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SPD will Schulgrenzen behalten

GZ Plus IconSporthallen-Antrag ist raus: Tempo bei Goslars Goetheschule

Hof mit Tischtennisplatte, Bänken und Bäumen vor zwei mehrstöckigen Gebäuden mit vielen Fenstern

Die Goetheschule soll mehr Platz bekommen. Eine Lösung zeichnet sich ab. Über Schulgrenzen wird aber weiter gestritten. Foto: Heine (Archiv)

Mehr Platz für die Goetheschule: Die Politik ist sich einig, dass die Sporthalle am Kulturmarktplatz die Lösung ist. Um die Schulgrenzen wird weiter gestritten.

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Von Frank Heine
Freitag, 16.01.2026, 10:00 Uhr

Goslar. Eine Lösung für eine spürbare Erweiterung der Goetheschule scheint greifbar nahe, und der Förderantrag ist sogar schon auf dem Weg nach Berlin. Sie liegt aber nicht auf dem Tisch, wenn sich der Schulausschuss am Mittwoch um 17 Uhr im Kulturmarktplatz genau dort trifft, wo die Goetheschüler später Sportunterricht haben sollen. Dort geht es neben geplanten Wanddurchbrüchen laut Tagesordnung vorerst nur um eine Übergangsregelung für Schulgrenzen. Nach dem Gesamtausbau sollen die Grenzen für drei Schulen fallen. Was die SPD-Fraktion in einer Mitteilung erneut scharf kritisiert.

Zum Finanzausschuss nicht fertig

Zum Mittwoch: Neben dem Haushalt steht die Goetheschule im Mittelpunkt. Wie der Plan für die Sanierung der Sporthalle an der Königstraße im Detail aussieht, blieb zuletzt unklar. Nicht, weil es niemand wissen soll. Die Verwaltung arbeite mit Hochdruck am Papier, sei aber noch nicht fertig, hatte Erster Stadtrat Dirk Becker am Dienstag den Finanzausschuss informiert. Becker kündigte die Vorlage wie verabredet für den Verwaltungsausschuss an, der nicht öffentlich, aber schon am Dienstag berät. Was spräche dagegen, die Tagesordnung am Mittwoch auszuweiten? Dass der Ausschuss für Sicherheit, Ordnung und Sport zuständig ist, der am Donnerstag am selben Ort und zur gleichen Zeit tagt. Fachbereichsleiter Sven Busse erklärte am Donnerstag, dass er die Pläne dort nachrichtlich vorstellen werde.

Endgültig beschließt der Rat am 27. Januar. Worum geht es? Die Verwaltung hatte im Dezember mit dem Vorstoß überrascht, einen Förderantrag zur Sanierung der viel größeren Sporthalle an der nahen Königstraße zu stellen. Eine Förderquote von 75 Prozent lockt. Es muss nur schnell gehen, weil die Frist für Anträge nur bis Monatsende läuft. Und weil es Vorplanungen gibt, rückt diese Halle in den Fokus. Den Antrag hat Busse am Donnerstag freigegeben und nach Berlin geschickt. Die marode Halle der Goetheschule wäre später frei für andere Nutzungen. Der Neubau einer Mensa und von Unterrichtsräumen auf dem Parkplatz Bolzenstraße wäre überflüssig.

Bei der Sporthalle sind sich alle einig

Um Weihnachten herum hatten CDU, Grüne Partei 42, Linke, Henning Wehrmann (Bürgerliste) und der fraktionslose Niklas Prause ihr Wohlwollen für diese Variante kommuniziert. Den gleichen Weg wählt jetzt die SPD, nicht ohne auf den heftigen Politik-Streit im Vorfeld zu erinnern. „Wir begrüßen die Vorschläge der Verwaltung, die Sporthalle im nahen Kulturmarktplatz der Goetheschule zuzuschlagen, um damit die Platzprobleme im Bestandsgebäude zu lösen“, schreiben Fachausschussvorsitzende Renate Lucksch sowie Fraktionschef Martin Mahnkopf. Die bewährten Schulgrenzen sollten aber belassen werden. Warum? Monatelang habe „eine breite Allianz – von Linksaußen bis Rechts – gegen die Vernunft, Erfahrung und den mehrfach deutlich geäußerten Wunsch von Schulleitungen und Elternräten agiert“. Diese Haltung sei nur getragen gewesen von Ideologie und dem Durchsetzen von Macht und mache sprachlos. Der Anfang dieser Odyssee sei eine Aufhebung der Schulgrenzen für die ganze Stadt Goslar gewesen, schaut das Duo zurück. Was die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Politik in Brand gesetzt habe. „CDU, Linke, Grüne und Co. ignorieren leider bis heute die Tatsache, dass Sie damit großen Schaden in der vertraulichen Zusammenarbeit angerichtet haben“, erklären Lucksch und Mahnkopf. In einem zweiten Schritt hätten sie zurückgerudert und nur für die Abschaffung der Schulgrenzen an drei Grundschulen votiert. Goethe-, Schiller- und Jürgenohlschule hätten dies abgelehnt, weil sie das System der Straßenzuordnung bei der Einschulung für alle Eltern transparent und im Voraus planbar hielten.

