CvD und die Kunst: Goslar verbindet Filip Sandte und Peter Plate
Ku‘damm-Musicalpremiere (v.l.): Wolfgang und Urte Schwerdtner nehmen Filip Sandte und dessen Freund Keanu Barlen mit nach Berlin und stellen sie Peter Plate vor. Foto: Dominic Ernst
Filip Sandte hat in seiner Goslarer Heimat schon früh als CvD-Gymnasiast und Bufdi in der Kulturabteilung Eindruck hinterlassen. Inzwischen ist der 20-jährige Okeraner am Theater des Westens gelandet. Intendant Peter Plate hat ganz ähnliche Wurzeln.
Berlin/Oker. Filip Sandte ist angekommen – kein Zweifel. In Berlin. Im Studium. In der Szene, studentisch wie kulturell. In kreativen Kreisen. Und bei Peter Plate. Der junge Okeraner und der Komponist und Produzent mit Goslarer Schulvergangenheit haben sich per Zufall kennengelernt, gegenseitig Eindruck hinterlassen und beruflich insofern zueinandergefunden, als Sandte den betrieblichen Teil seines dualen Studiums in der Hauptstadt am Theater des Westens mit dessen Intendanten Plate absolviert – und zwar mittendrin und nicht nur dabei.
Der Intendant und der Student: Peter Plate und Filip Sandte haben die gleichen schulischen Wurzeln und ticken als Künstler ganz ähnlich. Foto: Heine

Das hat schon Flair: Filip Sandte schätzt das Saal-Ambiente im Theater des Westens mit Piano, Kronleuchtern und Spiegeln. Foto: Heine
Zeitung und Familie zu Besuch
In dieser Woche waren gleich zwei Goslar-Begegnungen samt Musicals angesagt. Zuerst schaut die GZ vorbei, die neugierig geworden ist, was aus dem früh auffälligen CvD-Gymnasiasten und Goslarer Kultur-Bufdi geworden ist. Zwei Tage später reist die Familie an. Vater Thorsten und Opa Dieter hatten beim Zufallstreff am Okeraner Osterfeuer vom Berliner Studium erzählt. Mutter Dina ist am Freitag 50 Jahre jung geworden – das darf gebührend gefeiert werden. Durch sie besitzt der Sohn übrigens auch die lettische Staatsbürgerschaft und ärgert sich ein bisschen, dass früher vorhandene Sprachkenntnisse mit der Zeit gelitten haben. Aber wenn das alles ist?...
Ein Erlebnis: Das Ensemble von Romeo und Julia holt sich seinen verdienten Applaus ab. Foto: Heine

Spontane Umarmung: Filip Sandte hält 2023 am CvD-Gymnasium die Rede für die Abiturienten und lässt sich von Direktor Martin Ehrenberg herzen. Foto: Heine (Archiv)

Werben fürs Pfalzquartier: Filip Sandte spricht als Goslarer Kultur-Bufdi im März des Vorjahres bei einer Veranstaltung im „Lindenhof“. Foto: Epping
Einstehen fürs Pfalzquartier
Weiter im Text: Sandte will noch nicht studieren, sondern auf seinen Freund Keanu Barlen warten, der ein Jahr später mit seinem CvD-Abschluss an der Reihe ist. Beide wohnen inzwischen zusammen in Neukölln und erfüllen sich ihren Traum. Beide sind aber auch dabei, als Schwerdtner mit Mann Wolfgang zur „Ku‘damm 59“-Premiere Anfang Mai 2024 eingeladen ist. Da ist Sandtes herzlich-beherzter Auftritt fürs Pfalzquartier gerade zwei Monate her, als er im vollen „Lindenhof“ und aus purer Überzeugung für die Chance geworben hat, eine Stätte der Vielfalt, für Feiern, für Kultur und vor allem für alle Altersgruppen zu schaffen. Skeptizismus sei nicht angebracht."Romeo und Julia" (Liebe ist alles)

Musical-Heimat: Das Theater des Westens steht in Charlottenburg unweit des Zoologischen Gartens. Foto: Heine
Noch viel Arbeit vor der Brust
Aber was heißt geschrieben? „Wir sind gerade mit dem ersten Akt fertig, krank werden darf keiner“, verrät Plate. In zehn Monaten ist Premiere und noch jede Menge zu tun. Heißt: Sich Tag für Tag von der Außenwelt abkoppeln und stundenlang Texte schreiben. Aber die Theaterleitung läuft doch auch weiter? „Wir sind alle Nerds und haben eigentlich einen an der Waffel“, sagt er und lacht, „aber so entstehen auch die besten Ideen.“ Das Vertrauen der Berliner ist da: Die Premiere am 21. März nächsten Jahres ist ausverkauft – eine Premiere übrigens, zu der keine Promis eingeladen werden, sondern die samt Aftershow-Party mit den wahren Fans gefeiert werden soll.
Ammerol-Spritz? Diese Grafik- und Marketing-Idee stammt vom jungen Okeraner. Foto: Heine

