„Harter Brocken“ wird zum Quotensieger: Der Harz fiebert live mit
Der Saal im Kurhaus ist gut gefüllt, wenn der beliebte Harz-Krimi mit dem Polizisten Frank Koops über die Leinwand flimmert. Foto: ARD Degeto Film/Schulz, Schlegel
St. Andreasberg fiebert beim neuen „Harten Brocken“ mit: Beim Public Viewing erleben Einheimische und Gäste von weither den Krimi direkt dort, wo er gedreht wurde.
St. Andreasberg. Die Premiere des neunten „Harter Brocken“-Krimis „Die Erpressung“ am ersten Weihnachtsfeiertag macht St. Andreasberg zum Mittelpunkt für Krimifans. Zahlreiche Zuschauerinnen und Zuschauer nutzen das Public Viewing im Kurhaussaal, um den neuen Film an dem Ort zu erleben, wo er gedreht wurde.
Andreas Schröder vom Bergstadtverein ist der Herr der Technik. Er möchte selbst gern einmal als Komparse beim „Harten Brocken“ mitspielen. Foto: Schlegel
Was zunächst als vorsichtiger Versuch beginnt, entwickelt schnell eine eigene Dynamik. Der Bergstadtverein um Vorsitzenden Andreas Schröder bittet im Vorfeld um Anmeldungen, unsicher, ob an Weihnachten überhaupt Interesse an einem Public Viewing besteht. Die Zahl 50 gilt als Marke und ist rasch erreicht. Am Ende trudeln bis Heiligabend 147 Anmeldungen ein – zu viele für den eigentlichen Kinosaal. Also zieht die Veranstaltung kurzerhand in den größeren Saal um, 200 Stühle werden aufgestellt. Kurz vor Filmbeginn müssen weitere dazugestellt werden. Viele kommen spontan. Das Kurhaus ist voll.
Krimi ist nicht nur im Harz beliebt
Im Publikum sitzen nicht nur St. Andreasberger. Der Krimi, der im Herbst 2023 unter anderem in St. Andreasberg, Sorge, Elend und Wernigerode gedreht wurde, zieht Kreise. Gäste aus Lüneburg, Northeim oder Soltau nehmen weite Wege auf sich, um den Film direkt im Harz zu sehen.

Die St. Andreasberger freuen sich, ihren liebsten Dorfsheriff Frank Koops auf der Leinwand im Kurhaus zu sehen. Foto: Schlegel
Diese Nähe zum Drehort spüren auch jene, die selbst Teil der Produktion waren. Evelyn Werner aus St. Andreasberg hat beispielsweise als Komparsin mitgemacht und erinnert sich an ihren Drehtag in der Brockenbahn. Stundenlang fährt der Zug hin und her, es gibt präzise Anweisungen, viel Warten – bis es schließlich schnell gehen muss: aussteigen, nach links aus dem Bild gehen und bloß nicht in die Kamera schauen. Im fertigen Film ist Evelyn Werner nur kurz von hinten zu sehen. Für sie zählt dennoch das Gefühl, dabei gewesen zu sein. Die vertrauten Orte sofort zu erkennen und selbst Teil des Films zu sein, macht den Krimi für sie besonders.
Komparsin erzählt von Dreharbeiten
Auch Andreas Schröder träumt davon, eines Tages als Komparse mitzuwirken. Ergeben hat sich diese Gelegenheit für den Vorsitzenden des Bergstadtvereins bislang allerdings noch nicht. Er hat den neunten Teil seines Lieblingskrimis bereits vorab in der Mediathek gesehen, er konnte nicht bis zum Public Viewing warten. „Der Film muss mir ja schon von Amts wegen gefallen“, sagt er schmunzelnd. Sein Fazit fällt dennoch ehrlich aus: Der Krimi verliert nie den roten Faden und bleibt bis zum Ende spannend.

Der erfahrene Ermittler Oliver Mienle (André M. Hennicke, r.) möchte den örtlichen Sheriff Frank Koops (Aljoscha Stadelmann) bei den Ermittlungen um die tote Beamtin Franziska Langer (Kathleen Gallego Zapata) heraushalten. Foto: ARD Degeto Film/Kai Schulz
Im neuen Fall bekommt es Dorfsheriff Frank Koops, gespielt von Aljoscha Stadelmann, mit einem Netzwerk ehemaliger DDR-Agenten zu tun, die nach der Wende unerkannt weiter Karriere gemacht haben. Alles beginnt mit dem Tod eines Erpressers. Bald taucht jedoch eine tote Beamtin auf dem Bahngleis zwischen Sorge und Elend auf. Das LKA ist schneller vor Ort, als Koops überhaupt anrufen kann. Der erfahrene Ermittler Oliver Mienle übernimmt den Fall und will den örtlichen Sheriff aus allem heraushalten. Koops merkt jedoch, dass mit dem Profifahnder etwas nicht stimmt, und die Ermittlungen spitzen sich zu.
Im Kinosaal des Kurhauses wird gemeinsam gelacht und mitgefiebert. Es ist ein emotionaleres Erlebnis, als den Film allein auf dem Sofa zu schauen. Wenn Elend und Sorge liebevoll aufs Korn genommen werden, geht ein Raunen durch die Reihen. Auch eine Neuerung bleibt im Saal nicht unbemerkt: Der Postbote Heiner wird erstmals von Jakob Benkhofer gespielt. In den sozialen Medien stößt der Wechsel nicht überall auf Begeisterung. Viele Zuschauer vermissen Moritz Führmann, der die Rolle in den vorherigen Filmen geprägt hat.

Der neue Schauspieler von Postbote Heiner, Jakob Benkhofer, kommt nicht bei allen Zuschauern gut an. Sie vermissen ihren alten Heiner. Foto: ARD Degeto Film/Kai Schulz
Positive Reaktionen auf den Film
Nach dem Abspann ist im Kurhaus die Stimmung gelöst. Viele verlassen den Saal mit einem breiten Grinsen. Die Rückmeldungen sind durchweg positiv, auch von denen mit einer weiten Anreise. Dankbar zeigen sich viele zudem für das ehrenamtliche Engagement des Bergstadtvereins und die große Auswahl an Getränken und Leckereien. Die gesammelten Spenden sollen der Vereinskasse zugutekommen und künftige Projekte unterstützen. Dass keine Schauspieler oder Mitglieder des Filmteams vor Ort sind, schmälert den Abend nicht. Die Besucher zeigen Verständnis dafür, dass Weihnachten Familienzeit ist.

Der Bergstadtverein in St. Andreasberg bietet Speisen und Getränke zur Kinovorführung im Kurhaus an. Foto: Knoke
Und während der „Harte Brocken“ im Kurhaus noch nachklingt, setzt er am ersten Weihnachtsfeiertag auch im Fernsehen Maßstäbe: In der Primetime erreicht der Film in der ARD 4,5 Millionen Menschen bei einem Marktanteil von 20,4 Prozent. Das ZDF hat mit seiner TV-Komödie „Weihnachten im Olymp“ 2,44 Millionen Zuschauer und bleibt mit einem Marktanteil von 11 Prozent weit dahinter.
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