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Traditionsschmaus in der Kaiserpfalz

GZ Plus IconEin Pancket, 180 Goslarer Gäste und zwei markante Minus-Beträge

Mann im Anzug und Krawatte vor einem Gebäude mit einem Schild der Deutschen Bundesbank und gelben Sternen der Europaflagge

Pancket-Ehrengast: Bundesbank-Präsident Professor Dr. Joachim Nagel steht vor der Zentrale seines Hauses, das für 2025 einen Fehlbetrag von 8,6 Milliarden Euro ausgewiesen hat. Foto: Arne Dedert/dpa

Goslar hat ein Millionen-Minus im Etat 2026, die Bundesbank einen Milliarden-Fehlbetrag 2025. Keine rosigen Zeiten, in denen Bundesbank-Präsident Nagel zum Pancket kommt.

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Von Frank Heine
Sonntag, 08.03.2026, 04:00 Uhr

Goslar. Schmalhans wird gewiss nicht Küchenmeister sein. Aber beim 44. Goslarschen Pancket könnte sich dennoch manches Gespräch auch um tiefrote Zahlen drehen, wenn sich am Freitag. 20. März, rund 180 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Verwaltung zum Traditionsschmaus in der Kaiserpfalz treffen. Damit die Happen beim Drei-Gänge-Menü nach den Rezepten aus dem 1587 erstmals erschienenen Kochbuch des Churfürstlichen Maintzischen Mundtkochs M. Marxen Rumpoltbesser ordentlich rutschen, kredenzt die Einbecker Brauerei erneut einen „Sondersud“ aus eigens hergestellten und bei Sammlerin beliebten Steinkrügen.

Millionen-Minus hier, Milliarden-Minus dort

Welch ein Zufall: In jener Woche, als der Goslarer Rat am Dienstag wie berichtet seinen Haushalt für 2026 mit einem Minus von 6,8 Millionen Euro auf den Weg brachte, präsentierte Pancket-Ehrengast Professor Dr. Joachim Nagel am Donnerstag quasi mit Zahlendreher, aber noch vertausendfacht in Frankfurt den Verlust der Bundesbank für 2025. Die 8,6 Milliarden Euro sind der zweitgrößte Fehlbetrag in der Geschichte der Bundesbank.

Drückende Altlasten

Kleiner Trost: Die Summe war nur etwa halb so groß wie im Jahr zuvor. „So unerfreulich es ist, Verluste melden zu müssen, eines sollte dabei nicht aus dem Blick geraten“, sagte Präsident Nagel vor Medienvertretern, „die Bundesbank hat weiter eine solide Bilanz“. Sie habe finanzielle Belastungen zu tragen, die aber nachließen und im Grunde Altlasten seien, mit denen sich die Einrichtung herumschlage, wie es in einem Beitrag der „Tagesschau“ heißt. Während der Krisen der letzten Jahre sei sie immer wieder eingesprungen und habe im großen Stil Wertpapiere von Staaten und Unternehmen gekauft, um diese zu unterstützen. Nun sitze die Bundesbank auf einem Berg langlaufender Anleihen, die sie nur langsam los werde und die ihr nur geringe Erträge brächten. Auf der anderen Seite müsse sie den Geschäftsbanken höhere „Sparzinsen“ zahlen, wenn diese überschüssiges Geld ihrer Kunden über Nacht dort parken.

Sorgen wegen der Lage in Nahost

So hat ein jeder sein Päckchen zu tragen, zumal während der Pressekonferenz auch immer wieder Nachfragen zu den Auswirkungen der Lage in Nahost kamen. Die 2025 im Euro-Raum erreichte Preisstabilität könnte auf dem Spiel stehen. Denn wenn Energie dauerhaft teurer werde, könnten in Folge auch die Verbraucherpreise wieder steigen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Lage in den nächsten zwei Wochen entwickelt und was Pancket-Gast Nagel an diesem Abend in Goslar zu sagen hat.

US-Präsidentenwahl und Berliner Ampel-Aus

Schon das Vorläufer-Pancket hatte eine bewegte politische Großwetterlage als Begleiterscheinung. Als Bundesbauministerin Klara Geywitz am 8. November 2024 der erste weibliche Ehrengast war, hatte Donald Trump gerade die US-Präsidentenwahl gewonnen. Und in Berlin war die Ampel-Koalition zerbrochen. Was auch immer passiert: Eines bleibt immer gleich. Die Einbecker Brauerei sorgt beim Pancket für besonderen Gerstensaft und Bierkrüge, die jetzt im Beisein von Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner, dem Ersten Stadtrat Dirk Becker, Stabsstellen-Chefin Sandra Bogisch und Marie-Anna Warnecke von der Wirtschaftsförderung vorgestellt wurden. Alle Informationen rund um Krüge und Bier präsentierte Carsten Schild, Verkaufsleiter des Brauhauses für den Raum Goslar.
Fünf Personen stehen nebeneinander und halten jeweils einen Bierkrug nach vorne

Auf das Pancket (v.l.): Marie-Anna Warnecke, Urte Schwerdtner, Carsten Schild, Sandra Bogisch und Dirk Becker beim Probe-Prosit mit den Einbecker-Bierkrügen. Foto: Stadt Goslar

Krüge sind dunkler und schmaler

So wird erneut Einbecker Bier in den Steinkrügen ausgeschenkt. Seit 2018 ziert die Kaiserpfalz als Motiv die in einer Auflage von 250 Stück produzierten Bierkrüge. In diesem Jahr ist deren Farbgebung allerdings dunkler, die Krüge sind schmaler und aufgrund ihres Fassungsvermögens von einem halben Liter höher gestaltet. Auch der Henkel ist kantiger geformt. „Der dunkle Sondersud mit circa fünf Prozent Alkoholgehalt wird eigens für das Pancket gebraut“, berichtet Schild, der das neue Bier als „wohlschmeckend“ ankündigt. „Wir freuen uns, diese Traditionsveranstaltung weiterhin mit unserem Bier und unseren Steinkrügen bereichern zu können.“

Seit 1967 lädt die Goslar Gäste zu einem Festmahl im frühneuzeitlichen Stil ein. Das Pancket bietet Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen und Geschäfte zu besprechen – so, wie es früher der Rat mit Kaufleuten von nah und fern getan hat. Oberbürgermeisterin Schwerdtner bezeichnete das Pancket als „das hochkarätige Wirtschaftstreffen im Harz mit vielen wichtigen Gesprächen“.

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