Prominenter Besuch: Franziska Giffey, frühere Regierende Bürgermeisterin von Berlin und inzwischen Wirtschaftssenatorin, mit Filip Sandte und Keanu Barlen. Foto: Privat
„Ich traue mich nicht“
Er selbst plaudert aus dem Nähkästchen, hat vor seinem Schulwechsel vom CvD zur Fachoberschule Sozialwesen an der BBS nebenan Beratungsgespräche. Grundtenor: „Eigentlich will ich Musik machen, aber ich traue mich nicht.“ Und er weiß ganz gutgelaunt: „Chefs sind am Ende die, die keine Ausbildung haben.“ Familie Sandte muss sich nicht fürchten. Plate rät Filip natürlich nicht vom Studium ab. Er selbst entscheidet sich freilich später anders. Schon als BBS-Schüler, aber immer noch mit früherer CvD-Freundesschar bringt er das erste von ihm komponierte Musical „Justus“ auf die Bühne im Forum der alten Goldenen Aue. Er muss lange um die Erlaubnis für die Verantwortung fürs Vorhaben ringen, weil Lehrkräfte nicht dabei sein sollen. Direktor Hansgeorg Engelke verleiht ihm letztlich Schlüsselgewalt – alles Lernprozesse. Auf derselben Bühne steht später Filip Sandte übrigens mehrere Jahre mit dem CvD-Theater, das Tanja Woitinas und Axel Dücker betreuen.
Unvergessen: Peter Plate und Anna R. spielen 2007 als Rosenstolz ein Konzert vor der Kaiserpfalz. Foto: Epping (Archiv)

Inzwischen ist er selbst Juror: 2007 wird Peter Plate in Hahnenklee der Paul-Lincke-Ring verliehen. Foto: Schenk (Archiv)
Paul Lincke und Der goldene Ton
Längst ist Plate nicht nur Träger, sondern auch Juror der Auszeichnung, die jetzt „Der goldene Ton“ heißt. Logisch, dass er die Diskussion um Paul Lincke und seine Nähe zu Nazi-Größen genau verfolgt hat. Filip Sandte war noch als Bufdi mit eigenen Vorschlägen bei der Aufarbeitung enger dabei. Leider habe sich sein Gedanke, nach Vorbild des Kaiserrings eine Art Stipendium aufzulegen, bisher nicht niedergeschlagen, erklärt er. Er gibt aber Plate vollkommen recht, wenn dieser sagt: „Für mich ist es überhaupt kein Drama, den Preis umzubenennen – super, dass das geklappt hat.“ Die Situation sei verfahren gewesen, aber man könne sich auch nicht ewig damit aufhalten. Er lobt die Stadt Goslar für den Umgang mit der Sache und freut sich, dass der Blick jetzt endlich wieder nach vorn geht und der eigentliche Sinn im Vordergrund steht – nämlich die Musik zu fördern.
Trauer um Anna R.: Vor dem Konterfei der früheren Rosenstolz-Sängerin stehen am Theater des Westens viele frische Blumen und Andenken. Foto: Heine
Goslar lässt Plate als Juror nicht los. Und Sandte? War zuletzt erst Mitte Mai zum Finale des Eurovision Song Contest daheim in Oker. Eine Tradition und ein Erlebnis, es mit der Familie zu sehen: „Ich habe erst überlegt, in Berlin etwas mit Freunden zu organisieren – es hat sich aber nicht richtig angefühlt.“ Die Verbindung reißt ohnehin nicht ab. Zur Goslarer Kulturverwaltung. Und auch zur alten Schule nicht.
Einladung an die CvD-Zwillinge
Demnächst freut er sich auf einen Kontakt zu Alexandra und Larissa Schütz. Die Zwillinge aus CvD-Jahrgang neun sind nämlich absolute Musical-Fans und waren auch schon für Romeo und Julia im Theater des Westens („aber in der früheren Inszenierung“). Als sie über Lateinlehrerin Christina Heine vom bevorstehenden GZ-Trip nach Berlin erfahren, geht ein persönliches Schreiben an Peter Plate mit. Spontane Reaktion des gerührten Intendanten: „Die beiden müssen wir unbedingt einladen.“ Wofür jetzt Filip Sandte zuständig ist. Das hat jedenfalls sein Chef so entschieden ...
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