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Vor 400 Jahren

GZ Plus IconAls der Dreißigjährige Krieg durch den Oberharz fegte

Eine Tafel an der St.-Salvatoris-Kirche erinnert an Thomas Merten.

Eine Tafel an der St.-Salvatoris-Kirche erinnert an Thomas Merten. Foto: Neuendorf

Im März 1626 wehrt sich das protestantische Zellerfeld gegen die Invasion aus dem katholischen Clausthal. Wie ein tapferer Kriegsheld noch heute geehrt wird.

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Von Sören Skuza
Donnerstag, 19.03.2026, 12:00 Uhr

Clausthal-Zellerfeld. Der Dreißigjährige Krieg: Einer der zerstörerischsten Konflikte, der über Jahrzehnte hinweg Millionen Tote gefordert hat, ob auf dem Schlachtfeld oder infolge von Seuchen und Hungersnöten. Während etwa die Schlacht bei Lutter den meisten ein Begriff sein dürfte, so ist vielen – zumindest außerhalb des Oberharzes – weniger bekannt, wie Feldherr Tilly mit seinen Truppen in Zellerfeld einfiel.

Clausthal und Zellerfeld sind vor 102 Jahren erst eins geworden. Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges waren sie nicht nur zwei verschiedene Bergstädte, zwischen ihnen verlief eine Landesgrenze: Zellerfeld lag auf dem Gebiet des protestantischen Fürstentums Braunschweig, während Clausthal zu den Verbündeten des (katholischen) Kaisers gehörte.

Tilly erreicht Clausthal

Der langjährige Vorsitzende des Oberharzer Geschichts- und Museumsvereins Helmut Radday zeichnete in einem 2002 in zweiter Auflage erschienenen Führer durch das Bergwerksmuseum die Geschehnisse des Dreißigjährigen Krieges im Oberharz nach. Demnach traf Graf Tilly, Heerführer der Katholischen Liga, mit seinen Truppen am 19. März 1626 in Clausthal ein.

Der Feldherr Tilly.

Johann T’Serclaes von Tilly, Stich von Pieter de Jode d. Ä. nach Anthonis van Dyck. Foto: Wikipedia

Die Bergstadt war zu dieser Zeit durch die Folgen der Pest gebeutelt, allein 1625 waren 1350 Clausthaler an der Seuche gestorben. Tilly schickte einen Parlamentär, also einen Unterhändler, in das feindliche Zellerfeld, der dort die Übergabe der Stadt forderte. Als dieser dort erschlagen wurde, gab Tilly den Befehl zur Erstürmung.

In Fahne der Stadt gehüllt

„Unter der Führung ihres Stadthauptmannes, des Berggeschworenen Thomas Merten, leisteten die Zellerfelder hartnäckigen Widerstand, wurden aber von den Truppen Tillys überwältigt“, schreibt Radday. Der Überlieferung nach soll Thomas Merten in die Fahne der Stadt Zellerfeld gehüllt gestorben sein.

Der Thomas-Merten-Platz.

Der Thomas-Merten-Platz erinnert an den Verteidiger Zellerfelds. Foto: Neuendorf

„Obwohl die Tötung des Parlamentärs auch nach damaligem Brauch eindeutiger Rechtsbruch war, beeindruckte die Tapferkeit des Stadthauptmannes Thomas Merten den Grafen Tilly so sehr, dass er für ihn ein Begräbnis mit allen Ehren anordnete“, heißt es in dem Museumsführer weiter.

Feldherr stirbt 1632

Der Dreißigjährige Krieg tobte danach noch viele Jahre weiter. Ende 1630 bekam Tilly zusätzlich zu seiner Aufgabe als Oberbefehlshaber der Katholischen Liga die Rolle als Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen. Der Graf starb am 30. April 1632 in Ingolstadt an den Folgen einer Schussverletzung.

An den tapferen Stadthauptmann von Zellerfeld indes erinnert bis heute eine Plakette an der St.-Salvatoris-Kirche und gegenüber natürlich der Thomas-Merten-Platz im Herzen Zellerfelds. Derzeit laufen Planungen für die Umgestaltung des Platzes. Die Überlegungen beinhalten unter anderem die Nutzbarkeit für Veranstaltungen sowie den Betrieb eines Wasserspiels. Ob die Stadt das Projekt bereits im laufenden Jahr angehen kann, ist noch unklar. Die Gesamtkosten liegen laut derzeitiger Schätzung bei 1,7 Millionen Euro.

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