Verlust an Innenstadtparkplätzen

Ein millionenschwerer Schulneubau („vollends überflüssig ausgegebenes Geld“) nähme zudem Innenstadtparkplätze weg und sei vom Landesamt für Schule und Bildung in Braunschweig aus schulaufsichtlichen Gründen ganz und gar nicht gutgeheißen worden. Der Einzelhandel hätte die Folgen ebenso wie die Anwohner gespürt. Die „Anti-Auto-Haltung der CDU“ sei im vorigen Fachausschuss deutlich geworden, ohne dass eine schlüssige Begründung zu hören gewesen sei, warum die Christdemokraten von dem noch vor Jahresfrist geäußerten Standpunkt abrückten, dass sie für das Parken in der Innenstadt stünden.

Einen Neubau hält die SPD so oder so für überflüssig, da Schülerzahlen bereits rückläufig seien. Nicht zuletzt habe CDU-Fraktionschef Norbert Schecke bei den Etat-Beratungen im Finanzausschuss auf diesen Punkt hingewiesen, betont Mahnkopf. „Planung nach dem Prinzip Hoffnung ersetzt keine vorausschauende Politik. Die unheilige Allianz der Realitätsverweigerer setzte sich durch“, heißt es weiter im Verbund mit Lucksch. Die beiden sehen „Machtgebaren statt vorausschauender Politik“ und eine „unnötige Belastung des ohnehin angeschlagenen Haushalts der Stadt Goslar“. Nur nicht vom Wege abrücken, nicht noch einmal neu abwägen und neue Argumente bewerten, um zum Wohle aller Bürger die beste Wahl zu treffen? Die SPD-Ratsfraktion appelliert demnach erneut an das Bündnis, den Schulfrieden in Goslar wiederherzustellen.

Definition für starke Schule

Und das Argument „Eine starke Innenstadt braucht eine starke Innenstadtschule“? Es werde durch Wiederholen nicht richtiger, sind Lucksch und Mahnkopf überzeugt. Denn eine starke Schule sei nicht die, die die meisten Schüler habe, sondern jene, die über ein gutes pädagogisches Konzept verfüge. Ein solches Konzept werde durch die Lehrkräfte vermittelt und von allen gelebt. Eben dort, wo eine gute Lern- und Arbeitsatmosphäre herrsche. „Und dies ist nicht nur an der Goetheschule der Fall“, betonen Mahnkopf und Lucksch.

Die SPD folgt daher dem Vorschlag der Verwaltung, hat aber noch eine Anfrage eingebracht, um Tempo aufzunehmen. Der Wunsch nach einer größeren Turnhalle lasse sich durch die Sanierung an der Königstraße lösen. Weitere Vorteile seien kurze Wege, die schon frühere Schülerinnen gegangen seien – wie Lucksch selbst als Schülerin der Goetheschule –, eine flexiblere Nutzung durch Trennvorhang und eine Stärkung des Innenstadt-Sportangebots auch für die Vereine. „Das ist eine echte Win-Win-Situation“, ist das SPD-Duo überzeugt. „Hoffentlich ist damit der Drang zur unnötigen Auflösung der Schulbezirksgrenzen ebenfalls beendet“, heißt es zum Abschluss. Die Mehrheitsgruppe habe Unruhe gestiftet. Klüger wäre es gewesen, Ideologien abzulegen und Alternativen unvoreingenommen zu prüfen und für die beste Lösung zu stimmen.

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