Galaktische Nacht: 850 Besucher im Goslarer Kulturmarktplatz
Die Gewinner des Kostümwettbewerbs der galaktischen Nacht (v.l.): Sarah Emerald, Lisa Habermann, Mike Lohmann und Esther Schiminsky. Foto: Petra Hartmann
Stormtrooper, Laserschwerter und ein schnaufender Darth Vader: Die galaktische Nacht im Goslarer Kulturmarktplatz hatte alles, was das Fan-Herz begehrt. Einschließlich Raumschlachten, virtuelle Light-Saber-Tänze und Cosplayer in aufwendigen Kostümen.
Goslar. Stormtrooper marschieren am Museumsufer auf. Ein schnaufender Darth Vader, der seine schwarze Kluft mit Würde durch die Sommerhitze trägt. Prinzessin Leia in allen Altersgruppen. Mandalorians. Rebellen. Laserschwerter. Kopfgeldjäger.
Am Samstagabend war die Macht auf jeden Fall mit der Stadt Goslar. 850 Star-Wars-Fans waren zur „Galaktischen Nacht“ in den Kulturmarktplatz gepilgert, ließen sich an Fotostationen mit Figuren ihrer Helden ablichten, genossen spacige Drinks in der Cantina Bar im Raum „Beroun“ und zeigten sich in ihren mit viel Liebe zum Detail gestalteten Kostümen.
Wer hat die besten Raumschiffe für die Schlacht? Filip Sandte (v.l.), Kai Mohamed und Lukas Banas bereiten sich vor auf das Spiel „Armada“. Foto: Petra Hartmann
In der „Interstellaren Gaming-Area“ durften die Besucher auf dem Spielbrett Raumschiffe in die Schlacht werfen oder sich in Retro- und Konsolengames austoben. Bufdi Filip Sandte und Lukas Banas, Mitarbeiter der Kulturverwaltung, hatten unter anderem das Spiel „Armada“ im Angebot. Und Banas hatte auch Teile der Raumschiffsammlung ausgestellt, die er und sein Bruder Benedikt zusammengetragen haben. Die beiden haben ihr Sammelgebiet brüderlich aufgeteilt: Benedikt sammelt Rebellen-Schiffe, Lukas schwärmt für die imperiale Flotte und ihre klaren Formen, vor allem für den imperialen Sternzerstörer.
Flucht vom Lego-Todesstern
In der Bibliothek haben es sich Vanessa Ohms und Svenja Postler in den Sitzsäcken bequem gemacht und lassen Legofiguren durch den Todesstern hasten. Prinzessin Leia auf gefährlicher Mission will geheime Unterlagen nach draußen bringen und kämpft sich durch Fallen aus Klemmbausteinen über den Bildschirm.

Vanessa Ohms (links) und Svenja Postler kämpfen sich durch den Lego-Todesstern. Foto: Petra hartmann

Bitte VR-Brille aufsetzen: Franziska Platzek lädt zum virtuellen Laserschwert-Kampf ein. Foto: Petra Hartmann
Darth Vaders asthmatisches Röcheln
Wieder fauchen Darth Vaders charakteristischen Asthmatiker-Beatmungs-Geräusche durch die Luft. Den Sith hört man schon lange, bevor man ihn sieht. Wer ihm in den dunklen Räumen der Ausstellung begegnet, kann so rechtzeitig zur Seite springen. Man weiß ja nie. Und wer ist das, der da auf dem altehrwürdigen Kaiserthron der Stadt Platz genommen hat? Da können die Goslarer nur staunen.
Auf einer galaktischen Rallye streifen 56 Teilnehmer durch den Kulturmarktplatz. Sie versuchen herauszufinden, welche Kirchen von galaktischen Sturmtruppen besetzt wurde, welche Kampfstation über dem Besucherbergwerk Rammelsberg auftauchte und seit welcher Epoche das Imperium die Goslarer Bürgerschaft drangsaliert.
Zwei Ausflüge zur ISS
Wem der Sinn eher nach realer Science und weniger nach Fiction steht, der ist gut bedient mit den Vorträgen, die die Sternwarte St. Andreasberg anbietet. Hier gibt es viele Informationen über den Alltag auf der ISS und über die Roboter an Bord.

Lars (links) und Benjamin Offeney basteln aus Legosteinen den linken Fuß von R2-D2. Foto: Petra Hartmann
Für Tüftler stehen Tische voller Legosteine parat. Das Ziel: im Laufe des Abends einen rund 90 Zentimeter hohen R2-D2 zusammenzubauen. Lars und Benjamin Offeney starten kurz nach 17 Uhr mutig mit einer Handvoll weißen Steinen. „Das wird der linke Fuß“, erklärt Lars Offeney. Andere steigen ein. Der rechte Fuß geht genauso, nur spiegelverkehrt. Der Mittelfuß sieht anders aus. 12.300 Teile gilt es zu verbauen. Ob der Abend reicht?
Verirrt im Fandom
Langsam füllt sich das Haus mit Cosplayern in zum Teil sehr aufwendigen Gewandungen. Insgesamt 47 Besucher nehmen an dem Kostümwettbewerb teil. Außer Konkurrenz spielen die Mitarbeiter der Stadt mit, die sich mit fast gleichgroßer Hingabe ausstaffiert haben. Heiße Anwärterin auf das mutigste Outfit war auf jeden Fall Jessica Szodruch. Sie kam in einer Star-Trek-Uniform zur Star-Wars-Nacht. Und dann auch noch in Rot. Todesmutig. Aber die Sterne stehen günstig, und im Fandom sind ohnehin alles Freunde, versichern die Cosplayer.
Gewagtes Outfit: Jessica Szodruch kommt zum Star-Wars-Treffen in Star-Trek-Uniform. Und dann auch noch in Rot. Live long and prosper. Foto: Petra Hartmann
Vierjährige als strahlende Siegerin
Zur Siegerehrung versammeln sich gegen 21.30 Uhr alle Besucher und Fans vor der Bühne am Museumsufer. Rainer Schunte, der die Rallye gewonnen hat, geht mit einem Stormtrooper-Helm nach Hause. Beim Kostümwettbewerb erreicht Esther Schiminsky den dritten Platz als Twi‘lek-Kopfgeldjägerin. Platz zwei geht an ein Duo: Sarah Emerald und Mike Lohmann hatten die traditionellen Stormtrooper-Uniformen kreativ veredelt und streiften als glitzernder „Disco-Trooper“ und „Blue Hip-Hop-Trooper“, begleitet von entsprechender Partymusik, über das Gelände. Aber souverän abgeräumt hat am Ende die Jüngste im Feld: Prinzessin Lisa Habermann ist zwar erst vier Jahre alt, aber mindestens genau so mutig wie die Großen. Sie vereinigt 86 Stimmen der Besucher auf sich und gewinnt den ersten Preis. Ein bisschen geholfen hat ihre Mutter ihr beim Kostüm, räumt die Siegerin ein. Aber nur ein klitzekleines Bisschen.
Langsam senkt sich die Nacht über das Museumsufer. Die roten, grünen und blauen Laserwerter aber glühen noch lange durch die dunklen Gassen Goslars.
Viele Besucher blieben bis zur Siegerehrung in den späten Abendstunden. Foto: Petra Hartmann

Ein Hingucker: Ulrich Albers und Kirsten Brocks. Foto: Petra Hartmann

Einladungen, auf die dunkle Seite der Macht zu wechseln, gab es genug. Foto: Petra Hartmann