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Erwartungen nicht erfüllt

GZ Plus IconLandkreis Goslar kündigt Kooperation mit der Deutschen Giga-Netz

Seit Kurzem steht das Gebäude auf dem Vorplatz des Bad Harzburger Bahnhofs wieder leer – die Deutsche Giga-Netz ist ausgezogen.

Seit Kurzem steht das Gebäude auf dem Vorplatz des Bad Harzburger Bahnhofs wieder leer – die Deutsche Giga-Netz ist ausgezogen. Foto: Exner

Das Kapitel Giga-Netz ist im Landkreis Goslar nun wohl endgültig beendet. Die Zusammenarbeit ist beendet, das Projekt Glasfaserausbau damit aber noch nicht gestorben.

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Von Christoph Exner
Samstag, 07.02.2026, 04:00 Uhr

Bad Harzburg. Gut drei Monate ist es jetzt her, dass das Telekommunikationsunternehmen Deutsche Giga-Netz sich aus Bad Harzburg zurückgezogen hat. Nun hat es auch sein Büro am Bad Harzburger Bahnhof geräumt und die Flaggen, die lange Zeit vor dem Gebäude wehten, eingeholt. Der Mietvertrag mit der Stadt ist zum 31. Januar ausgelaufen. Die Nachricht damals, den Bau eines flächendeckenden Glasfasernetzes in der Kurstadt fürs Erste nicht weiter verfolgen zu wollen, hatte Auswirkungen: Der Landkreis hat seine mit Giga-Netz geschlossene Kooperation mittlerweile gekündigt.

Kurzer Rückblick: Um den Glasfaserausbau und damit die Verbreitung schnellen Internets im Landkreis voranzutreiben, hatten im September 2023 auf Initiative der Kreisverwaltung die (Ober)Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der Städte Braunlage, Bad Harzburg, Langelsheim, Goslar sowie Clausthal-Zellerfeld eine Kooperationsvereinbarung mit der Giga-Netz unterzeichnet.
Im September 2023 gibt der Landkreis Goslar die Kooperation mit der Deutschen Giga-Netz zum Glasfaser-Ausbau in der Region bekannt. Nun ist diese Vereinbarung Geschichte.

Im September 2023 gibt der Landkreis Goslar die Kooperation mit der Deutschen Giga-Netz zum Glasfaser-Ausbau in der Region bekannt. Nun ist diese Vereinbarung Geschichte. Foto: Landkreis Goslar

Das Telekommunikationsunternehmen war seinerzeit das einzige, das für eine Zusammenarbeit infragekam. Sein Geschäftsmodell: In jedem genannten Ort einen gewissen Prozentsatz der Bevölkerung per Vorverträgen als Kunden zu gewinnen. So viele, dass sich der Start der Bauarbeiten wirtschaftlich zumindest ansatzweise lohnt. Bad Harzburg sollte der erste Ort sein, an dem das so umgesetzt wird.

Vereinbarung gekündigt

Die Giga-Netz begann, im ganzen Stadtgebiet in einem bislang nie dagewesenen Ausmaß Werbung für sich zu machen. Nach anfänglichen Erfolgen stellte sich die Kundengewinnung jedoch recht bald schon als schleppend heraus. Vergangenen November zog das Unternehmen dann von sich aus die Reißleine.

Kurz darauf hatte auch der Landkreis Goslar genug: Nach Absprache mit den Bürgermeistern wurde die Kooperationsvereinbarung gekündigt. Begründung: Die Giga-Netz habe „weder die Planung noch die Umsetzung für die in der Vereinbarung benannten Ausbaugebiete für eine gigabitfähige Glasfaserstruktur vorgelegt respektive realisiert. Darüber hinaus konnte das Unternehmen auch nicht die selbstgesteckten Ziele im Rahmen der Vorvermarktung erreichen“, heißt es auf Anfrage von Seite der Kreisverwaltung.

Zusätzlich habe das Unternehmen sinngemäß mitgeteilt, dass eine wirtschaftlich sinnvolle Umsetzung des Projektes derzeit nicht möglich sei, die laufende Nachfragebündelung in Bad Harzburg und Goslar beendet werde, und ein Baustart aktuell nicht mehr geplant sei. Auf eine Kündigungsbestätigung seitens der Giga-Netz wartet man beim Landkreis GZ-Informationen zufolge seitdem jedoch vergebens.

Urteil zugunsten der Kunden

Muss sich nun also jede einzelne Stadt im Landkreis selbst um den Glasfaserausbau beziehungsweise die Gewinnung eines neuen Partners kümmern? Nein, denn der Kooperationsgedanke bleibe seitens des Landkreises weiterhin bestehen, heißt es. Mit anderen Worten: Es soll eine neue Vereinbarung geschlossen werden. Potenzielle Kandidaten haben sich bereits in Stellung gebracht (Bericht folgt).

Das Kapitel Giga-Netz dürfte im Landkreis Goslar damit endgültig beendet sein. Zumindest bis auf die Berichte einiger Kunden, die bis zuletzt Probleme hatten, aus ihren bestehenden Vorverträgen herauszukommen. Gleiches ist übrigens auch schon in anderen Orten passiert, in Bremen beispielsweise, wie der Weser-Kurier berichtet.

Aufgrund der Kündigungsschwierigkeiten klagte die Verbraucherzentrale gegen die Giga-Netz. Mittlerweile gibt es ein Urteil zugunsten der Kunden: Die Vertragslaufzeit von zwei Jahren darf nicht erst mit der Freischaltung des Anschlusses beginnen, sondern mit Vertragsabschluss. In Bad Harzburg dürften damit die meisten geschlossenen Vorverträge spätestens jetzt ohnehin hinfällig sein.

Viel negative Presse

Der Landkreis selbst hat nach eigenen Angaben übrigens keine Vorverträge mit der Giga-Netz abgeschlossen. Die Schulen im Kreisgebiet sind bereits zu 100 Prozent mit Glasfaser versorgt. Dieser Ausbauschritt erfolgte jedoch im bereits abgeschlossenen Förderprojekt „Sonderaufruf Schulen und Krankenhäuser“ und durch ein anderes Telekommunikationsunternehmen.

Der Landkreis Goslar ist übrigens nicht das erste Gebiet, in dem die Giga-Netz für negative Schlagzeilen gesorgt hat. Es gibt bundesweit zwar viele Orte, in denen das Unternehmen bereits mit der Vermarktung oder sogar dem Bau eines Glasfasernetzes begonnen hat. Wer im Internet positive Nachrichten dazu sucht, findet diese jedoch fast ausschließlich auf der unternehmenseigenen Internetseite. Die meisten Medienberichte hingegen zeichnen ein anderes Bild: Erst vor Kurzem hat demnach beispielsweise auch die Stadt Duisburg die Zusammenarbeit mit der Giga-Netz beendet, Grund seien nicht eingehaltene Zusagen gewesen. Unter anderem in Dresden, Erfurt und Mainz hat das Unternehmen hingegen von sich aus die Reißleine gezogen, genauso wie jüngst auch in Bad Harzburg und in Langelsheim. In Calw bei Stuttgart beispielsweise liegt der Ausbau hinter dem Zeitplan.

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