Auf den Spuren der alten Kaiser am Goslarer Hotel Kaiserworth
Der neue Vorstand von „Pro Stadtarchiv“: Ulrike Offenborn (von links), Thomas Jürgens, Jörg Zellmer und Ulrich Koschorke Foto: Kammer
Die Kaiserbildnisse am Goslarer Hotel „Kaiserworth“ befinden sich derzeit zur „Kur“ in der Werkstatt eines Restaurators. Doch was war vor ihnen an der Fassade zu sehen?
Goslar. „Sag mir, wo die Kaiser sind, wo sind sie geblieben?“ fragte Thomas Capelle die Anwesenden der Jahreshauptversammlung des Vereins „Pro Stadtarchiv Goslar“. Die Antwort ist einfach, die hölzernen Kaiserfiguren der „Kaiserworth“ befinden sich gerade in der Werkstatt des ebenfalls anwesenden Restaurators Holger Windmann. Hier erholen sie sich von Wind und Wetter, „sie sind also zur Kur“.
Doch die Frage Capelles, der Ortsheimatpfleger in Ostharingen ist, reichte noch viel weiter. Die aktuell eingelagerten Kaiser sind gar nicht die echten Figuren, die ursprünglich an dem 1494 gebauten Gebäude zu finden waren. Heute noch gut erhaltene steinerne Verzierungen und Figuren – die bekannteste ist der Dukatenscheißer – weisen darauf hin, dass auch unter den Baldachinen einst Steinfiguren gestanden haben müssen.
Mauerspechte am Werk
Weiteres Indiz: Die Holzfiguren sind eigentlich zu groß, das ehrwürdige Gemäuer musste für sie erst passend gemacht werden. Gut zu sehen ist, wie hier einst „Mauerspechte“ am Werk waren, so dass auch der Arm eines „großen“ Kaisers eingepasst werden konnte. Doch wo sind die Steinfiguren? Capelles Theorie zufolge sind sie während der napoleonischen Fremdherrschaft verschwunden, sie wurden vielleicht zugunsten der Amortisationskasse in Kassel versteigert. In jenen Tagen wurden sämtliche Gildehäuser in Goslar als Staatseigentum eingezogen und anschließend mit allem beweglichen Inventar meistbietend verkauft. Möglicherweise ziere nun ein Goslarer Kaiser irgendwo in Frankreich einen Garten.
„Räucherig-schwarze Figuren“
Für die These spreche auch, dass Heinrich Heine in seiner berühmten „Harzreise“ von „räucherig-schwarzen Figuren“ berichtet. Windmann zufolge deutet dies darauf hin, dass der Dichter bereits Holzfiguren gesehen habe. Man hatte sie wahrscheinlich mit Bleiweiß gestrichen, das in der damaligen Goslarer Luft voll von Schwefel und Hüttenrauch schnell schwarz wurde.
Nach Abzug der Franzosen aus Goslar verkaufte der Magistrat das Gebäude 1816. Denkbar ist, dass nun durch den neuen Besitzer neue Figuren in die ausgeräumten Nischen eingestellt wurden, diesmal aus Eichenholz im barocken Stil. Holz braucht jedoch Pflege und Zuwendung, alle fünf Jahre sollte man nachölen. Das ist nicht immer erfolgt, Wasser tropfte herunter, Tauben brüteten. So sind offensichtlich einige Figuren immer wieder mal ersetzt worden.
Figur muss ersetzt werden
Selbst jetzt geht es einem Kaiser in Windmanns Werkstatt so schlecht, dass er ersetzt werden muss. Wann die Kaiser wiederkommen, konnten die Referenten noch nicht sagen. Die Restaurierung brauche ein Jahr, die Rückkehr selbst richtet sich dann nach dem Baufortschritt.
Die Anwesenden dankten mit Applaus für den interessanten Vortrag und widmeten sich dann dem Rückblick auf ein ereignisreiches Jahr, das mehrere Besichtigungen von Kirchen umfasste. Erfolgreich war die Teilnahme am weihnachtlichen Rammelsberg. Die Archivnachrichten wurden zweimal herausgegeben und auch die Probleme mit der Klimaanlage im Archiv konnten gelöst werden. Der historische Kalender sei wieder gut gefragt gewesen, ebenso habe die Arbeitsgruppe „Übersetzer der Vergangenheit“ gute Arbeit geleistet.
Der Vorstand wurde einstimmig neu gewählt mit Jörg Zellmer als Vorsitzendem und Thomas Jürgens als Vizevorsitzendem. Ulrike Offenborn wurde im Amt als Schatzmeisterin bestätigt, ebenso Ulrich Koschorke als Schriftführer.
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Der neue Vorstand von „Pro Stadtarchiv“: Ulrike Offenborn (von links), Thomas Jürgens, Jörg Zellmer und Ulrich Koschorke Foto: Kammer

Thomas Capelle spricht über die Kaiserbilder an der Kaiserworth-Fassade und ihre Vorgänger. Foto: Kammer