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Verwaltung weist Kritik der SPD zurück

GZ Plus IconNach Großbrand in Hessen: Debatte um fehlendes Löschwasser im Harz

Ein Haus steht in Flammen.

Silvester steht in dem Ort Hessen im Harzkreis ein Fachwerkhaus in Flammen, das Feuer greift auf ein Nachbargebäude über. Foto: Polizei

Nach dem Großbrand in der Silvesternacht in Hessen und der Kritik an fehlendem Löschwasser kocht ein Streit über Löschwasserkissen im Harzkreis hoch.

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Von Oliver Stade
Montag, 05.01.2026, 14:00 Uhr

Hessen. Nach dem Großbrand am Silvesterabend in Hessen, einem Ortsteil von Osterwieck, hat die von Kreisbrandmeister Kai-Uwe Lohse angestoßene Diskussion im Harzkreis um fehlendes Löschwasser die Landespolitik in Sachsen-Anhalt erreicht. Die SPD warnte davor, „bewährte Löschwasserkissen“ zu blockieren. Derweil weist der Landkreis Harz Vorwürfe zurück, er lehne diese Speicher ab.

Rüdiger Erben, innenpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, kritisiert den Landkreis Harz. In anderen Regionen seien „die Löschwasserkissen seit Jahren Standard“. In seinem Heimatlandkreis würden „Dutzende dieser Kissen“ als alternative Löschwasserspeicher zu „teuren Zisternen“ dienen. Das Trinkwasserleitungsnetz auszubauen, sei in kleineren Orten „keine realistische Option“. Dies komme wegen der geringen Abnahmemengen aus hygienischen Gründen nicht infrage.

Problem beim Löschen

Das Argument, das Löschwasser könne in solchen Kissen im Winter gefrieren, weist Erben zurück: „Löschwasser in modernen frostfreien Löschwasserkissen friert nicht ein, da diese Systeme speziell für den Einsatz auch bei Temperaturen bis minus 30 Grad konzipiert sind.“ Die Kissen würden aus flexiblem Gewerbe bestehen und über unterirdische und somit frostfreie Saugstellen verfügen. Bei sehr tiefen Temperaturen bilde sich auf der Wasseroberfläche lediglich „ein dünner Eisfilm“. Die Kommunen dürften keine Steine in den Weg gelegt bekommen, um diese Löschwasserspeicher zu nutzen.

Der für den Harzkreis zuständige Brandmeister hatte vorige Woche beklagt, bei dem Großbrand in Hessen, durch den ein Haus abbrannte, ein weiteres stark und ein drittes leicht beschädigt wurde, habe es ein Löschwasserproblem gegeben. Weil das Wasser aus einem Tanklöschfahrzeug schnell verbraucht gewesen sei und das Trinkwassernetz in Hessen zu schwach sei, habe der Löscheinsatz mehrfach unterbrochen werden müssen. Schließlich hätten sich die Einsatzkräfte beholfen, indem sie Wasser aus privaten Poolanlagen genutzt hätten. Lohse hatte erklärt, das Problem sei seit längerer Zeit bekannt. Die Baubehörden würden sich auf Landesrecht berufen und Löschwasserkissen, die im Nationalpark genutzt werden, in vielen Orten ablehnen.

Landrat weist Kritik zurück

Landrat Thomas Balcerowski weist die Vorwürfe unterdessen zurück. Er erinnert daran, dass etwa in Harzgerode ein Dutzend solcher Speicher installiert wurden beziehungsweise aufgestellt werden sollen. Vor allem aber verweist er auf Schreiben aus dem Innenministerium in Magdeburg. Das Land genehmige Löschwasserkissen und erkenne sie baurechtlich an, doch erachte Magdeburg sie nicht als „geeignete Maßnahme“, sondern nur als „ergänzende Löschwasserentnahmestelle“. In einem Schreiben an den Landkreis Harz vermerkt ein Brandschutzprüfer sogar, das Land halte die Behälter für „nicht zulässig“.

Udo Löprich, Kreisbrandmeister im Landkreis Goslar, sagt, es könne bei einem Großeinsatz „am letzten Zipfel“ immer wieder mal zu Problemen kommen. Dass es solche Probleme wie in Hessen im Landkreis Goslar gibt, sei ihm aber nicht bekannt.

Derweil laufen die Ermittlungen zur Brandursache weiter. Ein Experte hatte am Freitag den Brandort untersucht und keinen technischen Defekt an dem Haus beziehungsweise dem Carport feststellen können, an dem das Feuer ausbrach. So richten sich die Ermittlungen darauf, dass Silvesterknaller das Feuer ausgelöst haben könnten. Bei dem Feuer entstand an einem der Gebäude ein Schaden von bis zu 400.000 Euro, das Haus brannte ab. Am Nachbargebäude, auf das die Flammen übergriffen, entstand ein Schaden von rund 200.000 Euro.

Ein großer Behälter mit Löschwasser.

Ein Löschwasserkissen im Nationalpark Harz. Foto: Nationalpark

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