Großer Ansturm: 150 Goslarer strömen in neue Odeon-Wohnungen
Insgesamt gibt es 34 Wohnungen im ehemaligen Odeon-Theater zu entdecken. Foto: Sowa
Neugierige Besucher strömen direkt ins frühere Odeon-Theater. Die Investoren öffnen erstmals die neuen Wohnungen im historischen Gebäude für die Öffentlichkeit.
Goslar. Schon kurz vor 14 Uhr drängten sich rund 150 neugierige Goslarer vor dem Eingang des ehemaligen Odeon-Theaters. Manche riskierten schon einmal einen Blick ins Innere des Gebäudes, das mal das kulturelle Zentrum ihrer Stadt war, aber dann lange Zeit nicht zu betreten war. Nun standen ihnen die Türen offen.
Vom Theater zum Wohnhaus
Die Investorengruppe um Gert und Sven Meinhof sowie Dirk Felsmann hat aus der maroden und denkmalgeschützten Kulturstätte in den vergangenen Jahren ein Wohnhaus geformt, mit 34 Wohneinheiten. Bevor die Vermietung beginnt, luden die Investoren die Öffentlichkeit für drei Stunden ein, sich ein Bild vom Innersten des neuen Odeons zu machen.

Im Außenbereich wird noch gebaut, doch die Fassade in Richtung Hildesheimer Straße ist fertig. Foto: Sowa
„Noch nie habe ich eine Party geschmissen, ohne zu wissen, wie viele Leute kommen“, sagte Felsmann, sichtlich beeindruckt vom großen Interesse bereits am frühen Nachmittag. In einigen Wohnungen und den Fluren werde zwar noch gebaut, auch an der Außenfassade steht noch das Gerüst. Doch um eine Idee zu bekommen, wie man künftig in dem um 1900 errichteten Prestige-Gebäude wohnen kann, gab es genug zu entdecken.
Offene Karten bei den Mieten
Auch, was die künftige Miete angeht, spielten die Eigentümer mit offenen Karten. An jeder Wohnungstür hing ein Grundriss, darauf notiert die jeweilige Warmmiete für die Wohnung. Zwischen 11,50 und 15 Euro liegt laut Felsmann der Quadratmeterpreis.

An den Wohnungstüren hängen Grundrisse, darauf notiert: die jeweilige Warmmiete. Foto: Sowa
Die Goslarer schauten ganz genau hin, ob in den kleineren Zimmern mit 50 Quadratmetern oder in den großen Maisonette-Wohnungen, die fast dreimal so viel Fläche bieten.

Bereits um 14 Uhr drängen sich rund 150 Menschen vor dem Odeon, um einen Blick ins Innere zu erhaschen. Foto: Sowa
Vier Bereiche sind für Büros vorgehalten. Die naheliegende Idee, dass die Goslarer Christdemokraten sich in das Gebäude einmieten, in dem 1950 die Bundes-CDU gegründet wurde, haben sich laut Felsmann mittlerweile zerschlagen.
„Viel Blut und Schweiß“ im Projekt
„Viel Blut und Schweiß“ hängen an dem Odeon-Projekt sagte er. Die Zusammenarbeit mit der Stadt habe gut funktioniert, die Landesebene sei „etwas sperriger“ gewesen. Die ersten Umbau-Planungen, die eine Öffnung des Gebäudedachs vorsahen, sind beim Landesdenkmalamt durchgefallen, was die Bauherren viel Zeit und Geld gekostet habe.
Ein Haus mit viel Geschichte
Goslars Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner lobte die „große Portion Mut“, die die Investoren 2019 gezeigt hätten, als sie das Odeon nach jahrelangem Leerstand gekauft hatten. Die ganze Stadt könne sich glücklich schätzen, dass dieses besondere Gebäude erhalten bleibt, das nicht nur als Theater in die Geschichte einging.

Mitinvestor Dirk Felsmann und Goslars Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner begrüßen die Besucher zum Tag der offenen Odeon-Tür. Foto: Sowa
Neben der CDU-Gründung, der auch der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer beiwohnte, verkündete sein Nach-Nach-Nach-Nach-Nach-Nachfolger Gerhard Schröder (SPD) am 21. Januar 2003 das Nein zu einer deutschen Beteiligung am Irak-Krieg ebenfalls im Odeon. Angela Merkel war als junge CDU-Parteichefin im Jahr 2000 im Goslarer Theater zu Gast, zehn Jahre später dann als Kanzlerin.
Vom Kaisersaal zum modernen Wohnhaus
Die Zukunft dieses Hauses sei also alles andere als Routine, sagte die Verwaltungschefin. Schon bei seiner Errichtung als „Röttgers Kaisersaal“ sei es ein Ort der „Begegnung, der Musik und der Feste“ gewesen. In den 1920er Jahren wurde daraus ein Kino, nach dem Zweiten Weltkrieg dann das Odeon-Theater, „eine der wichtigsten kulturellen Bühnen unserer Region.“ Dass daraus mal ein Wohnhaus wird, hätten sich noch vor wenigen Jahren wohl nicht viele Menschen vorstellen können, glaubte Schwerdtner. Die Goslarer konnten sich am Tag der offenen Tür nun selbst davon überzeugen.
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