Hahnenklees Bürger befragen? Meinungen gehen komplett auseinander
Wohin geht die politische Reise für Hahnenklee-Bockswiese? Zuletzt hat sich der Ort mit der Stabkirche als Wahrzeichen als winterliche Märchenlandschaft präsentiert. Foto: Epping
Hahnenklees Ortsrat lehnt eine Befragung zu seiner Zukunft in Hahnenklee kategorisch ab. Die Goslarer Ratspolitik stimmt dem zu. Wie geht es weiter in dieser Frage?
Hahnenklee/Goslar. „Soll der Ortsrat Hahnenklee-Bockswiese aufgelöst werden?“ Auf diese Frage sollen möglichst alle Einwohner von Hahnenklee-Bockswiese, die mindestens 14 Jahre alt sind und seit mindestens drei Monaten im Kurort wohnen, per Brief oder online kurz und knapp mit Ja oder Nein stimmen. Diese Einwohner-Befragung soll zwischen dem 28. Januar und dem 11. Februar über die Bühne gehen. Aber nur, wenn der Goslarer Rat am 27. Januar dem Vorhaben zustimmt. Der Ortsrat selbst lehnt eine solche Befragung ab. Der Goslarer Finanzausschuss sprach sich ebenso einstimmig dafür aus. Was nun?
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Sein Sitzverlust macht den Ortsrat zumindest kleiner: Vize-Ortsbürgermeister Robert Vallespir (SPD) scheidet aus, weil er inzwischen für die Stadt Goslar arbeitet. Er wird flankiert von Christoph Bruns (l.) und Jörg Klockgether Foto: Heine
Prominent besetzter Hahnenklee-Termin
Das Spitzenduo der Verwaltung war zudem mit den beiden Fachbereichsleitern Thomas Malnati (Bauen) und Sven Busse (Bürgerservice) am Mittwoch nach Hahnenklee gereist – selten, dass ein Goslarer Fachausschuss derart prominent besetzt ist. Im Kurhaus warteten nicht nur elf Ortsratsmitglieder, sondern auch rund 50 Zuhörer aus dem Kurort. Der Linke Rüdiger Wohltmann als ein eher seltener Gast und der fraktionslose Christdemokrat und Ex-Hahnenkleer Axel Bender waren vom Goslarer Ratspersonal gekommen. Bender war lange selbst Mitglied im Ortsrat.
Und was tat dieser Ortsrat zuerst? Er machte sich kleiner. Weil Vize-Ortsbürgermeister Robert Vallespir wie berichtet inzwischen bei der Stadt Goslar arbeitet, darf er dem Gremium nicht mehr angehören. Weil auf der SPD-Wahlliste von 2021 kein Nachrücker steht, bleibt der Platz bis Ende Oktober unbesetzt. Zu Vallespirs Nachfolger wählte der Ortsrat den Liberalen Heinrich Wiebe – einstimmig bei eigener Enthaltung (Bericht folgt).
“Warum sollten wir Demokratie abbauen?“
Enthalten wollte sich anschließend niemand in der Debatte. Alle zehn verbliebenen Mitglieder des Ortsrates beschrieben den Wert ihrer Arbeit und die Wichtigkeit einer politischen Vertretung für Hahnenklee von Hahnenkleern. Ob sie nun 45 Jahre dabei sind wie Ewig-Ortsbürgermeister Heinrich Wilgenbus. Oder erst acht Monate wie Bender-Nachrücker Sven Frohnmeyer. Er habe alles mit- und sechs Goslarer Oberbürgermeister überlebt, sagte Wilgenbus. Auch dieser Kelch sollte wohl an Hahnenklee vorübergehen: „Warum sollten wir Demokratie abbauen?“ Der von der Ostsee zugezogene Wahl-Hahnenkler Frohnmeyer gestand ein, zehn Jahre lang aus der Zuschauerrolle mitunter oft auch den Kopf geschüttelt zu haben, aber er weiß jetzt auch: „Es ist unglaublich wichtig, ordentlich, fair und auf Augenhöhe zu diskutieren.“
Bürgerbefragung Ende Januar geplant
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Großes Interesse: Rund 50 Zuhörer kommen ins Kurhaus, um die Diskussion im Ortsrat zu verfolgen. Fragen zur Sache stellt niemand. Foto: Heine
„Wir sind da sehr emotionslos“
Das verbal in die Mangel genommene Goslarer Verwaltungsduo korrigierte Aussagen zu Ortsvorstehern hier und erinnerte an mögliche Folgen da. „Das Ergebnis kann auch eine Stärkung sein“, sagte Becker zur Befragung. Schwerdtner wies auf den Ursprung des Vorstoßes in der Goslarer Politik hin: „Wir sind da sehr emotionslos.“ Wie bindend ist das Ergebnis? Gar nicht. Aber Schwerdtner appellierte, „den Wunsch und Willen der Hahnenkleer zu akzeptieren – egal, wie es auch ausgeht“.
Was sich mit der Diskussion deckt, die tags zuvor im Goslarer Kulturmarktplatz der Finanzausschuss geführt hatte. Bender hatte dort schon angekündigt, dass es im Kurhaus voll werden würde, weil sich Menschen auf den Weg gemacht hätten und an den Haustüren klingelten: „Die Leute verstehen es nicht.“ Was wiederum den Jerstedter Christian Rehse (FDP) erstaunte. Es gehe vorrangig darum, eine einheitliche Lösung in Gesamt-Goslar zu etablieren. „Das ist nicht gegen Hahnenklee gerichtet“, beteuerte er. Ja, „die Grünen“ wollten Ortsräte und Ortsvorsteher abschaffen. Die Liberalen setzen auf das Vienenburger Modell mit Ortsvorstehern – und wohl auch die CDU, die sich in ihrem Antrag aber „wohlweislich“ nicht zum Ortsrat in Hahnenklee geäußert habe. Deren Fraktionschef Norbert Schecke hatte zwar auch noch Fragen – etwa, was zu tun sei, wenn die Beteiligung gering und/oder das Ergebnis knapp sei. Aber er stellte auch klar: „Ein Ortsvorsteher ist die Alternative und als Bindeglied nach Goslar garantiert.“Hahnenkleer Ortsrat
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Die Vienenburger Umfrage
SPD-Fraktionschef Martin Mahnkopf ist selbst Ortsvorsteher in Vienenburg. In der alten Harly-Stadt hatten früher alle Dörfer Ortsräte – außer Vienenburg selbst. Auch dort wollten sich die Ortsräte nicht abschaffen. Klar: „Wenn man die Frösche nach Wasser im Teich fragt.“ Auch dort entschied man sich für eine Befragung. Und 67 Prozent wollten keine Ortsräte mehr, sondern lieber Ortsvorsteher. „Das Ergebnis war verblüffend klar“, sagte Mahnkopf. Eindeutig sogar das Votum des Finanzausschusses. Vorerst noch nicht zum Ortsrat. Aber für eine Befragung in Hahnenklee und Bockswiese. Ob sie tatsächlich stattfindet, entscheidet der Rat am 27. Januar.
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