Trotz Gerüchten: Freie Schule Oberharz macht weiter und wächst
Die Freie Schule in Wildemann gibt es seit fast zwei Jahren und sie freut sich über wachsenden Zulauf von Schülern. Foto: Knoke
Die Freie Schule startet durch, trotz früherer Zweifel und Gerüchte. Zum neuen Schuljahr sollen 20 Kinder dort lernen. Dennoch steht die Schule weiter vor Herausforderungen.
Wildemann. Trotz wiederkehrender Gerüchte über eine mögliche Schließung besteht die Freie Schule Oberharz weiterhin. Der Trägerverein um die beiden Vorsitzenden Cornelia Knust und Martina Michel betont, dass die Grundschule in Wildemann stabil arbeite und nach anfänglichen Schwierigkeiten inzwischen in ruhigerem Fahrwasser sei.
Anfang 2024 bringen Martina Michel (l.) und Cornelia Knust den 200-seitigen Gründungsantrag zur Behörde nach Braunschweig. Foto: Privat
Die Schule eröffnete im Sommer 2024, nachdem die staatliche Grundschule 2021 geschlossen worden war. Anders als bei öffentlichen Schulen liegt die Trägerschaft bei einem Verein, allerdings auf Grundlage eines rund 60 Seiten umfassenden pädagogischen Konzepts, das eng mit dem Regionalen Landesamt für Schule und Bildung abgestimmt wurde. „Es kann nicht jeder machen, was er will“, erklären die beiden Vorsitzenden und wissen, dass der Name Freie Schule für manche dahin gehend irreführend sein kann.
Engagement der Eltern wird erwartet
Zum Konzept gehören jahrgangsübergreifende Lerngruppen, projektorientiertes und selbstbestimmtes Lernen sowie beispielsweise der Verzicht auf Hausaufgaben. Gerade zu Beginn habe es Konflikte gegeben, weil einzelne Eltern Anpassungen gewünscht oder die Schulpflicht nicht immer ernst genommen hätten. Inzwischen achtet der Verein bei Aufnahmegesprächen stärker darauf, dass Familien das Konzept kennen und mittragen.
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Denn Engagement der Eltern ist laut der Vorsitzenden Knust ausdrücklich vorgesehen. Sie übernehmen Reinigungsarbeiten des Schulgebäudes am Wochenende im Wechsel, während die Lernbegleiterinnen die alltäglichen Aufgaben erledigen. Auch beim wöchentlichen Draußen-Tag, an dem die Kinder Natur, Vereine oder Institutionen kennenlernen, unterstützen Eltern organisatorisch und begleiten Ausflüge, ergänzt Vorstandskollegin Michel. Ziele waren unter anderem der 19-Lachter-Stollen in Wildemann, die Heimatstube in Altenau, das Wildkatzengehege in Bad Harzburg und ein Alpakahof bei Osterode. Die Kinder sind zudem etwa die stillgelegte Strecke der Innerstetalbahn entlanggelaufen, haben im Glückauf-Park Kaulquappen beobachtet und in Michels Garten Vögel gezählt.
Jedes Kind lernt im eigenen Tempo
Die Eltern heben laut dem Trägerverein besonders hervor, dass durch individuelle Wochenpläne besser auf Stärken und Schwächen der Kinder eingegangen werden könne, sodass jedes Kind im eigenen Tempo lernt. Einige Erstklässler üben bereits Englisch, was an Regelschulen meist erst ab Klasse drei beginnt.
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Kleinere Anpassungen beim pädagogischen Konzept beziehungsweise bei der Umsetzung hat es dennoch gegeben. So wurde laut den beiden Wildemannerinnen die erste Frühstückspause vorverlegt, nachdem Lehrkräfte festgestellt hatten, dass manche Kinder zu Hause nicht ausreichend gegessen hatten. Einmal wöchentlich erhalten die Schüler zudem eine kostenlose Obst- und Gemüselieferung, finanziert durch ein Ministeriumsprogramm. Ein warmes Mittagessen gibt es an der Freien Schule bislang nicht, da der Küchenumbau kostenintensiv sei. Finanziell arbeitet der Verein dem Vorstand zufolge weiterhin vorsichtig. Die Schule muss sich bekanntlich in den ersten drei Jahren selbst tragen, erst danach fließen staatliche Zuschüsse. Wie berichtet, gewährte eine Bank einen Kredit über 200.000 Euro, der überwiegend für Personalkosten verwendet wird. Knust und Michel sind erleichtert, dass zur Kreditabsicherung doch keine Kleinbürgschaften von Vereinsmitgliedern nötig seien.
Bislang kein warmes Mittagessen
Der Verein bemüht sich aktuell um eine Catering-Lösung, machen Knust und Michel deutlich. Ursprünglich war geplant, sich an die neue Mensa in Clausthal-Zellerfeld anzuschließen, die im Zuge der verpflichtenden Ganztagsbetreuung entstehen soll. Da dort bislang jedoch nicht einmal mit dem Bau begonnen wurde, bleibt diese Option vorerst aus. Auch beim Thema Ganztag zeigt sich die Schule flexibel: Falls das Land das auch für die Freie Schule vorschreibt, müsste eine Betreuung bis 16.30 Uhr angeboten werden, erklärt Knust. Ihr Eindruck nach Rückmeldungen der Eltern sei aber, dass die bisherigen Betreuungszeiten in Wildemann bis 14.30 Uhr bereits als vergleichsweise lang wahrgenommen werden.
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Anfangs hatte die Einrichtung Schwierigkeiten, die erforderliche Schülerzahl von mindestens zwölf Kindern zu erreichen. Diese Zahl wurde aber seit Beginn des aktuellen Schuljahres im August übertroffen. Aktuell besuchen laut Knust und Michel 14 Schülerinnen und Schüler die Schule. Zum kommenden Schuljahr werden weitere erwartet, sodass bald rund 20 Kinder dort lernen. Sie kommen aus der gesamten Berg- und Universitätsstadt Clausthal-Zellerfeld sowie aus umliegenden Orten wie Hahnenklee, Lautenthal, Bad Grund, Osterode oder Schwiegershausen.
Derzeit unterrichtet eine Lernbegleiterin und erhält Unterstützung von einer Bundesfreiwilligendienstleistenden. Im nächsten Schuljahr soll eine weitere Lehrerin aus der Elternzeit zurückkehren. Perspektivisch möchte der Verein aber noch einen weiteren Bundesfreiwilligendienstler an der Schule beschäftigen, bei der gestiegenen Schülerzahl halten das die beiden Vorsitzenden auch für nötig.
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