Warum Goslars Stadtmarketing so viel Geld von der Stadt braucht
Im April 2022 sperrte das für 14,4 Millionen Euro sanierte Rathaus seine Türen wieder auf. Seit 2009 liefen die Bauarbeiten. Ein neuer Mieter ist die Stadttochter GMG unter anderem mit seiner Tourist-Info. Foto: Swen Pförtner/dpa
1,15 Millionen Euro möchte die städtische Marketing-Tochter 2026 von ihrer Mutter haben, um Verluste abzudecken. Wo bleibt das Geld? Und was macht Marketing so teuer?
Kommentar zu gestiegenen Verlusten
Mehr Geld für die GMG? Wünsche, Warnungen und Wichtigtuer
Aber wo ist wirklich das Problem mit den GMG-Finanzen? Schließlich kommt die Entwicklung nicht unerwartet. Schon im Vorjahr lag die Summe mit 1,068 Millionen Euro im siebenstelligen Bereich. GMG-Chefin Marina Vetter und Aufsichtsratsvorsitzender Andreas Rotermund stehen Rede und Antwort.
Wie ist die Entwicklung bei den Verlusten?
Gutes Marketing kostet Geld. Das wissen auch die Politiker in Goslar. Seit Gründung der GMG im Jahr 2003 stiegen die Etats und Zuschüsse, aber es ergaben sich auch regelmäßig neue Aufgabenfelder und Rahmenbedingungen. Mit Geschäftsführer Michael Bitter tat die Stadt einen personellen Glücksgriff, der nicht nur Weihnachtsmarkt und Weihnachtswald revolutionierte, sondern auf vielen anderen Feldern professionelle Duftmarken setzte. Der Blick auf die Verlustabdeckungen zeigt, dass in der Tat vor der Corona-Pandemie nur 591.000 Euro aus der Stadtkasse flossen – also etwa die Hälfte des aktuell gewünschten Betrages. Im ersten Corona-Jahr 2020 flossen schon 959.100 Euro, anschließend drei Jahre lang 877.000 Euro. 2024 wurden 993.000 Euro fällig. 2025 riss die GMG erstmals die Millionen-Marke. Nicht zu vergessen: Das Jubiläumsjahr 2022 mit seinen vielfältigen Aktionen zum tausendsten Goslar-Geburtstag ragt mit einer Umsatzspitze von 3,3 Millionen Euro einsam heraus.Feiern, Konzerte, Thementage
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Wie ist der Rahmen gesteckt?
Neuer Standort, neues Glück? Wenn es wirklich so wäre. Den Umzug auf die andere Seite des Marktplatzes – vom jetzt als Mach-Mit-Haus genutzten Gebäude ins historische Rathaus – hatte schon Bitter nicht gewollt, bekam ihn aber verordnet von Goslars Politik und Verwaltung, die damals CDU-Mann Dr. Oliver Junk führte. Konsequenz: „Wir zahlen jetzt mehr als das Doppelte an Miete und Nebenkosten“, sagt Vetter. In Zahlen: Raumkosten und Versicherungen stiegen von gut 106.000 Euro im Jahr 2021 auf aktuell 232.000 Euro. 2022 erfolgte der Umzug ins Rathaus. Und dort ist im Erdgeschoss nicht nur eine deutlich größere Tourist-Info mit ausgeweiteten Öffnungszeiten zu betreuen, sondern im Keller auch noch ein – aktuell bis zum 13. März – geschlossenes Welterbe-Infozentrum zu beaufsichtigen.
Fremdbestimmte Aufgabe: Das Welterbe-Infozentrum gibt im Keller tolle Einblicke, muss aber auch irgendwie betreut werden – nämlich von der GMG. Foto: Swen Pförtner/dpa (Archiv)
Wie sieht es beim Personal aus?
Allein diese beiden Aufgaben stellen die GMG vor neue Aufgaben, um das große Wort Herausforderungen zu vermeiden. Sie müssen aber personell hinterlegt sein. Als Vetter 2020 die GMG-Verantwortung übernahm, zählte die Gesellschaft 17 Köpfe, jetzt sind es 21 – oder 19,6 Vollzeitäquivalente. Ein Azubi-Vertrag ist aktuell aufgrund von Elternzeit auf ruhend gestellt. Und das Geld? Von 960.255 Euro steigt der Aufwand auf geplant 1,38 Millionen Euro für 2026. Nicht zu vergessen: Die Arbeitsverträge sind an die Tarife des öffentlichen Dienstes angelehnt. Zuletzt gab es dort mit Blick auf die Privatwirtschaft vergleichsweise großzügige Abschlüsse – es sei allen gegönnt, treibt aber die Kosten hoch. Das Thema Sicherheit hat seit dem Anschlag von Magdeburg ebenfalls eine neue Dimension. Sperren hat die Stadt bezahlt, aber Sicherheitspersonal und Aufbauleistungen schlagen auch zu Buche. An dieser Stelle spielt auch der gestiegene Mindestlohn hinein.Im Fokus renommierter Medien
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Wo sind die Stellschrauben?
Es gibt wie immer zwei Möglichkeiten. Mehr einnehmen. Oder Aufgaben streichen. Auf der Einnahmeseite wird oft der Weihnachtsmarkt genannt. Machen die Standbetreiber dort nicht oft ihr Geschäft des Jahres? Wie auch immer: Zuletzt hat die GMG die Gebühren um 25 Prozent erhöht. Das Geschäft bei den Stadtführungen zieht wieder an. Aber seit Corona sind die (großen) Busgruppen weitgehend weggefallen. Positive Tendenzen gibt es beim Huldigungssaal, der 2025 knapp 20.000 Besucher zählte. Aber es sind eben auch viele Begleitgebühren etwa für Sicherheit und Müll gestiegen.
Was zahlen die Privaten?
An der GMG sind die Goslarer Gastgeber, die Kaufmannsgilde und das Wirtschaftsnetzwerk „pro Goslar“ beteiligt. Sie zahlen zusammen 82.500 Euro in den Topf – und somit 17.500 Euro mehr als vorher. „Das ist ein wichtiges Signal für unsere Gesellschaft“, sagt Vetter. Man dürfe aber nicht vergessen, wie viele wertvolle Dienst- und Sachleistungen von dieser Seite obendrauf kämen. Zusätzliche Belastungen für Unternehmen seien zudem stets „hochrisikoreich“, weil auch die ihr Geld verdienen müssten und die Geschäfte auch verschieden nach Branchen bisweilen sehr unterschiedlich liefen.
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