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Ortsbrandmeister zieht Bilanz

GZ Plus IconPanzerabwehrrakete hält die Hohegeißer Wehr in Atem

Das Foto zeigt einen Wagen, der auf dem Dach liegt und eine scheinbar vergammelte Panzerabwehrrakete.

Zwei Tage hält der Fund einer Panzerabwehrrakete nach einem Verkehrsunfall auf der B4 die Einsatzkräfte der Feuerwehr Hohegeiß in Atem. Foto: Feuerwehr

Der Fund einer Panzerabwehrrakete hat die Hohegeißer Feuerwehr im November 2025 zwei Tage lang in Atem gehalten, zieht Ortsbrandmeister Frank Lindemann Bilanz.

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Von Michael Eggers
Montag, 02.02.2026, 19:45 Uhr

Hohegeiß. Im vergangenen Jahr rückten die Einsatzkräfte der Hohegeißer Feuerwehr häufiger aus als 2024. Von den 45 Einsätzen erinnerte Ortbrandmeister Frank Lindemann in der Jahreshauptversammlung am Freitagabend vor allem an den Fund einer Panzerabwehrrakete im November nach einem Verkehrsunfall auf der B4 am Jägerfleck. Dieser Einsatz hat die Feuerwehrleute fast zwei Tage in Atem gehalten.

Zunächst waren die Einsatzkräfte an einem Samstagabend gegen 19 Uhr zum Jägerfleck wegen eines Verkehrsunfalls ausgerückt. Vor Ort stellten sie dann schnell fest, dass es kein „normaler Einsatz“ war. Bei dem Unfall hatte ein 41-jähriger Mann aus Nordhausen, der bei Nebel aus noch ungeklärter Ursache von der Fahrbahn geraten war, den Boden im Straßengraben so aufgepflügt, dass die Panzerabwehrrakete aus dem Zweiten Weltkrieg zum Vorschein kam.

Der Kampfmittelbeseitigungsdienst wurde dazugezogen, berichtete Lindemann weiter, und weil das Fundstück nicht entschärft werden konnte, sei die Panzerabwehrwaffe dann am Sonntag gegen 13.30 Uhr im Waldgebiet Richtung „Grünes Dreieck“ gesprengt worden.

Das Foto zeigt eine Gruppe von Menschen, die teilweise Urkunden in die Kamera halten.

Ortsbrandmeister Frank Lindemann (links), sein Stellvertreter Frank Röhnelt (3.v.l.), Stadtbrandmeister Lukas Neuse (3.v.r.), Kreisbrandmeister Udo Löprich (2.v.r.) und Bürgermeister Wolfgang Langer befördern Jule Hansmann zur Brandmeisterin und ehren Dirk Schärffe (4.v.l.) und Ulrich Hundt (4.v.r.) für 25-jährige Mitgliedschaft in der Feuerwehr Hohegeiß. Foto: Eggers

Zusammen mit Einsatzkräften der Feuerwehr Braunlage hatten die Hohegeißer einen 300 Meter Radius rund um den Sprengort abgesperrt. „Die Druckwelle der Sprengung war aber so groß, dass wir das auf der Entfernung noch auf der Brust gespürt hatten“, sagte Lindemann.

Kohle auf den Kompost geworfen

Immer wieder mussten die Hohegeißer Feuerwehrleute auch zum Hotel „Panoramic“ ausrücken, wo die Brandmeldeanlage stets auslöste, wenn in den Appartements Essen gekocht wurde. Die Brandmeldeanlagen (neben der vom Panoramic auch die vom Senioren- und Pflegeheim) schlug 21 Mal an, 2024 waren es noch 17 Alarmierungen deswegen gewesen, bei denen aber jeweils nichts war.

Weiter gab es 14 technische Hilfeleistungen, fünf Brände, drei Brandsicherheitsdienste und zwei Fehlalarme. Bei den Bränden ging Lindemann noch auf ein Feuer im Mai in der Straße „Auf dem Berge“ gesondert ein, bei dem der Hausbesitzer heiße Grillkohle auf den Kompost geworfen hatte, die er mit Wasser ablöschte. Gegen 23 Uhr habe der Kompost gebrannt und die Flammen seien unter das Dach der Garage geschlagen, in der sich zwei Öltanks befanden.

„Wir hatten den Brand aber schnell im Griff und konnten sogar die nachrückenden Kollegen aus Braunlage wieder abdrehen lassen“, berichtete der Ortsbrandmeister. Und weiter: „Jetzt sind die Besitzer und auch ihre Nachbarn bei uns Fördermitglieder.“

Jugendwart Steve Behrens berichtete, dass sich die Zahl der Mitglieder von Kinder- und Jugendfeuerwehr von sieben auf 14 verdoppelt hat. Insgesamt war der Nachwuchs im Vorjahr 100 Stunden im Einsatz, die Hälfte davon für die Löschausbildung, die andere Hälfte für die allgemeine Jugendarbeit wie beispielsweise die Teilnahme am Jugendfeuerwehr-Zeltlager in Hüttenrode.

Nachwuchs und aktive Wehr haben zudem Anfang April unter der Leitung von Revierförster Dennis Ahrenhold zusammen mit Mitgliedern des Harzklubs, der Erlebnistage und der Jagdgenossenschaft mehr als 400 Bäume am sogenannten Grünen Dreieck oberhalb des Bärenbachtals gepflanzt, berichteten Steve Behrens und Frank Lindemann.

Erstmals hat die Hohegeißer Feuerwehr jetzt mit Jule Hansmann eine Brandmeisterin in ihren Reihen. Sie ist während der Hauptversammlung von der Hauptfeuerwehrfrau zu diesem neuen Dienstrang befördert worden. Möglich machte das die Änderung der Feuerwehrverordnung in Niedersachsen, wie der neue Stadtbrandmeister Lukas Neuse in seinen Grußworten berichtete.

Keine Löschmeister mehr

„Wir haben erst auf Kreisebene diskutiert, ob wir die Verordnung gleich umsetzen oder noch warten“, berichtete Neuse, doch es sei entschieden worden, die Verordnung gleich anzuwenden. „Dadurch haben wir in diesem Jahr weniger Beförderungen“, erklärte er. Nach dieser neuen Rechtsgrundlage fallen die Löschmeister-Dienstgrade weg. Die Hauptfeuerwehrleute werden deshalb gleich zu Brandmeistern befördert. Die vorherigen Brandmeister heißen jetzt Brandinspektoren.

Niedersachsen hatte das geändert, um die freiwilligen und die Berufsfeuerwehren näher anzupassen. Geändert haben sich dabei auch die Uniformen, die laut dem neuen Stadtbrandmeister in Braunlage, St. Andreasberg und Hohegeiß von diesem Jahr an so peu à peu angepasst werden sollen.

Weitere Grußworte richteten unter anderem auch Bürgermeister Wolfgang Langer und der neue Kreisbrandmeister Udo Löprich an die Versammlung. Beide dankten den Einsatzkräften für ihr ehrenamtliches Engagement. Langer stellte heraus, dass in Hohegeiß jeder sechste Einwohner Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr sei. „Das zeigt schon, wie tief die Feuerwehr im Bergdorf verwurzelt ist“, meinte er.

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