Schulleiter im Bewerbungsverfahren. Aber trotzdem: Die Idee hatte was. Ritzke ließ sich vorsichtshalber ein Foto schicken und rückte schließlich zwischen Weihnachten und Silvester in der Domstadt an, um das gute Stück abzuholen. „Es war natürlich Altbau ganz oben“, erzählt der 49-jährige Sport- und Biologielehrer und schmunzelt. Machte aber nichts: Das sperrige Schmuckstück fand trotzdem den Weg nach Goslar und steht jetzt passgenau an eine moderne Tischvariante angedockt in einem Gebäude, in dem das CvD-Gymnasium auch erst seit anderthalb Jahren eine neue Heimat gefunden hat. Erprobtes bewahren, neuen Ideen gegenüber aufgeschlossen sein, irgendwo in der Mitte zwischen Kontinuität und Aufbruch: Was drückt besser aus, was Ritzke als Maxime für seine Chefrolle sieht?

Der Mann am Bass mit St-Pauli-Outfit: Seit seiner Studienzeit spielt Ritzke in einer Rockband – laut, regelmäßig und stets mit vollem Einsatz. Foto: Privat
In Seesen fängt alles an
Er selbst steht für Kontinuität. Schließlich ist er schon seit 2013 an der Schule. Ritzke kam vom Seesener Jacobson-Gymnasium als neuer Oberstufenleiter nach Goslar. Seesen – das ist nicht nur sein Geburtsort, sondern war bis dato auch seine schulische Heimat. Hier hatte er 1997 sein Abitur gemacht, nach sechs Jahren Studium in Hannover auch sein Referendariat absolviert und als Lehrkraft angefangen. Aber sollte das schon alles gewesen sein? Nein. Der Mann, dessen Vater Wolfgang Ritzke lange an der BBS in Seesen und nebenan in Goslar Lehrer war und sich als Pensionär an der Adolf-Grimme-Gesamtschule beim Holzbootbau mit Schülern engagiert, hatte nach einer relativ konfliktbeladenen Pubertät zunächst „nicht unbedingt die Absicht, Pauker zu werden“. Irgendwann merkte er aber doch: „Schule ist ein Ort, der richtig cool sein kann.“ Und den wollte er jetzt nicht mehr nur teilen, sondern gestalten.
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Die erste Zeit in Goslar mag dies nicht leicht gefallen sein. Ritzke kam in einer Phase, als die Schule gerade in schwerer See unterwegs war. Er selbst formuliert das diplomatischer. „Jede Schule tickt anders, ist und hat ein eigenes System.“ Aber Ritzke steht eben auch für Wandel, für Aufgeschlossenheit und für Kreativität – alles mit Blick auf die Interessen von Schülerinnen und Schülern. Und gemeinsam mit einem CvD-Kollegium, das nicht erst seit gestern als diskussionsfreudig und meinungsstark gilt. Der verheiratete Vater von drei Kindern setzt erneut sein Lächeln auf, als er seinen neuen Job beschreibt: „90 Prozent des Tages besteht aus Reden – mit Eltern, mit Schülern, mit Kollegen, mit der Schulbehörde, mit dem Schulträger.“ Genau darin sieht er aber auch eine seiner großen Stärken: „Ich glaube, ich kann gut zuhören und mir auch kontroverse Meinungen anhören.“ Kritik ist etwas, was nicht negativ sein muss, sondern Dinge nach vorn bringen kann. „Ich habe keine Angst vor Veränderungen und treffe am Ende auch Entscheidungen.“ Die müssen nicht jedem gefallen, aber sie sollten für alle transparent sein.
Ungeduld, Tee-Tassen und KI im Unterricht
Und seine Schwächen? „Meine Frau sagt, ich bin manchmal zu ungeduldig.“ Sie kennt den Mann zweifellos am besten, der ganz entspannt Tee aus einer Tasse trinkt, die die Aufschrift „Kleine Pause“ ziert. Ob für die großen (zu) wenig Zeit bleibt? Bei einer Unterrichtsversorgung von 93 Prozent und neuen Herausforderungen wie der Oberstufen-Reform ist jede Menge zu tun. Ritzke weiß das, sieht aber in allem Neuen zuerst einmal die Chance und nicht das Problem. Künstliche Intelligenz? Kein Teufelszeug, sondern ein „cooles Tool“, das aber sinnvoll eingesetzt werden will und sicherlich auch den Unterrichtsstil verändern wird. Verteufeln – wem hilft das?
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PERSONELLES ZUM RATSGYMNASIUM
Die Bewerbungsfrist ist abgelaufen. Zum Sachstand macht die Schulbehörde (noch) keine Angaben. Es bleibt aber dabei: Für die Nachfolge des nach Wolfenbüttel abgewanderten Michael Kwasniok, der dort seit dem 1. Februar Direktor der Großen Schule ist, liegt nach nicht offiziell bestätigten GZ-Informationen genau eine Bewerbung vor – und zwar eine hausinterne.
Demnach will Mareike Antrick-Wadsack Stellvertreterin der neuen Direktorin Dr. Silke Köstler-Holste am Ratsgymnasium werden. Die Goslarein ist im Sommer 2023 als Nachfolgerin von Sylke Besser ans Ratsgymnasium gekommen und dort für den Stunden- und Vertretungsplan zuständig. Die Lehrerin für Mathematik und Religion war vorher am Seesener Jacobson-Gymnasium tätig, zu dem Besser ein halbes Jahr vorher als neue Vize gewechselt war.
„Wir können zu laufenden Verfahren leider keine Auskünfte geben“, erklärt Philipp Schmidt als Vize-Pressesprecher der Regionalen Landesämter für Schule und Bildung und bittet um Verständnis. Die Stelle soll aber möglichst schon zum 1. August wiederbesetzt werden. In der Leitung des Ratsgymnasiums sitzen außerdem Mario Stieglitz als Oberstufenkoordinator und Andreas Sachtleben als Koordinator. fh
Handball, Kampfsport und Boule
Und genau wie der Sport. Als Handballer bei der HSG Langelsheim/Astfeld hörte der Hüne irgendwann auf und wandte sich dem „weniger verletzungsintensiven Kampfsport“ zu. Auf Jiu Jitsu folgte schließlich Boule – nein, eben „keine Altherrensportart“, sondern irgendwie auch eine Erfüllung für Ritzke, die er als Trainer mit Lizenz im Verein betreibt und auch gern an der Schule umsetzen möchte. Spätestens, wenn personell wieder mehr Luft und Zeit ist. Akuell fehlt schließlich in der Schulleitung weiterhin eine Kraft, weil der Stellvertreter zum Direktor aufgerückt ist. Die Stelle soll, so erklärt Schulbehörden-Sprecher Philipp Schmidt, im März im Schulverwaltungsblatt ausgeschrieben werden. Das ist ruckzuck und nicht unbedingt der Normalfall, Mal sehen, wer am Ende im August an welchem CvD-Schreibtisch sitzt.
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